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Northeim Anwalt auf der Anklagebank
Die Region Northeim Anwalt auf der Anklagebank
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00:18 18.12.2016
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Northeim

Nach alter Gewohnheit nimmt der angeklagte Anwalt zu Beginn des Verfahrens zunächst auf dem Stuhl des Verteidigers Platz. Sein Rechtsbeistand bittet ihn einen Stuhl weiterzurücken, ein für ihn offensichtlich unangenehmer Rollenwechsel. Auf den Hinweis, er habe das Recht zu den Vorwürfen zu schweigen, reagiert er umgehend: Natürlich werde er nicht schweigen. Und so übernimmt er im weiteren Verlauf des ersten Prozesstages die eigene Verteidigung, versucht die 42 Vorwürfe einzeln zu entkräften.

Es geht um alles

"Es geht um meine Existenz". Im Zuge der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft seien seine Mandaten über die Anklage gegen ihn informiert worden, die Banken hätten seine Kredite gekündigt, das Finanzamt stehe ihm wegen der angeblichen zusätzlichen Einnahmen mit Steuernachforderungen auf den Füßen.

Und er könne sich nicht mal dagegen wehren, weil seine Akten bei der Staatsanwaltschaft lägen. Dabei sei er in Gänze unschuldig, beteuert der Angeklagte. Auf eine Einigung könne er sich schon allein deshalb nicht einlassen, weil er seinen Ruf wiederherstellen müsse.

Und so nimmt der Angeklagte in den folgenden zwei Stunden Stellung zu jedem einzelnen Anklagepunkt. Mal sollen Rentenzahlung von jeweils 500 Euro über sein Konto gelaufen und nicht ordnungsgemäß an die Empfängerin ausgezahlt worden sein.

Summen werden größer

Mal waren 3200 Euro aus einer Versicherungszahlung erst verspätet an die Enkelin eines mittlerweile verstorbenen Mandanten ausgezahlt worden. Hier fehlten Restraten einer Zahlung aus einem Immobilienverkauf, da wurden 2300 für die Zahlung einer Schadenssumme nicht an die Gegenseite weitergeleitet. Zu jedem Betrag liefert der Anwalt eine Erklärung - ohne auch nur einen Blick in die Unterlagen.

Als die Summen größer werden, stockt sein Redefluss zum ersten Mal. 100.000 Euro waren im Auftrag eines Mandanten auf seinem Konto gelandet. Laut Anklage blieb er bei der Auszahlung einen Teil davon schuldig. "Im Gegenteil. Da habe ich sogar mehr zurückgezahlt, als im vom Mandanten erhalten habe", sagt er. Warum? Weil der Mandant das für angemessen gehalten habe, als er von den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gehört habe. Auf die Nachfrage des Gerichts, ob man das dann nicht Erpressung nennen müsste, schweigt der Anwalt auf Anraten seines Anwalts.

Im weiteren Verlauf des Verfahrens müssen jetzt die Zahlen und die Zeugen sprechen. Vorläufig drei weitere Termine sind angesetzt, in denen Kontoauszüge und Eingangsbücher gewälzt werden, bevor der Anwalt die Anklagebank wieder verlassen kann.

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