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Göttingen Garantiert günstige Mieten
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14:43 27.02.2018
Mitglieder der Initiative vor ihrem „grünen Haus anner Ecke“, Wiesenstraße 28 in Göttingen. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

„Das grüne Haus anner Ecke“ – so haben die Bewohner des Hauses Wiesenstraße 28 ihr Projekt genannt. Sie haben das Mietshaus gekauft, um es als potenzielles Spekulationsprojekt dem Immobilienmarkt zu entziehen und günstige Mieten zu garantieren. Dabei haben sie sich eines bundesweiten Modells bedient und dem Mietshäuser-Syndikat angeschlossen.

Als sie Wind davon bekamen, dass das grüne Fachwerkhaus aus dem Jahr 1895 Ende 2016 verkauft werden soll, wurden die jungen Mieter, überwiegend mit studentischem Hintergrund, aktiv. Ein ernsthafter Interessent, ein Architekt, habe es abreißen und ein neues Gebäude auf dem Grundstück errichten wollen, erzählt Miriam Rainers, eine der Mieterinnen. Also schlossen sie sich zusammen, um das zu verhindern. 240 000 Euro kostete die Immobilie. Ein Jahr habe es gedauert, bis das Geld besorgt und die Verträge unterschrieben waren. Das habe auch daran gelegen, dass die Bank wissen wollte, wie hoch die Renovierungskosten würden. Als „sehr professionell“ bezeichnet Mieter Markus Nischik die Ermittlung des Kostenplans, bei dem sie von einem Architekten beraten wurden, der schon zahlreiche ähnlich gelagerte Projekte betreut habe. Zwischen 300 000 und 350 000 Euro müssen sie für die Renovierung aufbringen.

Das Syndikat

Das Mietshäuser-Syndikat agiert bundesweit und ist derzeit an 128 Hausprojekten beteiligt. 17 Initiativen sind kurz davor, Häuser zu kaufen. Es berät Menschen, die sich für das Syndikatsmodell interessieren. Um ein Projekt umzusetzen, ist es notwendig, einen Verein zu gründen. Der gründet eine GmbH, die das Wohnobjekt kauft. Gesellschafter der GmbH sind der Verein und das Syndikat, das ein Vetorecht bei einem zukünftigen Verkauf der Immobilie besitzt. Auch kann das Syndikat bei Satzungsänderungen und der Verwendung eingenommener Mieten mitreden. Der Kauf wird finanziert über Direktkredite, die die Vereinsmitglieder einwerben, und über einen Bankkredit. Beides wird bedient durch die Mieteinnahmen. Vereine, die Mitglied im Syndikat sind, erhalten Beratungen von mindestens einem anderen Syndikatsprojekt. Mit dieser Konstruktion sollen Immobilien dauerhaft dem Markt entzogen werden. Die Mieten sollen niedrig sein und kommunikatives gemeinschaftliches Wohnen soll ermöglicht werden. Vereinsmitglieder, die mit einem Direktkredit eingestiegen sind, können ihn mit einer Frist von sechs Monaten kündigen. In der Regel werde in solchen Fällen das Geld innerhalb eines Jahres zurückgezahlt. Nach Ablauf der Kredite gehört die Immobile dem Verein. Ein weiteres Projekt in Göttingen läuft ebenfalls über das Mietshäuser-Syndikat: das Gebäude Obere-Masch-Straße 10, das ehemalige DGB-Haus.

Ein Drittel der Summe hat die Gruppe selbst eingeworben über Direktkredite, die ihnen Verwandte und Bekannte zu einem Zinssatz von maximal einem Prozent gaben – weil sie ein soziales Projekt seien, erklärt die Gruppe. Für den Kredit über die Restsumme habe man sich über Göttinger Banken informiert, die allerdings schnell einen Rückzieher gemacht hätten, sagt Rainers. Nischik ergänzt: Es sei eine Herausforderung gewesen, eine „ethische Bank“ zu finden. Jetzt abreiten sie mit der Umweltbank zusammen. Dort habe das Stichwort Mietshäuser-Syndikat Türen geöffnet.

Acht Mieter haben sich zusammengetan, um das Projekt zu verwirklichen. Bis zu 15 Menschen sollen später in dem grünen Haus wohnen können. Auch einen geräumigen Gemeinschaftsraum soll es geben. Über die Mietzahlungen werden die Kredite abbezahlt. Nicht jeder, der dort wohnt, muss sich über einen Kredit einbringen, aber alle zahlen Miete. Gemeinsam kümmern sie sich jetzt um die Immobilie. Sie beraten und debattieren, entscheiden zusammen, regeln die Buchführung. Je nach Zeit bringen sie sich ein.

„Es gibt Wochen, da haben wir jeden Tag einen Termin“, berichtet Nischik. „Manchmal ist das wie ein Nebenjob“, ergänzt Rainers. Üblich seien jedoch wöchentliche Treffen, die zwei bis drei Stunden dauern, und ein Engagement in Arbeitsgruppen, die sich alle zwei bis drei Wochen zusammensetzen. Alle wollten an einem Strang ziehen, aber „natürlich haben wir Konflikte“, sagt Rainers. Ein Vorteil sei: „Wir sind nicht abhängig von einem Vermieter.“

Derzeit berät die Gruppe über notwendige Sanierungs- und Renovierungsmaßnahmen und deren Umfang. Das Fachwerk ist verdeckt und soll freigelegt werden. Fällig sind Dach, Fassade, Elektroleitungen, Heizung und Wasserrohre. Ökologisch wollen sie vorgehen und Nachhaltigkeit berücksichtigen. Dennoch wird die Kaltmiete nur bei durchschnittlich 7,70 Euro liegen. „Plus minus 20 Prozent“, sagt Susanne Brunotte, „wir haben ein solidarisches Mietkonzept“. Und mit Blick auf den geringen Mietzins meint Nischik: „Das zeigt, wie unverhältnismäßig die Mieten üblicherweise kalkuliert sind.“

Wichtig ist allen, dass sie kein Wohneigentum schaffen. Niedrige Mieten wollen sie auf Dauer gewährleisten und den Wohnraum in der Gemeinschaft verwalten. Künftige Projektbeteiligte sollen bei einem Wertzuwachs der Immobilie keinesfalls einfach wieder verkaufen können. Sollte es irgendwann unlösbare Meinungsverschiedenheiten geben, die auch durch eine professionelle Mediation nicht gelöst werden könnten, könne sich der Verein zurückziehen und ein neuer Verein einsteigen, erklärt Nischik. Doch bislang gehen die Beteiligten offensichtlich sehr optimistisch an ihr Projekt heran. Im Januar haben sie den Kaufvertrag unterschrieben, am Freitag, 2. März, soll das Haus übergeben werden, so die Planung. Dann wollen sie mit viel Elan die Renovierung starten. Hilfe dabei nehmen sie gerne an.

Von Peter Krüger-Lenz

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