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Göttingen Zweifel an Vaterschaft bingt Platz in Jugendanstalt Leineberg
Die Region Göttingen Zweifel an Vaterschaft bingt Platz in Jugendanstalt Leineberg
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00:17 24.01.2013
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Göttingen

Er hat, so wird ihm vorgeworfen, seine Freundin verkloppt, als die ihm gestand, dass sie wohl schwanger ist.

Dass der Fall überhaupt vor dem Jugendschöffengericht Göttingen verhandelt wird, hat auch etwas mit der Jugendanstalt zu tun. Wer in Niedersachsen zu einer Jugendstrafe von nicht mehr als dreieinhalb Jahren verurteilt wird, der tritt diese zunächst in der JA Hameln, Außenstelle Leineberg, an. Wenn dort festgestellt wird, dass mit dem jungen Mann erzieherisch gearbeitet werden kann, wird er, anders als Drogenabhängige oder Sexualstraftäter, nicht nach Hameln in geschlossene Haft geschickt, sondern bleibt in Göttingen – im offenen Vollzug.

So lautet sein Wohnsitz für den Rest der Verbüßung Rosdorfer Weg, Göttingen. Weil im Jugendstrafrecht gilt, dass Verhandlungsort der Wohnort ist, müssen sich alle jungen Inhaftierten, egal woher sie stammen und wo sie straffällig wurden, hier verantworten. Mindestens einen Prozess pro Monat, so das Gericht, betrifft das. Diesmal also wegen einer Tat bei Cloppenburg.

Der Angeklagte ist geständig. „Dann habe ich ihr eine geknallt gehabt“, sagt er über den Höhepunkt des Streits mit seiner gleichaltrigen Freundin in seiner Wohnung. Gezankt hatte man sich, als im Gespräch mit dem Cousin des Angeklagten und dessen Freundin heraus kam, dass die 19-Jährige schwanger ist. Weil die aber auch mit dem Cousin zusammen war, zweifelte der Angeklagte an seiner Vaterschaft. „Die haben die eineinhalb Jahre, wo ich weg war, die ganze Zeit was gehabt“, beklagt er seine Abwesenheit.

Weil er die junge Frau außerdem noch im Schlafzimmer eingesperrt habe, ist Freiheitsberaubung mit angeklagt. Den Cousin soll er auch noch verprügelt, dessen Freundin geohrfeigt und schließlich dessen Auto benutzt haben, obwohl er keinen Führerschein hat und wegen solcher Fahrten vorbestraft ist. Die Vorwürfe aus der Anklage hören sich hart an, die Zeugenaussagen lassen aber alles in einem milderen Licht erscheinen.

Das junge Opfer, inzwischen zwar vom Angeklagten getrennt und mit dem Cousin zusammen, wohl aber Mutter eines Babys vom Angeklagten, belastet den Kindesvater nur zurückhaltend. Die andere junge Frau sagt entschuldigend: „Der war vielleicht mit der Situation, dass Susi schwanger ist, überfordert. Es hat ihm auch gleich leid getan.“ Die Autofahrt ist auch zweifelhaft. Der Cousin sei selber gefahren. Der habe dieselbe Jacke wie er. Die Zeugin, die ihn belastet, habe sich geirrt.

Restlos aufgeklärt werden schließlich weder Autofahrt noch der  handgreifliche Streit. Inzwischen steht der 19-Jährige zu der Vaterschaft, die ein DNA-Test nachgewiesen hat. Er freut sich auf sein Kind, will gleich den Führerschein machen, wenn er am Leineberg entlassen wird, wo er offenbar gute Erziehungsfortschritte macht. Und so stellt das Jugendgericht die Anklage schließlich unter Hinweis darauf, dass er mit eineinhalb Jahren Jugendstrafe aus einer anderen Sache ja ohnehin noch einige Zeit sitzen muss, ein.

Bleibt nur ein Problem: Gerade bereitet die Staatsanwaltschaft eine weitere Anklage wegen Einbruchdiebstahls gegen ihn vor. Falls die kommt, könnte seine künftige Adresse doch noch Hameln werden.

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