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Hann Münden Försterin im Mündener Wald setzt auf Pferde
Die Region Hann Münden Försterin im Mündener Wald setzt auf Pferde
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02:15 01.05.2017
Mit Rückepferden und einer händischen Sämaschine wurden am Freitag im Hann. Mündener Stadtwald Buchen gesät. Försterin Susanne Gohde und ihre Kollegen bearbeiteten die etwa ein Hektar große Fläche im Revier Blümer Berg. Quelle: Wesche
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Hann. Münden

Mit gleichmäßigem Schritt ziehen die Kaltblüter Lukas und Loeki den Metallpflug über den Waldboden und tragen die oberste Schicht des unebenen Geländes ab. Zum Vorschein kommt der leicht feuchte Oberboden, der dann für die Aussaat der Buchäcker vorbereitet wird. Geführt werden die beiden Pferde von Daniel Hoffmann aus Kirchheim. Er ist deutscher Vizemeister im Leistungspflügen. „Es gibt keine schonendere Methode, den Boden für eine Aussaat vorzubereiten als mit dem Pferd“, erklärt der Landwirt.

Pferde im Einsatz

„Das Verfahren der Freisaat ist schon so alt wie die Forstwirtschaft“, erklärt Susanne Gohde, Leiterin des Betriebs Hann. Münden Stadtwald. Dabei kommen Rückepferde zum Einsatz, die im Wald auch für das Ziehen von gefällten Bäume genutzt werden. Mit Hilfe eines Pflugs können diese Pferde aber auch für das Abtragen der obersten Bodenschicht eingespannt werden. Im Anschluss wird das Saatgut eingebracht. Pferde können, anderes als Maschinen, auch in unwegsamem Gelände arbeiten und hinterlassen im Gegensatz zu schweren Forstgeräten kaum Bodenschäden.

Mit einer Sämaschine folgt Agrarbetriebswirt Christoph Schmitz dem vorgegebenen Pflugstreifen. Im Abstand von sieben bis zehn Zentimetern werden auf diese Art die etwa 3o Zentimeter breiten Erdfurchen mit Saatgut bestückt. „Das Material ist vorgekeimt“, erklärt Gohde, Leiterin des Betriebs Hann. Münden Stadtwald. So könne die Saat im Boden sofort weiter keimen und wachsen. Je nach Witterung wird der Erfolg der Buchensämlinge nach zwei bis vier Wochen sichtbar werden.

„Wir wollten in dem Waldstück eine Aussaat von Buchäckern vornehmen“, so Gohde. Der reine Fichtenwald sei nicht mehr zeitgemäß, denn ein Mischwald habe viele Vorteile gegenüber der Monokultur. Er biete mehr Schutz, eine geringere Anfälligkeit gegen Schädlinge und eine größere Artenvielfalt. Das im Mündener Stadtwald verwendete Saatgut stammt aus dem Niedersächsischen Forstamt Oldendorf. Es sei im Herbst des vergangenen Jahres in geprüften Buchenbeständen geerntet worden.

In diesem Waldstück wurden so 25 Kilogramm der Buchensämlinge eingebracht. Wie lange das Pflügen und Säen dauert, ist im Vorfeld nicht absehbar. „Viele Faktoren beeinflussen das Pflügen von Waldboden“, sagt  Daniel Hoffmann. Dabei spielen die Menge an Totholz, Reisig und Wurzelstöcken eine ebenso große Rolle wie die Witterung und die Kondition der Pferde. 

Gohde kann sich vorstellen, auch künftig auf diese Art den Baumbestand des Stadtwaldes zu bewirtschaften. „Die Alternative zu den Rückepferden sind Maschinen, und die zerstören den Boden.“ Pferde hingegen hinterlassen „höchsten Mal einen Hufabdruck“.

Von Susanne Wesche

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