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Die Region Göttingen Zwei Göttinger Theater sind Sanierungsfälle
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00:21 09.11.2018
DTHG-Regionaltagung im Deutschen Theater: Die Teilnehmer besichtigen die Theater-Tischlerei. Quelle: Hinzmann
Göttingen

Veraltete Bühnentechnik, schlechte Wärme- und Schalldämmung, fehlender Brandschutz, Wasser im Keller und nicht zuletzt die allgegenwärtige Platznot. Diese Mängelliste passt mit leichten Variationen für zahlreiche Theater, die Ende des 19. Jahrhundert in Deutschland gebaut worden waren. In diesem Fall stammt sie aus JT und DT. Im Rahmen einer Tagung der Deutschen Theatertechnischen Gesellschaft (DTHG) diskutierten am Dienstag Vertreter beider Häuser mit Fachleuten der Branche über Sanierungsstau, Fördermittel, die Fähigkeit von Theaterleuten, sich mit Missständen zu arrangieren und die Tatsache, dass sich bei Kunst doch eigentlich nicht alles um Geld drehen dürfe.

„Als ich 2014 als technischer Leiter beim Deutschen Theater angefangen habe, war die Sanierung schon Thema“, berichtete Marcus Weide seinen Zuhörern im Keller des Deutschen Theaters. Die letzte große Umgestaltung des Hauses lag da schon gut 30 Jahre zurück. Die damaligen Arbeiten des Göttinger Architekten Jochen Brandi seien sehr schön, aber für den Theaternutzer des Jahres 2018 nicht mehr zeitgemäß, formulierte Weide vorsichtig.

Investitionen in Licht und Ton

Man habe in der jüngeren Vergangenheit damit begonnen, im Bereich der Bühnentechnik aufzustocken, zuletzt in Licht und Ton investiert. Acht neue Fenster gebe es auch schon. Die großen gebäudetechnischen Probleme aber wurden bisher nicht angefasst. Dass Handlungsbedarf besteht, ist unbestritten – auch in der Verwaltungsspitze der Stadt Göttingen, wie er einem Gespräch mit Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler entnommen habe, so Weide.

Schon vor zwei Jahren hat das DT ein Hamburger Planungsbüro beauftragt, um zu klären, „ob das Theater, was wir machen wollen noch in dieses Theater passt“. Konkrete Pläne gibt es nicht, auch keine zeitliche. Weide ist Realist. Mit Blick auf die städtischen Großbaustellen Stadthalle und Junges Theater glaubt er nicht an eine zeitnahe DT-Sanierung. „Bevor die anderen nicht fertig sind, brauchen wir den Spaten nicht rausholen.“

Bühnenbereich Großes Haus Quelle: Christina Hinzmann

DTHG-Vorstand und Tagungsveranstalter Wesko Rohde brachte als ehemaliger Technischer Leiter des Schlosstheaters Celle einige Erfahrung im Umbau von Kulturbauten mit, als er 2014 nach Göttingen gerufen wurde, um den Zustand des Jungen Theaters zu ermitteln und Lösungen zu finden. Damals hatte Intendant Nico Dietrich das Privattheater nach schwierigen Zeiten übernommen. Nicht nur der Zustand des städtischen Gebäudes war besorgniserregend. Gemeinsam mit den Mitarbeitern stellte man eine Agenda auf, kümmerte sich um die vordringlichsten Probleme.

„Seit den 1960er Jahren war da nichts mehr angefasst worden.“ Rohde erinnerte mit einigen Fotos an den damaligen Zustand. Die gute Nachricht für die Theatermacher am Wochenmarktplatz kam 2016 mit der Förderzusage in Höhe von drei Millionen Euro aus Berlin. Sie war gekoppelt an die Auflagen, dass die Stadt die Summe verdoppeln und Junges Theater sowie das soziokulturelle Zentrum KAZ im Haus belassen möge. Im kommenden Herbst beginnen nach aktueller Planung die Bauarbeiten.

Führung durch das Theater Malerwerkstatt Quelle: Christina Hinzmann

Weit vorangeschritten seien mittlerweile auch die Vorbereitungen für die Interimsunterkunft in der ehemaligen Voigt-Realschule, erklärte JT-Geschäftsführer Tobias Sosinka. 900 000 Euro sind in die Instandsetzung des Schulgebäudes geflossen, auf 22 000 Euro belaufen sich allein die Einrichtungskosten. Weitere 750 000 Euro würden für die Wiedereinrichtung im Otfried-Müller-Haus fällig. Diese Summe wird demnächst noch Thema im Rat sein. „Dann wird es wieder heißen, dass das JT so viel Geld bekommt“, so Dietrichs düstere Vorahnung. Tatsache sei, dass das JT als Pächter von der Sanierung profitiere aber mit den Geldströmen herzlich wenig zu tun habe. Und obwohl es nach eigenem Verständnis nicht so sein sollte, drehten sich die Gespräche bei der Tagung im Deutschen Theater doch viel um Geld.

Von Markus Scharf

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