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Göttingen Zerstörtes Fassadengemälde Göttingen: Kunst gegen Lebensmittel?
Die Region Göttingen Zerstörtes Fassadengemälde Göttingen: Kunst gegen Lebensmittel?
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20:13 15.10.2018
Zerstörtes Fassadengemälde an der Turmstraße. Quelle: Hinzmann
Göttingen

Bei einem Straßenfest sollte am 30. September das Fassadengemälde des Mittagstisches St. Michael gefeiert werden. Wenige Tage zuvor wurde das Kunstwerk von Unbekannten zerstört. Juliane Meyer hat das Gemälde „mitinitiiert“ – und fühlt sich jetzt zu Unrecht angegriffen.

Vorwürfe werden auf der FacebookseiteMittagstisch der Citykirche St. Michael Göttingen“ erhoben. Das Geld, insgesamt 44 000 Euro, hätte für Lebensmittel statt für Kunst ausgegeben werden müssen, fordert der Verfasser. Doch dafür seien die Spenden nie vorsehen gewesen, kontert Meyer. Mit den Vorhaltungen werde ein künstlicher Gegensatz aufgebaut: „Der Verfasser verwechselt Äpfel mit Birnen“, so Meyer.

„Mit der Facebookseite habe ich nichts zu tun“, sagt Pater Ludger Joss SJ, „ich bin als Mitglied aus der Gruppe ausgetreten.“ Es „gibt keine Follower“, betont der Pfarrer und Cityseelsorger von St. Michael; kommentiert hätte die Beiträge nur Meyer.

Geld ausschließlich und zweckgebunden für Kunstwerk und Klimaschutzaktion

Juliane Meyer ist Fernsehjournalistin beim Hessischen Rundfunk. Vor allem ist die 55-Jährige seit 15 Jahren ehrenamtlich beim Mittagstisch aktiv. Sie hatte „eine offene Debatte über das, was passiert ist und passieren wird“ gefordert. Aus Ihrer Sicht sind die Beiträge auf bei Facebook kein Teil einer Debatte „von gleich zu gleich“.

„Es wird behauptet, wir hätten Geld verschwendet, weil nicht der Mittagstisch, sondern das Kunstprojekt finanziert wurde“, so Meyer. Das Geld sei durch Crowdfunding, eine Großspende und weitere Zuwendungen zusammengekommen, sagt Joos: „Ausschließlich für dieses Projekt.“ Einen Gegensatz von Mittagstisch und Kunst zu konstruieren, „hat nichts mit dem Spenderwillen zu tun“. Der Verfasser suggeriere, dass Meyers Initiative dem Mittagstisch nicht nur nicht genutzt, sondern geschadet hätte. Joos Kommentar: „Fake News.“

Mit Fassadenbild mehr Sympathie – und mehr Unterstützung für die Gäste des Mittagstisches?

Meyer geht einen Schritt weiter. „Wäre das Wandbild heute noch existent, hätten wir wahrscheinlich schon weitere Spenden erhalten, möglicherweise sogar höhere Beträge, mit denen Straßensozialarbeit und Drogenberatung gefördert werden könnten.“ Sympathie und Unterstützung für die Aktion hätte im Zuge der Erstellung des Kunstwerks zugenommen.

Joos stimmt zu. Am Nachmittag des Straßenfestes hatte er betont: „Armut ist nicht etwas, das man mit Hartz IV aus der Welt schafft. Armut greift in die Seele ein. Man braucht Kreativität und Liebe mehr als Geld, um dagegen anzukommen.“

Juliane Meyer und ihr Team haben einen Dokufilm über die Entstehung des Kunstwerks gedreht. Ein Jahr waren sie beschäftigt, haben auch in die Produktion investiert. Alles ehrenamtlich? Fast: Meyer erhält 900 Euro Aufwandsentschädigung – geteilt durch fünf Akteure. Und eine Spende für den Mittagstisch sei selbstverständlich.

Kunstwerk für den Mittagstisch St. Michael und Teilnahme an der Aktion „Klimaschutz Innenstadt“ in Göttingen

44 000 Euro seien für das Gesamtprojekt eingeworben worden, so Joos. Rund 34 000 Euro für das Kunstwerk und 10 000 Euro „für die Botanik“. Joos: „Das Geld wurde restlos ausgegeben.“ Im Zusammenhang mit dem Projekt „Klimaschutz Innenstadt“ der Stadt Göttingen seien Kletterpflanzen, Kletterhilfen und Bodengitter zum Schutz der Pflanzen angeschafft worden – inklusive „der Bodenarbeiten, hat das einiges gekostet“. Intention sei gewesen, ein künstlerisches, ökologisches und soziales Gemeinschaftsvorhaben auf den Weg zu bringen, von dem er und andere Beteiligte sich nicht abdrängen lassen würden. „Das Kunstwerk ist zerstört, unser Traum nicht.“

Benefiz-Lesung für die künstlerische Neugestaltung des Mittagstisches geplant: Heike Ulrich (l.), Juliane Meyer. Quelle: Stefan Kirchhoff

Am Montagnachmittag hat sich Juliane Meyer mit Heike Ullrich getroffen; die 55-Jährige mit Meyer befreundete Autorin und Schauspielerin hatte auf der Buchmesse Frankfurt ihren Thriller „Jenseits des Nordlichts“ vorgestellt und machte in Göttingen Station, um sich das zerstörte Gemälde anzusehen. „Ich habe mich spontan entschieden, plane eine Benefiz-Lesung in Göttingen, um Geld für die Wiederherstellung des Bildes zu sammeln.“ Künstlerkollegen, so Ulrich, und weitere Unterstützer sind gern gesehen. „Auch Straßenkünstler“, betont Meyer, „alle an einem Tisch.“

Das Göttinger Tageblatt berichtete über die Zerstörung des Kunstwerks, den Tag danach, über das Straßenfest.

Von Stefan Kirchhoff

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