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Göttingen Zahl der Schwerbehinderten steigt
Die Region Göttingen Zahl der Schwerbehinderten steigt
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15:00 28.06.2018
Berührungsängste abbauen und Inklusion fördern: Ein Projekt in der Arnoldi-Schule. Quelle: Peter Heller
Göttingen

Es gibt immer mehr schwerbehinderte Menschen in der Region: In den vergangenen zehn Jahren ist Zahl und nahezu 20 Prozent gestiegen. Das teilt die Krankenkasse IKK classic mit, die dafür Daten vom Landesamt für Statistik Niedersachsen ausgewertet hat.

Krankenkasse: Zahl steigt weiter

Allein in den vergangenen zwei Jahren, so die Angaben der IKK, steigt die Zahl der Schwerbehinderten im Landkreis Göttingen um 4,1 Prozent. Und: „Der demographische Wandel lässt die Zahl in den nächsten Jahren weiter wachsen”, so Peter Rupprecht von der Krankenkasse.

Landesweiter Trend

Ende 2017 lebten demnach im Landkreis 32.582 schwerbehinderte Menschen mit einem Behinderungsgrad (GdB) von mindestens 50 Prozent. Das sind 1.287 Personen oder 4,1 Prozent mehr als Ende 2015 (31.295 Personen). Ende 2007 waren es noch 27.385 schwerbehinderte Menschen. In den vergangenen zehn Jahren ist die Anzahl also um 19 Prozent gestiegen. Landesweit ist die Entwicklung laut IKK ähnlich: 2017 hatten 752.251 Niedersachsen einen Schwerbehindertenausweis mit einem GdB von mindesten 50 Prozent. Im Vergleich zu 2015 (724.265 Personen) ist die Anzahl um 3,9 Prozent, zu 2007 (641.092 Personen) um 17,4 Prozent gestiegen.

Krankheit, angeboren oder Unfall

„Der Trend ist eindeutig: Die Zahl der schwerbehinderten Menschen steigt”, so Rupprecht weiter. Was ist der Grund? „Mehr als 80 Prozent der Schwerbehinderten sind chronisch krank, nur jeder zwanzigste hat eine angeborene Behinderung, ein noch kleinerer Teil ist infolge eines Unfalls schwerbehindert“, erläutert Peter Rupprecht von der IKK classic. „Im Alter wächst das Risiko, durch eine chronische Krankheit schwerbehindert zu werden, beispielsweise durch einen Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebserkrankung oder auch Diabetes.“ Durch den medizinischen Fortschritt seien auch schwerwiegende Erkrankungen zum Teil gut behandelbar. Mehr als die Hälfte der Schwerbehinderten ist 65 Jahre und älter und ein Viertel sei durch Erkrankungen des Organsystems beeinträchtigt. „Überträgt man die heutige altersspezifische Häufigkeit von Behinderungen in die Zukunft, dann wird nach wissenschaftlichen Prognosen 2050 jeder achte Deutsche schwerbehindert sein”, teilt die IKK mit.

Zentrale, bezahlbare, barrierefreie Wohnungen benötigt

Der Verein Selbsthilfe Körperbehinderter in Göttingen sieht auch deshalb Handlungsbedarf, um sich auf die steigende Zahl der Behinderten einzustellen. Wichtig sei, auf dem Wohnungsmarkt entsprechende Angebote zu schaffen. „Wir brauchen mehr barrierefreie Wohnungen, die bezahlbar sind und zentral liegen”, sagt der stellvertretende Geschäftsführer des Vereins, Hendrik Falkenberg. Für Menschen, die auf den Rollstuhl oder auch einen Rollator angewiesen sind, sei eine Treppe bereits ein großes Hindernis. Auch beim Öffentlichen Nahverkehr sieht er noch Luft nach oben. „Im Stadtbereich hat sich schon viel zum positiven verändert, im Landkreis sieht das teilweise anders aus”, sagt er. Zudem plädiert Falkenberg dafür, mehr Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen zur Verfügung zu stellen. Ein weiterer wichtiger Punkt sei, die Arbeits derer, die sich um behinderte Menschen kümmern, aufzuwerten. “Wir schaffen es gerade noch, Personal zu finden”, sagt er. Eine tarifgebundene Bezahlung und ordentliche Arbeitsbedingungen seien aber nicht überall selbstverständlich. Auch beim Thema Inklusion von Kindern gelte: “Der Wille ist ja oft da, aber wenn es an die Umsetzung und die Finanzierung geht, geht es nicht voran”, so Falkenberg.

Kasse plädiert für Prävention

Die IKK plädiert vor allem für Präventionsmaßnahmen. Dafür müssen laut IKK classic Aufklärung, Beratung und Training zu Bewegung, Stressbewältigung, gesundheitsbewusster Ernährung und Suchtprävention selbstverständlich werden. Eine Behinderung liegt vor, wenn jemand eine oder mehrere gesundheitliche Beeinträchtigungen hat, die länger als sechs Monate anhalten und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben einschränken. Die Schwere wird durch den Grad der Behinderung (GdB) ausgedrückt. Jemand gilt als schwerbehindert, wenn der GdB 50 und mehr beträgt. Der Schwerbehindertenausweis dient als Nachweis für die Inanspruchnahme von Rechten und Leistungen (Nachteilsausgleichen), die schwerbehinderten Menschen nach den gesetzlichen Grundlagen zustehen.

Wer eine Schwerbehinderung feststellen lassen will, muss einen Antrag stellen. In Göttingen ist die zuständige Stelle die Hauptstelle vom Landesamt für Soziales, Jugend und Familie in Hildesheim. Die notwendigen Formulare werden auf der Website www.soziales.niedersachsen.de als Download angeboten.

Von Britta Bielefeld

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