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Hann Münden Einminütige Geiselnahme mit Schreckschusspistole
Die Region Hann Münden Einminütige Geiselnahme mit Schreckschusspistole
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13:12 11.03.2018
Quelle: dpa

Als der Drogen- und Glückspielabhängige am 16. Juli vergangenen Jahres vor der Glücksspielhalle „Rosenhof“ in Hann.Münden stand, war er mit Mütze und Schal vermummt. Die diensthabende Angestellten, die das Gebäude verlassen wollte, drängte er zurück. Er hielt ihr eine Waffe an den Kopf und drohte zu schießen. Sie sollte für ihn eine Kasse und den Tresor öffnen. Da die Kasse leer und der Tresor nicht zu öffnen war, floh der Täter ohne Beute, nachdem er sich bei der Angestellten entschuldigt hatte. Die junge Frau gab später an, sie habe gespürt, dass die Pistole aus Plastik sei. Sie sei „eher genervt als geängstigt“ gewesen. Tatsächlich handelte es sich um eine nicht geladene Schreckschusspistole.

Zwei Mitarbeiterinnen des Penny-Marktes in der Wilhelmshäuser Straße erging es schlechter. Als sie am Abend des 25. Juli den Laden durch den Personaleingang verlassen wollten, drängte der selbe vermummte Mann sie mit vorgehaltener Waffe zurück. Er zwang sie, 4000 Euro aus der Kasse in seinen Stoffbeutel zu packen. Derweil hatte ein Zeuge, der den Räuber in das Gebäude gehen sah , die Polizei verständigt. Die umstellte die Ausgänge des Penny-Marktes.

Als der 33-Jährige merkte, dass er in der Falle saß, nahm er eine der Frauen als Geisel. Mit ihr als Schutzschild versuchte er, aus einem Fenster zu fliehen. Den Beutel samt Beute hatte er im Lager des Ladens liegen gelassen. Er war ihm zu schwer. Da der Gesetzesbrecher von der Situation überfordert war, zog er sich wieder in den Laden zurück. Er ließ sich am Boden liegend widerstandslos festnehmen, wobei er die Frauen um Entschuldigung bat und ein volles Geständnis für beide Taten ablegte.

Die beiden Angestellten des Penny-Markt hätten laut Richter Patrick Gerberding „erhebliche psychologische Schäden“ davongetragen. Der mit 18 000 Euro verschuldete Mann habe aber, laut Gutachten, zum Tatzeitpunkt nicht klar denken können, sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung. Sein krankhaftes Verlangen nach Drogen und die Angst vor dem Entzug haben sein Denken eingeengt. Als der Abhängige seine Sucht nach Kokain, Alkohol und Cannabis sowie seine Spielsucht nicht mehr befriedigen konnte, sei er auf eine „katastrophale Idee“ gekommen.

Dies und die Reue, die der Beschuldigte glaubhaft gezeigt habe, wirkten sich strafmindernd aus, erklärte Gerberding. Für schwere räuberische Erpressung drohen Straftätern drei bis fünfzehn Jahre Haft. Doch im Fall des Beschuldigten sei es bei zwei Versuchen geblieben. Schwerwiegender war die etwa einminütige Geiselnahme, da dem Opfer großes Leid angetan wurde. Beide Penny-Mitarbeiterinnen litten nach der Tat an Schlafstörungen und Ängsten. Sie mussten sich krankschreiben lassen und würden noch heute nur mit schlechtem Gefühl im Spätdienst arbeiten. Der 33-jährige wurde in eine Entziehungsanstalt eingewiesen, wo er während der Entgiftung medizinisch versorgt wird, bevor er ins Gefängnis geht. Das Urteil ist rechtskräftig.

Von Julian Habermann

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