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Göttingen 1700 Jugendliche und 32 Beratungsinitiativen
Die Region Göttingen 1700 Jugendliche und 32 Beratungsinitiativen
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17:37 29.05.2018
Das besondere Twister-Spiel leitet über zu Gesprächen über ein Thema, das Jugendliche oft ängstigt. Quelle: R
Göttingen

„Das war klar“, protestiert Janine gespielt verärgert und lacht selbst über ihre Kombination beim Twister-Spiel der Göttinger Aids-Hilfe: eine Hand auf dem Wort-Button für Tripper, die zweite auf dem Wort „Anal-Sex“. Ihre Freundinnen lachen und schon plaudern sie mit Simona Kamin von der Göttinger Aids-Hilfe ungezwungen über Geschlechtskrankheiten, Aids oder HIV und Möglichkeiten sich vor einer Ansteckung zu schützen.

Kondome kennen die meisten Besucher. Dass Küssen keine Ansteckungsgefahr birgt, wissen schon weniger. Aber dass Mann oder Frau nach dem Geschlechtsverkehr mit einem Infizierten Partner die Gefahr einer Ansteckung mit PEP (Postexpositionsprophylaxe) verhindern können, wissen die wenigsten. Das erfahren sie ganz nebenbei oder ganz bewusst in einem guten Gespräch. Und genau das wollen die Initiatoren mit dem vielfach interaktivem „Markt der Möglichkeiten“ in den Berufsbildenden Schulen III am Ritterplan erreichen: „Die lockere Atmosphäre hier baut Hemmschwellen ab und die Schüler informieren sich auch über schwierige Themen“, erklärt die Sozialarbeiterin an den BBS III, Renate Surmann. Mit ihrer Kollegin Dorothea Morick organisiert sie diesen Markt für die knapp 1700 Schüler dieser Schule.

Dabei gehe es um Informationen, aber auch um erste Kontakt für spätere Beratungsgespräche bei den teilnehmenden Einrichtungen. Viele Jugendliche hätten heute Probleme und seien dadurch auch psychisch stark belastet, erklärt Surmann: zum Beispiel durch Ärger mit den Eltern, Missbrauch, hohe Schulden, Mobbing. Viele aber trauten sich nicht, sich direkt an eine Beratungsinitiative zu wenden. Der „Markt der Möglichkeiten“ können ihnen Türen öffnen.

Und davon gibt es viele: Die Caritas mit ihrer Beratung für Schwanger ist ebenso dabei wie das Migrationszentrum, die Göttinger Verbraucherzentrale, das Jugendamt des Landkreises und die Blechtrommel. Ihre Vertreter sind begeistert vom BBS-III-Projekt, dass alle zwei Jahre organisiert wird – am Dienstag zum 11. Mal.

„Die Schüler sind so interessiert“, bilanziert Dagmar Dettleff-Rohmann vom Kinder- und Jugendtelefon. manche hätten sogar nach einer Ausbildung zum ehrenamtlichen Telefonseelsorger gefragt. „Das ist ganz wichtig hier“, stellt auch Janet Beck vom Frauen Notruf und von der Beratungsstelle Phönix für Kinder und Jugendliche bei sexueller Gewalt fest. Vielen Jugendlichen sei zum Beispiel nicht klar, dass Gewalt schon bei der Androhung von Gewalt beginne. Bei kleinen Fallbeschreibungen, die sie am Stand dem Begriff Gewalt zuordnen müssen, erfahren sie es.

„Auf jeden Fall“ ist dieser Markt hilfreich“, sagt Schülerin Paula Draht vom Beruflichen Gymnasium Sozialpädagigik. Der Bereich Jugendhilfe und Psychiatrie habe sie besonders interessiert – aus konkretem Anlass: „Es gibt ja doch auch immer wieder Freunde, bei denen es zuhause nicht gut läuft“, sagt die 18-Jährige.

Auch der angehende Gastronomiefachmann Reschad nimmt die Angebote gerne an. „Das ist alles sehr interessant“, so der 21-Jährige. Die Brillen und Infos bei den Sucht- und Drogenberatern haben ihn besonders fasziniert. Alkohol beim Autofahren kommt für ihn „zwar niemals“ in Frage, „aber viele andere tun es, und die muss man warnen“.

Von Ulrich Schubert

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