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Göttingen Wohngruppen für Mädchen mit Essstörungen
Die Region Göttingen Wohngruppen für Mädchen mit Essstörungen
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18:56 30.06.2010
Wenn das Körpergefühl aus dem Gleichgewicht gerät: Essstörungen können zu schweren Schäden bis hin zum Tod führen. Quelle: dpa
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Aufgenommen werden Mädchen, die an Magersucht (Anorexie) oder Ess-Brech-Sucht (Bulimie) leiden und nach einem Klinikaufenthalt weitere Schritte zur Bewältigung der Krankheit und zurück ins Leben machen wollen. Mädchen, die an Essstörungen litten, würden immer jünger, erläutern Gabriele Betz und Ursula Koch von der Therapeutischen Frauenberatung. So seien zehnjährige Kinder in Kliniken keine Seltenheit mehr. Ein Grund sei, dass das Eintrittsalter für die Pubertät sinke – Anorexie trete oft mit der Pubertät ein. Aber auch sonst werde teilweise schon im Kindesalter in den Familien – durchaus nicht in böser Absicht – ein Körperkult betrieben, bei dem eine verhängnisvolle Verknüpfung zwischen einem bestimmten Schönheitsideal, Gesundheit und Erfolg hergestellt werde.

Die Folgen etwa bei der Magersucht sind dramatisch: Zehn Prozent der Erkrankten sterben laut Betz an den Folgen der Erkrankung. Das sei die höchste Sterblichkeitsrate bei einer psychischen Krankheit im Kinder- und Jugendalter. Gerade in einer Phase, da sich die Jugendlichen stark entwickeln, nehmen die Organe schweren Schaden.

In der Einrichtung werden nur Mädchen aufgenommen, denn 95 Prozent der Menschen mit Essstörungen sind weiblich. Über die Verbreitung von Essstörungen gibt es nur begrenzt verlässliche Aussagen. Nach einer Studie des Robert-Koch-Instituts zeigt unter den Kindern und Jugendlichen im Alter von 11 bis 17 Jahren mehr als jeder fünfte Symptome einer Essstörung. Von den 14- bis 24-Jährigen sind nach der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen 0,5 bis ein Prozent an Anorexie erkrankt, zwei bis vier Prozent an Bulimie, wobei von einer hohen Dunkelziffer auszugehen sei.

Bei Magersucht werde das Essen missbraucht, um die Psyche zu regulieren, erläutern Koch und Betz. Bei Problemen in der Pubertät fänden die Mädchen eine Lösung darin, eine Kontrolle über die Nahrungsmittelaufnahme zu entwickeln. Oft seien die Betroffenen geschickt darin, ein solches Verhalten zu vertuschen, das binnen zwei bis drei Jahren chronisch werden könne. Dabei entwickele sich ein Glücksgefühl, wenn es gelinge nichts zu essen.

Eine Magersucht entwickele sich nicht selten zu einer Bulimie, bei der die Erkrankten bei einer Mahlzeit 10 000 Kalorien in sich hineinstopfen, um das Essen anschließend wieder zu erbrechen. Hier würden erst beim Schlemmen Glücksgefühle freigesetzt, das anschließende Erbrechen werde dann als „Kick“ empfunden. Häufig träten Essstörungen in Verbindung mit anderen psychischen Erkrankungen wie Borderline-Syndrom, Zwangs- oder Angststörungen auf.

Bisher gibt es in der Einrichtung mit bundesweitem Einzugsgebiet sechs Plätze. Doch schon jetzt gebe es mehr Anfragen als Plätze, so Koch. Casa Zwo soll möglicherweise später noch erweitert werden. Die Mädchen haben jeweils ein Einzelzimmer, teilen sich aber Bad und Küche wie in einer WG. Betreut werden die jungen Mädchen von einem multiproffessionellen Team aus acht Mitarbeitern mit Ursula Koch als Leiterin. In dem Team wirken unter anderem pädagogische, therapeutische und ernährungswissenschaftliche Fachkräfte mit. Nachtbereitschaften gewährleisten eine Betreuung rund um die Uhr.

Die Mädchen sollen in der Einrichtung auch wieder das normale Essen lernen. Deswegen gibt es eine gekochte Mahlzeit am Tag, die gemeinsam am Tisch eingenommen wird. Die Mädchen sollen wieder ein Gefühl dafür bekommen, was für den Körper gesund und verträglich ist und auch lernen, in der Fülle des Supermarktes einzukaufen.

Schulschwierigkeiten oder soziale Schwierigkeiten gebe es bei den Mädchen mit Essstörungen dagegen praktisch nicht. Sie zeichneten sich vielmehr häufig durch einen Drang zu Perfektionismus und Sucht nach Anerkennung aus. Sie müssten lernen, dass sie einfach auch als Mensch geliebt werden können. Die durchschnittliche Erkrankungsdauer bei einer Essstörung liege bei sieben Jahren.
Die Einrichtung Casa zwo hat zur Miete ein Haus der Städtischen Wohnungsbau bezogen. Diese hat nach eigenen Angaben zuvor 220 000 Euro in die Sanierung des Gebäudes gesteckt.

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