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Hann Münden 100000 Aale ausgesetzt
Die Region Hann Münden 100000 Aale ausgesetzt
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01:28 02.06.2018
Ab in die Freiheit: Fischwirt Thomas Dirks und Fischereiaufseher Ronald Ellermeyer setzen die Satzaale in der Fulda bei Spiekershausen aus. Quelle: Niklas Richter
Hann. Münden

Die Fischereigenossenschaft Münden (FGM) hat am Mittwoch Fulda, Werra und Weser mit 100000 Jung-Aalen bestückt. Ohne diesen Besatz würden viel zu wenig Aale den Weg aus ihrem Laichplatz, der Sargasso-See, in die europäischen Flüsse schaffen.

Seit der 1970er Jahre ist der aal-Bestand in Europa um 98 Prozent zurückgegangen, sagt der frühere SPD-Landtagsabgeordnete Ronald Schminke, seit April Vorsitzender der Fischereigenossenschaft Münden. Die am Mittwoch ausgesetzten, etwa fünf Gramm schweren werden sich in den kommenden Jahren in den heimischen Jahren geschlechtsreif fressen und dann im Herbst dorthin ziehen, wo sie geschlüpft sind: in die Sargasso-See nahe der Bahamas. Dort laichen sie nach ihrer Reise von etwa 5000 Kilometern ab und sterben, und ein neuer Aal-Zyklus beginnt.

Portionen zu je 10000 Tieren

Über den Besatz durch den Menschen, erklärt FGM-Chef Schminke, „freuen sich Angler, Reusenfischer und der gefräßige Kormoran, denn der Aal steht auch immer auf seinem Speiseplan“. Die 500 Kilogramm Jungtiere brachte die FGM am Mittwoch an zehn Stellen an Fulda, Werra und Weser zu je 10000 Klein-Aalen mit jeweils 50 Kilogramm Gesamtgewicht ins Wasser: zuerst an der Fulda, dann an der Werra und schließlich an der Weser.

Erste Station war Bonaforth, letzte der Fähranleger von Wahmbeck. Geliefert wurden die Aale von dem spezialisierten Besatz-Betrieb Götting aus Cloppenburg. Die Kosten für den gesamten Aalbesatz vom Mittwoch betragen 25500 Euro, erläutert Schminke. Dafür gibt es allerdings 60 Prozent Förderung mit insgesamt 15300 Euro vom Europäischen Meeres- und Fischereifonds (EMFF), so dass die Mündener Fischereigenossenschaft nur noch 10200 Euro selbst tragen muss.

Taxi für Aale

Der neue FGM-Vorsitzende Schminke hat ein traditionell gutes Verhältnis zum Aal: In seiner Zeit als SPD-Landtagsabgeordneter setzte er 2017 das sogenannte Aal-Taxi von der Idee in die Wirklichkeit um. Das Problem: Kraftwerksanlagen sind oft unüberwindlich für Aale. Die Fische werden durch die Turbinen verletzt oder regelrecht gehäckselt. Die Folge: Europaweit gehen die Aalbestände dramatisch zurück. Schminkes Idee: das Aal-Taxi. Laichfähige Aale werden noch vor den Kraftwerken abgefischt und mit Spezialfahrzeugen bis an die Nordsee gebracht. Von dort aus können sie ungehindert in die Sargassosee weiterziehen. Dafür organisierte Schminke eine Anschubfinanzierung im niedersächsischen Landeshaushalt.

Auch in anderen Bereichen setzte sich Schminke für die Belange der Fischer im Land ein. So warb er für eine länderübergreifende Zusammenarbeit zur Sicherung der Fischbestände, um die Lobby von Kraftwerksbetreibern und Binnenschifffahrt in Schach zu halten. Für diese und weitere Verdienste, beispielsweise Hilfen für Fischer gegen Fischräuber wie Otter, Kormoran oder Fischreiher erhielt Schminke im vergangenen Jahr die Auszeichnung „Freier Elbfischer 2017“. Zwei Wahlperioden war Schminke fischereipolitischer Sprecher der SPD im Landtag. Nach solchen erfolgen fiel die Wahl zum neuen Vorsitzenden der FGM denn auch einstimmig aus.

Bloß nicht nach drüben schwimmen

Wie zu seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter scheut Schminke auch als FGM-Chef das klare Wort nicht: Weil das Land Hessen keinen künstlichen Aalbesatz erlaubt, befahl er bei der Aussetzung den ausströmenden Satzaalen, „ja nicht auf die hessische Seite“ zu schwimmen. „Sonst gibt’s Ärger.“

Von Matthias Heinzel

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