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Göttingen Notaufnahmen entlasten, Wartezeiten verkürzen
Die Region Göttingen Notaufnahmen entlasten, Wartezeiten verkürzen
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00:26 21.05.2018
Projekt zur Notfallversorgung des aQua-Instituts: Projektleiter Gerald Willms, die wissenschaftliche Mitarbeiterin Almut Seyderhelm, Geschäftsführer Björn Broge und der wissenschaftliche Koordinator Tobias Herrmann(v. l.). Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Sonntagnachmittag, der Bauch schmerzt. Schnell zur Notaufnahme, es könnte ja der Blinddarm sein. Mit Verunsicherung, manchmal auch mit Angst reagieren viele Menschen, wenn sie sich nicht gut fühlen. Ein Arztbesuch soll Sicherheit oder Abhilfe bringen. Am Wochenende bleibt nur die Notaufnahme. Doch oft ist den Patienten unklar, zu welcher Einrichtung sie gehen sollten. Häufig ist ihnen nicht einmal klar, dass es zwei unterschiedliche Angebote gibt. Das aQua-Institut will hier Abhilfe schaffen.

Überlastung verhindern

Mit einem standardisierten, EDV-basierten Ersteinschätzung sollen Patienten dorthin geleitet werden, wo ihnen schnell und sinnvoll geholfen werden kann. Fragen zu Symptomen, Alter des Patienten, Vorerkrankungen und ähnliches soll zur Einschätzung der Schwere des Notfalls beitragen. So soll eine Überlastung der Krankenhaus-Notfallaufnahme verhindert und den Patienten das Warten auf Behandlung verkürzt werden, erklärt Tobias Herrmann, wissenschaftlicher Koordinator des Projektes. Und Gerald Willms, Seniorkoordinator des Projekts ergänzt: „Das System steuert nur, es behandelt nicht.“

Leitung und Koordination

Auf drei Jahre ist das Projekt angelegt. Mit 3,7 Millionen Euro wird es aus dem Innovationsfond des Gemeinsamen Bundesausschuss gefördert. Elf kassenärztliche Vereinigungen aus zehn Ländern beteiligen sich daran. Zahlreiche Krankenkassen und vier weitere Forschungseinrichtung sind mit im Boot. Das aQua-Institut leitet und koordiniert.

Mindestvoraussetzungen

Im Februar 2019 soll eine einjährige Testphase beginnen. 25 bis 30 Standorte verteilt über ganz Deutschland seien eingebunden, berichtet Herrmann. Sie verfügen über Mindestvoraussetzungen zum Durchführen des Testlaufes, die im Vorfeld erarbeitet worden seien.

System aus der Schweiz

In viele der Nachbarländer Deutschlands wie in den Niederlanden werde bereits mit solchen Systemen gearbeitet, sagt Herrmann. Dort habe der Einsatz dazu geführt, dass nach der Ersteinschätzung weniger Menschen tatsächlich zum Arzt gingen. In Deutschland soll nun ein System aus der Schweiz zum Einsatz kommen, berichtet Hermann, allerdings überarbeitet und den Voraussetzungen in Deutschland angepasst.

Kein Zentrum in Niedersachsen

Es sei „das größte Projekt und das mit der größten Reichweite“, meint der Projektkoordinator. Viele Patienten würden damit in Berührung kommen – allerdings nicht in Göttingen. Denn Niedersachsen ist eines der Bundesländer, dass sich bislang nicht an dem Projekt beteiligt. In Thüringen und in Kassel gebe es Schwerpunktzentren, sagt Herrmann.

Geschultes Fachpersonal

In der Universitätsmedizin Göttingen (umg) sind die unfallchirurgische und die interdisziplinäre Notaufnahme des Klinikums angesiedelt, aber auch die Notfallaufnahme der kassenärztlichen Vereinigung. Patienten kommen zu einer Anmeldung, und schon dort werde von geschultem Fachpersonal der umg eingeschätzt, in welcher der drei Notfallaufnahmen der Patient am besten aufgehoben sei, erläutert umg-Sprecher Stefan Weller.

Ausgründung

Das aQua-Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung ist eine GmbH. 1995 entstand sie als Ausgründung aus der Göttinger Universität. Derzeit arbeiten in dem Institut etwa 70 Mitarbeiter interdisziplinär, erläutert Geschäftsführer Björn Broge, der auch auf die Unabhängigkeit von Industrie- und Verbandsinteressen verweist. Weiterer Geschäftsführer ist Joachim Szecsenyi, Professor an der Universität in Heidelberg, weshalb das Institut mit gute Kontakte dorthin wirbt. Mit Georgia Augusta hingegen gibt es wenig Austausch. Das habe sich bislang nicht ergeben, sagt Broge.

Von Peter Krüger-Lenz

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