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Hann Münden Fuldataler suchen Nachfolger
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18:47 25.06.2018
An Bord der Europa: Weserkapitän Klaus-Dieter Rehbein. Quelle: Caspar
Fuldatal

Zur Ruhe setzen wollen sich Klaus-Dieter Rehbein (64) und seine Frau Anna-Elisabeth Rehbein (67) von der Rehbein-Linie Kassel. Doch für ihre Mündener Fahrgastschifffahrt finden sie keinen Nachfolger.

„Wir führen seit Jahren immer wieder Gespräche“, sagt Klaus-Dieter Rehbein. Auch die Stadt Hann. Münden helfe ihnen. Aber die Suche gestalte sich schwierig. Mal fehlten dem Interessenten die finanziellen Mittel, mal das Patent zum Fahren eines Schiffes. Die eigenen Kinder seien an einer Firmenübernahme nicht interessiert. Einfach aufhören wollten er und seine Frau, der das Schiff gehöre, aber auch nicht.

Auf die „Europa“ passen 300 Fahrgäste

„Dazu ist uns das Schiff, das 1995 nach unseren Wünschen gebaut wurde, zu wertvoll“, sagt der Kapitän. 30 Meter sei es lang, 6,40 Meter breit. Mit zwei 165 PS starken Turbodiesel-Motoren sei es ausgestattet. Bis zu 300 Menschen passten an Bord. Optimal geeignet sei es für Fahrten auf Weser und Fulda, da es – mit Antrieb – gerade mal 60 Zentimeter tief im Wasser liege und so auch bei niedrigem Wasserstand fahren könne. Das Oberdeck lasse sich zudem absenken, so das sie auch niedrige Brücken passieren könnten.

Unternehmen verkauft nach einander fast alle Schiffe

„Unsere anderen Schiffe haben wir im Laufe der vergangenen Jahre verkauft“, erzählt Rehbein. Die „Deutschland“, ihr größtes, mit Bowlingbahn ausgestattetes Schiff befahre seit 2011 die Saarschleife. Ihr kleinstes Schiff sei 2014 nach Polen gegangen. Nur die Europa hätten sie gehalten. Zurückgegangen sei die Zahl der Mitarbeiter. In den besten Zeiten hätten sie 15 Mitarbeiter beschäftigt. Heute sei noch eine 450-Euro-Kraft für sie als Bedienung tätig. Ein Schiffsführer helfe aus, wenn er einmal nicht könne.

Die wichtigste Kundengruppe sind Busreisende

An der mangelnden Nachfrage liege der Rückzug auf Raten nicht, betont der Weserkapitän. Ihre wichtigste Kundengruppe, die Busreisenden, seien ihnen treu geblieben. Sie kombinierten die Schifffahrt mit einer Stadtführung durch Hann. Münden und besuchten im Anschluss zum Beispiel noch die Wasserspiele in Kassel-Wilhelmshöhe. Eine andere wichtige Kundengruppe seien junge Familien. Die Kinder könnten an Bord der Europa mal erleben, wie eine Schleuse funktioniere.

Nach Bad Karlshafen fährt Rehbein nur noch Gruppen

„Vorbei ist allerdings die Zeit, wo wir lange Fahrten auf der Weser bis Bad Karlshafen angeboten haben“, sagt Rehbein. Dreieinhalb bis vier Stunden seien sie da unterwegs. Das dauere den Menschen heute zu lange. Mit dem Schiff zurückfahren wolle erst recht niemand. Stromaufwärts benötigten sie nämlich doppelt so lange. Lange Fahrten würden sie nur noch für Gruppen von 80 Personen und mehr anbieten.

Teenager interessieren sich kaum für Fahrten auf der Weser

Noch keine Antwort haben Rehbeins auf die Bedürfnisse der jungen Generation gefunden. Wenn mal ein Teenager mit seinen Eltern die Treppe zum Anleger herunter komme, so klebe er meistens mit den Augen auf seinem Smartphone, berichtet der Weserkapitän. Ihn ärgert das. Die Heranwachsenden könnten stürzen.

Die Rehbein-Linie besteht seit 1971

„Gegründet worden ist das Unternehmen 1971 von meinen Eltern in Fuldatal, wo wir bis heute unseren Sitz haben“, erzählt Rehbein. Als es den Eltern Anfang der 2000er-Jahre gesundheitlich nicht gut gegangen sei, hätten er und seine Frau die Linie übernommen. Damals habe bei ihnen Aufbruchstimmung geherrscht. Die traditionsreiche Oberweser-Dampfschifffahrt habe seinerzeit nämlich den Betrieb aufgegeben. Die Rehbein-Linie hätte damals ihre Präsenz in Hann. Münden ausgebaut. Heute würden sie ihr Geld vor allem mit Stadtrundfahrten zu Wasser verdienen. Die Weser führen sie bis Veckerhagen und Hemeln hinunter. Nach Kassel könnten sie seit diesem Jahr nicht mehr. Die Schleuse sei kaputt. Sie würde frühestes 2024 wieder eröffnet. Touren auf der Fulda würden sie nur für Gruppen ab 50 Personen anbieten.

Von Michael Caspar

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