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Göttingen NSU-„Todesliste“: Auch Göttinger im Visier
Die Region Göttingen NSU-„Todesliste“: Auch Göttinger im Visier
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15:03 21.06.2018
Vom so genannten „nationalsozialistischen Untergrund“ ermordet: Mehmet Turgut aus Göttingen. Quelle: dpa-Zentralbild
Göttingen

Die Liste ist lang: Mehr als 10 000 Personen sind darauf verzeichnet, teils mit minuziösen Anmerkungen über die potenziellen Ziele der Neonazis Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe. Ermittler fanden sie im Bauschutt von Zschäpes Wohnung.

Auch nach fünf Jahren NSU-Prozess ist nicht geklärt, was es mit der Liste genau auf sich hat und wer sie erstellt. Aufgrund der großen Personenzahl und genauer Beobachtungen halten es Opferanwälte für unwahrscheinlich, dass das Trio Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe die Infos alleine gesammelt hat, sondern eine Vielzahl von Helfern gehabt haben muss.

NSU-Komplex längst nicht ausermittelt

Die Journalisten Fromm und Boese gehen in ihrer Doku offenen Fragen nach, lassen Opferanwälte zu Wort kommen, kritisieren den mehr als laxen Umgang der Ermittlungsbehörden mit der „10 000er Liste“, bringen einen bislang ungeklärten Mordfall in die Nähe des NSU und kommen zu dem Schluss, dass der NSU-Komplex längst nicht ausermittelt ist.

Uwe Böhnhardt (l) und Beate Zschäpe im Jahr 2004. Quelle: BKA

Bereist ein Jahr nach Aufdeckung der NSU-Morde, wurde bekannt, dass auf der Liste mit 10 000 potenziellen Ziele der Mörderbande außer den Namen von 19 Göttinger Institutionen und Personen, darunter das Göttinger DKP-Büro und der Verein zur Förderung antifaschistischer Kultur, auch die drei CDU-Politiker Ilse Hansen, Harald Noack und Hartwig Fischer standen.

„Vom NSU war nie die Rede“

Die Betroffenen, so betonte das Landeskriminalamt (LKA) damals gegenüber dem Tageblatt, seien von Beamten des Staatsschutzes informiert worden, dass sie auf der Liste potenzieller Anschlagziele standen. Tatsächlich erfuhren sie teils aber erst durch Tageblatt-Recherche den Grund, warum sie bereits vor einem Jahr von Polizeibeamten aufgesucht und nach möglichen Beobachtungen ausgefragt wurden.

Neonazis um Uwe Mundlos (l.) und Uwe Böhnhardt, aufgenommen im Herbst 1996 in Erfurt im Umfeld eines Prozesses gegen den Holocaust-Leugner Manfred Roeder. Quelle: dapd

Vom NSU, so Noack und Hansen damals, sei nie die Rede gewesen. Fischer war vom Bundeskriminalamt (BKA) über Gefahr von Rechts informiert worden, kann sich den Zusammenhang mit der NSU aber erst jetzt erklären.

„Das hätte auch hier sein können“

Der gefundene Ausdruck der Liste datiert auf den 3. April 2006. Drei Tage später starb in einem Kasseler Internetcafé Halit Yozgat, das neunte und letzte Opfer in der NSU-Mordserie, durch zwei Kopfschüsse. „Das hätte auch hier sein können“, sagte ein Göttinger nach Bekanntwerden der Todesliste.

Die Dokumentation „Die Todesliste des NSU ist in der Mediathek des ZDF abzurufen.

Von Michael Brakemeier

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