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Göttingen Zwangsarbeiterausstellung bleibt in Göttingen
Die Region Göttingen Zwangsarbeiterausstellung bleibt in Göttingen
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16:10 06.07.2018
Bleibt vorerst in Göttingen: Ausstellung „Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit". in der BBS II. Quelle: Bernard Marks
Göttingen / Friedland

Das Ministerium hat sich nun nach einer Prüfung gegen einen Umzug der Zwangsarbeiterausstellung „Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit Südniedersachsen 1939 bis 1945“ nach Friedland ausgesprochen. So sei es 2006 der einstimmige Beschluss des Landtages gewesen, parallel zum Aufnahmebetrieb in Friedland „ein zeitgeschichtliches Museum zu den Themen Flucht, Vertreibung, Migration und Integration zu konzipieren“, heißt es in einem Schreiben von Frank Frühling, Beauftragter für das Museum Friedland im Innenministerium, an Kreisrätin Christel Wemheuer, das dem Tageblatt vorliegt.

„Konzentration auf Kernaufgabe“ geboten

„Diese enge Verzahnung von historischer Betrachtung und aktuellen Herausforderungen unserer Aufnahmegesellschaft war der entscheidende Leitfaden für alle inhaltlichen Planungen beim Aufbaus des Museums“, schreibt Frühling weiter. Es gelte aus der Geschichte des Lagers Friedland die Herausforderungen von Flucht und Zuwanderung besser zu verstehen und Möglichkeiten zur „Gestaltung der Zuwanderung“ zu entwickeln. „Diese Konzentration auf die Kernaufgabe ist nicht nur fachwissenschaftlich geboten. Sie entscheidet auch über dem Erfolg einer Ausstellung im Reigen von über 9000 Museen in Deutschland“, so Frühling.

„Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit Südniedersachsen 1939 bis 1945“. Quelle: Matthias Walliser

Der Prüfauftrag an das Innenministerium hat seinen Ursprung in einem Antrag der CDU-Kreistagsfraktion. Die CDU bemängelte im Dezember, dass es trotz hohem finanziellen Aufwand in fast allen Bereichen nicht gelungen sei, Besucher in die Ausstellung zu locken, die seit 2016 dauerhaft in der BBS II in Göttingen zu sehen ist. Es sei auch nicht zu erwarten, dass sich die Nachfrage und die Anzahl der Besucher auf absehbare Zeit steigern lasse, mutmaßte die CDU in ihrem Antrag und forderte eine konzeptionelle Veränderung der Rahmenbedingungen, um „dieses wichtige Angebot“ der Zwangsarbeiterausstellung dauerhaft zu erhalten. Sie brachte das Museum Friedland als „hoch geschätzte Landesinstitution mit einer sehr hohen Besucherfrequenz“ als Ausstellungsstandort ins Spiel.

Mehrheit im Kreistag Göttingen

Nach mehreren kleineren Änderungsanträgen und gegen das Votum der Kreistagsgruppe aus Linke, Piraten und Die Partei stimmte der Kreistag im März mehrheitlich für die Prüfung zur Angliederung an das Museum Friedland.

Öffnungszeiten und Anmeldungen

In den BBS II, Godehardstraße 11 in Göttingen, ist die Ausstellung „Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit – Südniedersachsen 1939 – 1945“ mittwochs und freitags von 10 bis 14 Uhr und jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr zu sehen. Für Gruppen lassen sich auch andere Termine vereinbaren unter info@zwangsarbeit-in-niedersachsen.eu. Bis zum Ende der Sommerpause am 15. August ist die Schau allerdings nicht zu sehen.

Die Kreistagsgruppe aus Linke, Piraten und Die Partei begrüßt nun das Prüfergebnis aus Hannover. „Unsere Gruppe hat bei jeder Haushaltsberatung des Landkreises eine kontinuierliche Förderung gefordert. Denn die beiden Geschichtswerkstätten Göttingen und Duderstadt, die die Ausstellung geschaffen haben und betreuen, können das durch Spenden nicht schultern. Der Standort ist kein Problem, sondern die mangelhafte Förderung der Ausstellung durch die politische Mehrheit im Landkreis“, sagte Konrad Kelm (Linke). Kreistagsmitglied Hans-Georg Schwedhelm macht den anderen Kreistagsfraktionen den Vorwurf, dass es ihnen „nicht um die Zukunft der Ausstellung, sondern um die ,Entsorgung des Themas’“ sei. „Die jährlichen Diskussion über die Förderung der Ausstellung wollte man durch die Verlagerung nach Friedland vom Hals schaffen“, sagte Schwedhelm.

Blick in die Ausstellung im Museum Friedland. Quelle: Christina Hinzmann / GT

25000 Euro fehlen nach Schwedhelms Ansicht

Bereits im Januar 2017 hatte Schwedhelm bei einer gemeinsamen Sitzung der Kreistagsgruppe und den Göttinger Ratsfraktionen der drei Parteien den geplanten Haushaltsantrag, der in Stadt und Kreis gestellt werden soll, erläutert. Traurig sei es, dass Öffnung und Einlass derzeit Personal auf Ein-Euro-Job-Basis übernehme. Es werde an den Personalkosten gespart, sagte Schwedhelm. Seiner Einschätzung nach fehlten 25 000 Euro, die im Haushalt von Stadt und Kreis gedeckt werden sollten. In den Haushaltsberatungen im Dezember hatte auf Vorschlag der Verwaltung der Antrag auf Förderung keinen Eingang in den Nachtragshaushalt gefunden.

Ausstellung hat „außerordentlichen Gedenkstättencharakter“

Das Ministerium lehnt den Umzug der Zwangsarbeiterausstellung nach Friedland zwar ab, Frühling lobt sie aber: So setze die Ausstellung „in hervorragender Weise“ ihre Kernaufgabe um, „die Erscheinungsformen von NS-Zwangsarbeit auch in Form von Biographien darzustellen und für Bildungsprozesse vorstellbar zu machen“. Die Schau habe „außerordentlichen Gedenkstättencharakter“. Frühling schlägt vor, eine Zusammenarbeit mit der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten zu erwägen.

Von Michael Brakemeier

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