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Hann Münden Spannung birgt Lebensgefahr
Die Region Hann Münden Spannung birgt Lebensgefahr
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00:19 03.02.2018
Thomas Wollborn und sein Harvester im Waldgebiet oberhalb von Oberode. Quelle: Frank Beckenbach
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Hedemünden

In einem Waldstück der Niedersächsischen Landesforsten im Revier Oberode, Bereich Forstamt Münden, hat das Sturmtief „Friederike“ besonders heftig zugeschlagen. Mit Großmaschinen wird der Wald, oder das was von ihm übrig ist, aufgeräumt.

„Besonders stark ist, neben diesem Revier, der Solling rund um Neuhaus in der Region von Windschäden betroffen“, sagt Christian Lüschow, bei der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau für den Bereich Prävention verantwortlich, die sich um die Sicherheit der Waldarbeiter sorgt. Er ist zuständig für Südniedersachsen und macht sich große Sorgen, dass viele „Nichtfachleute“ im Wald aufräumen und Holz machen. „Das birgt große Gefahren, denn mit einem einfachen Motorsägenschein kommt man hier nicht weiter“, sagt Lüschow und weist auf das große Risiko, das von den umgestürzten Bäumen nach wie vor ausgehe. „Die Spannung der umgestürzten Bäume, die häufig auch noch übereinander liegen, sind das große und lebensgefährliche Problem.“

Gefahrenvermeidung bei Windbruch

Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau empfiehlt folgendes zur Gefährdungsminimierung:

Aus Gründen der Arbeitssicherheit hat der Einsatz geeigneter, vollmechanisierter Maschinensysteme Vorrang vor allen anderen Arbeitsverfahren.

Der Gefahrenbereich von Maschinen ist zu meiden.

Kommunikationsregeln sind zu beachten.

Bei der Unternehmensauswahl ist auf Qualifikation zu achten.

Ein Notfall muss geplant werden, Rettungswege sind einzurichten.

Die regionale Rettungsleitstelle sollte von Arbeiten im Windwurfgebiet wissen.

Zwischenbesprechungen zum Arbeitsfortschritt und zu Beinaheunfällen sind durchzuführen.

„Lebensgefahr“, ein Schild warnt vor dem Areal, in dem die vielen Bäume von Sturm „Friederike“ entwurzelt wurden. Hier müssen Profis mit Großmaschinen ran. So ein Profi ist Forstunternehmer Thomas Wollborn aus Wollbrandshausen, der mit nur zwei Mitarbeitern, aber umso mehr Hightech das Waldgebiet aufräumt. Mit seinem 280 Pferdestärken starken Harvester, der ist „Chefsache“ und wird ausschließlich von ihm bedient, fährt er auf vorgegebenen Wegen in das betroffene Waldstück. Dort geht es ganz schnell. Der Harvester greift den am Boden liegenden Baumstamm und sägt ihn von der Wurzel ab. Der Stamm wird entastet und in Stücke, die zum Abtransport geeignet sind, geschnitten. Dann kommt die geländegängige Zehnradmaschine zum Einsatz. Die Bäume werden auf das Fahrzeug aufgeladen und bis dorthin gefahren, wo ein Lkw das Holz aufnehmen kann. Ein Gebiet der Größe von etwa zehn Fußballfeldern haben Wollborn und seine zwei Mitarbeiter innerhalb von fünf Tagen freigeräumt.

Doch nicht immer sind die gefallenen Bäume mit den Großmaschinen zu erreichen. Dann kommt der Mann mit der Motorsäge. Wie gefährlich dies aber in einem Gebiet mit umgestürzten Bäumen ist, demonstriert Lüschows Mitarbeiter Dirk Grotelüschen. Er hat jahrelange Erfahrung mit der Säge, die auch unbedingt notwendig ist. Ein Baum liegt flach über dem Boden, er wurde vom Sturm mit der kompletten Wurzel herausgerissen. Der Harvester kommt nicht an ihn heran. Mit großer Sorgfalt setzt Grotelüschen mit der Motorsäge den ersten Schnitt. Es folgt ein zweiter und dann noch ein dritter Schnitt. Der Stamm fällt herab, das Gegengewicht ist weg und mit unglaublicher Geschwindigkeit stellt sich die Wurzel mit dem Baumstumpf wieder auf. „Kein Laie kann gefahrlos einen solchen Schnitt setzen“, sagt Lüschow.

Nach Sturmereignissen seien immer wieder bei den Aufräumarbeiten Tote und Verletzte, besonders viele Nichtfachleute, zu beklagen, sagt Lüschow. Er rät allen Waldbesitzern, entwurzelte, abgebrochene und ineinander verkeilt Bäume nicht eigenhändig aufzuarbeiten. „Wir sagen, Technik geht immer vor Person“, sagt Lüschow. Es sollte so viel wie möglich mit den Großmaschinen geräumt werden, den Rest müssen dann hochqualifizierte Facharbeiter erledigen. „Denn nur ein Fachmann erkennt, wo der Baum hinspringt, aber auch für ihn bleibt immer ein Restrisiko“.

Von Frank Beckenbach

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