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Göttingen Mit 84 zu alt fürs Schöffenamt
Die Region Göttingen Mit 84 zu alt fürs Schöffenamt
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10:01 29.05.2018
Topfit, aber kein Schöffe: Wolfgang Thielbörger. Quelle: Foto: Wenzel
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Göttingen

Wolfgang Thielbörger ärgert sich. Er fühlt sich wegen seines Alters diskriminiert: „Justizminister darf ich noch werden, ehrenamtlicher Schöffe bei Gericht aber nicht“, sagt der 84-jährige ehemalige Göttinger FDP-Ratsherr. Er wäre gerne Schöffe geworden und hatte das auch zur diesjährigen Schöffenwahl im Frühjahr erneut angemerkt. „Zu alt, hieß es“, berichtet Thielbörger.

Rentner mit Zeit und Fitness

So sieht es auch das Gerichtsverfassungsgesetz vor. Dort heißt es in Paragraf 33, Absatz 2: „Zu dem Amt eines Schöffen sollen nicht berufen werden: Personen, die das siebzigste Lebensjahr vollendet haben oder es bis zum Beginn der Amtsperiode vollenden würden.“ Für Thielbörger unverständlich. Er sei Rentner, habe entsprechend Zeit für das Ehrenamt und sei körperlich und geistig fit. Im März sei er bei der Hallen-Europameisterschaft der Leichtathletik-Senioren vierter geworden, berichtet er. „Meine vielen Jahren Ratspolitik haben mich geistig fit gehalten“, sagt Thielbörger über sich selbst.

Verein gegen Altersdiskriminierung

Es ist nicht das einzige Mal, dass Thielbörger ein Engagement als Altersgründen verwehrt wurde. „Ich bin deswegen aus der Vertreterversammlung der Volksbank geflogen.“ Gegenüber der Bild-Zeitung hatte Thielbörger am Montag angekündigt, einen Verein gegen Altersdiskriminierung zu gründen.

Ähnliches wie Thielbörger kann Heiderose Niemeyer, Vorsitzende des Göttinger Seniorenbeirates berichten. Auch ihr wurde das Schöffenamt verwehrt. „Warum soll ich das nicht noch machen“, fragt die 73 Jahre alte, promovierte Biologin, die selbst zwei Perioden Jugendschöffin war. „Mit 60 beginnt die Jugend des Alters“, sagt sie. Senioren von heute seien doch „viel fitter“ als noch vor 50 Jahren sagt sie.

Senioren – „eine starke Wählerschaft“

Niemeyer nennt zwei weitere Beispiele: die Vergabe von Krediten und der Einzelzimmerzuschlag im Hotelgewerbe. So sei es kaum mehr möglich, für ältere Menschen bei Banken selbst Kleinkredite zu bekommen. „Aus Sorge, das Geld nicht mehr wiederzubekommen.“ Der oft erhobene Einzelzimmerzuschlag sei gerade für Rentner schwierig aufzubringen, meint Niemeyer.

Senioren „endlich ernstnehmen“

Der Seniorenbeirat werde „den Finger in die Wunde“ legen – auch bei Alterdiskriminierung – kündigte Niemeyer an. „Wir Senioren sind eine starke Gruppe und wir sollten auch so auftreten“, sagt Niemeyer. Immerhin vertrete der Seniorenbeirat in Göttingen rund 30 000 Menschen. „Eine starke Wählerschaft“, findet Niemeyer und fragt: „Wann begreift die Politik, dass die Anzahl der Senioren – mit steigender Tendenz – eine starke Lobby ist, die endlich ernst genommen werden muss?“

Inzwischen hat Niemeyer mit Thielbörger Kontakt aufgenommen: „Wir werden zusammen überlegen, wie wir – auch als Senniorenbeirat – diesem Dilemma begegen können“, sagt Niemeyer. Viele Regeln seien „aus alter Zeit und müssen dringend neu gestaltet werden“, fordert sie.

Aufruf des Tageblattes

Sie fühlen sich auch wegen Ihres Alters benachteiligt und diskriminiert? Dann schreiben Sie uns: Göttinger Tageblatt, Lokalredaktion, Stichwort: Senioren, Dransfelder Straße 1, 37079 Göttingen. Oder per E-Mail an: redaktion@goettinger-tageblatt.de.

Von Michael Brakemeier

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