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Göttingen Hannover verbannt Zigeunerschnitzel: Göttingen behält Namen bei
Die Region Göttingen Hannover verbannt Zigeunerschnitzel: Göttingen behält Namen bei
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18:38 07.10.2013
Nur dem Namen nach umstritten, bei Schnitzel-Fans aber beliebt wie eh und je: Zigeunerschnitzel, hier zubereitet im Myer‘s. Quelle: Theodoro da Silva
Göttingen/Hannover

Das Verbot in Hannover folgt der Beschwerde einer lokalen Sinti-und-Roma-Organisation. Die hatte die Hersteller von „Zigeunersauce“-Fertiglebensmitteln aufgefordert, den Namen zu ändern. Während die Hersteller dies ablehnten, schaffte die Stadtverwaltung von Hannover das Zigeunerschnitzel jetzt ab.

Blödsinn, meinen Göttinger Restaurantinhaber, die das vermeintlich diskriminierende Gericht seit jeher auf ihrer Speisekarte stehen haben. „Jahrzehnte lang gab`s Zigeunerschnitzel, warum soll das jetzt ein Problem sein?“, meint der Inhaber des Gasthauses Wille in Holtensen.

„Soll ich das jetzt etwa ,Sinti-und-Roma-Schnitzel‘ nennen?“, fragt ein anderer Gastronom, der in diesem Zusammenhang seinen Namen ebenfalls nicht in der Zeitung lesen will.

„Haarspalterei“

Damit hat Oliver Galenschowski kein Problem. „Ich stehe zum Zigeunerschnitzel“, meint der Inhaber der Eisenpfanne an der Kasseler Landstraße. Der Name ist seit mindestens 100 Jahren im Gebrauch, bei uns wird das weiterhin sehr gern gegessen.“

Den Streit um die angebliche Diskriminierung empfindet Galenschowski als „Haarspalterei“.

Ähnlich sieht das Silke Beplate-Haarstich. „Ich finde das nicht diskriminierend“, meint die Mitinhaberin des Lokals „Myer‘s“ in der langen Geismarstraße 47. Unter der Belegschaft habe die Nachricht von der Entscheidung in Hannover herzliches Gelächter ausgelöst.

Wie der Inhaber vom Gasthaus Wille wäre Beplate-Haarstich aber bereit, den Namen zu ändern, falls Gäste sich beschwerten. Das aber, meint die „Myer‘s“-Chefin, sei bislang kein einziges Mal geschehen.

„Balkan“ statt „Zigeuner“

Während die Strauss-Operette „Der Zigeunerbaron“ noch ohne größere Diskussionen problemlos auf deutsche Bühnen kommt, befindet sich das Zigeunerschnitzel seit Jahren auf dem politisch korrekten Rückzug: In vielen Restaurants heißt das Traditionsgericht jetzt „Balkanschnitzel“.

Und das, obwohl hinter der umstrittenen Bezeichnung eine kulinarische Tradition steht. Die hat zwar mit der überlieferten Küche der betroffenen Minderheit wenig zu tun.

Unter Verwendung von Kalbfleisch war das Gericht vor dem ersten Weltkrieg Bestandteil der gehobenen Restaurant- und Hotelküche. Vereinfachte Gerichte ähnlicher Zubereitungsart trugen später den Namen „À la zingara“ – nach Zigeunerart.

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