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Göttingen Schutz für Göttinger Waldmeister-Wald
Die Region Göttingen Schutz für Göttinger Waldmeister-Wald
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00:27 09.04.2018
Es gibt viele Schützenswerte Bereiche im Göttinger Wald – unter anderem Flächen mit echten Beg-Astern. Quelle: R / Landkreis
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Göttingen

Es gibt viele Gründe, warum der Landkreis seinen Anteil am Göttinger Wald als Landschaftsschutzgebiet unter besonderen Schutz stellen will: Waldmeister und Eisenhut wachsen hier ebenso wie die einzigen Bergastern in Niedersachsen und seltene Astlose Graslilien. Es gibt naturnahe Kalk-Trockenrasen und vereinzelt ungewöhnliche Felsformationen. Fledermäuse wie das Große Mausohr fühlen sich hier wohl – und immer mehr Wildkatzen. Darüber hinaus gehöre der Göttinger Wald zu den drei größten sogenannten Waldmeisterwäldern in Niedersachsen, erklärte Hermann Schütte, Fachbereichsleiter Umwelt beim Landkreis am Donnerstagabend vor knapp 20 Zuhörern – überwiegend Waldbesitzer, Fortsbesitzer und Naturschützer.

Der eigentliche Grund aber ist eine Vorgabe der Europäischen Union. Sie hat bereits vor etwa 15 Jahren sogenannte FFH-Gebiete ausgewiesen, Bereiche mit besonderer Flora, Fauna und schützenswerten Lebensräumen (Habitate). Bis zu einer gesetzten Frist müssen die Länder per Verordnungen jedes FFH-Gebiet „unter Schutz stellen“.

Für den Reinhäuser Wald hat der Kreis das Verfahren im vergangenen Jahr abgeschlossen. Jetzt ist der Göttinger Wald dran. Die Stadt Göttingen beginnt für ihren Flächenanteil voraussichtlich im Mai mit dem Verfahren. Das sieht auch eine Beteiligung der betroffenen Landeigentümer und Umweltverbände vor.

In der Verordnung nimmt der Kreis unter anderem bereitsbestehende Schutzgesetze mit auf – zum Beispiel aus dem Naturschutzgesetz und aus eine Walderlass des Landes. Am Ende eines mehrmonatigen Diskussionsprozesses muss der Kreistag die Unterschutzstellung beschließen. Das betroffene Gebiet umfasst die östliche Flanke des Göttinger Waldes außerhalb der Stadtgrenzen von Klein Lengden im Süden bis Eddigehausen im Norden.

Folgt die Politik den Vorschlägen der Kreisverwaltung, gelten unter anderem folgende Verbote:

– Verboten sind alle Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern und dem Schutzzweck zuwiderlaufen

– Felsen dürfen nicht beseitigt, erheblich beeinträchtigt und beklettert werden

– Grünland darf nicht in Acker und andere Nutzungsformen umgewandelt werden.

– Abseits von ausgewiesenen Wegen sind Autos und Fahrräder tabu

– Außer an ausgewiesenen Stellen ist Zelten, Lagern und Feuer verboten.

Die Verordnung regelt auch, was „unter Vorbehalt“ erlaubt ist: zum Beispiel Weihnachtsbaumkulturen oder bauliche Anlagen, Veranstaltungen wie Crossläufe und Mountainbike-Rennen und Geocaching. Eine „ordnungsgemäße Forstwirtschaft“ bleibt ohne besondere Erlaubnis auch im Schutzgebiet „freigestellt“. Das gilt auch für die Landwirtschaft, wenn die Flächen „natur- und landschaftsverträglich“ genutzt, Weidetiere von Ausnahmen abgesehen nicht „zugefüttert“ werden und Grünland nicht umgewandelt wird. Freigestellt bleibt soll außerdem die Fischerei. An Wegen und Straßen dürfen Büsche und Bäume beschnitten werden.

Schützenswerte Bereiche im Göttinger Wald im Kreisgebiet außerhalb der Göttinger Stadtgrenzen. Quelle: R / Landkreis

Immer wieder umstritten ist der Schutz von Felsen, die bei Kletterern beliebt sind. Dass will die Kreisverwaltung an vier Formationen im Weißwassertal ausdrücklich zulassen: an der östlichen und westlichen Weißwassertalwand, am Grünen Block und an der Hördelbrunnenwand. Allerdings müssen die Kletterer auch dort Verbote einhalten und dürfen zum Beispiel keine Flechten beseitigen.

Fragen von Zuhörern gab es zum Verordnungsentwurf nur wenige. Ralf Mederake vom Bund für Umwelt und Naturschutz beklagte, dass der Wald als Landschaftsschutz und nicht als Naturschutzgebiet mit strengeren Vorgaben ausgewiesen wird. Ein Waldbesitzer kritisierte, dass von März bis August kein Holz gehauen werden darf. Denn wenn der Winter lang und nass ist, sei es zuweilen kaum möglich, diese Vorgabe einzuhalten. Und der Reinhäuser Forstamtleiter Axel Pampe aus Reinhausen monierte, dass ein Passus aus dem Walderlass des Landes im Entwurf fehle: Dass sogenannte Nicht-Lebensraumtypen wie Fichtenbestände „nicht“ in Lebensraumtypen umgewandelt werden „müssen“.

Voraussichtlich ab Montag will die Kreisverwaltung den Verordnungsentwurf auf ihrer Internetseite im Bereich“Unsere Themen“ und „Umwelt“ veröffentlichen.

Von Ulrich Schubert

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