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Northeim Assistenzhund soll Justus auf die Beine helfen
Die Region Northeim Assistenzhund soll Justus auf die Beine helfen
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00:22 06.12.2018
Der drei Jahre alte Justus leidet an einer Cerebralparese. Ein Assistenzhund soll ihm den Alltag erleichtern. Quelle: Christina Hinzmann
Gillersheim

Nach seiner Geburt im November 2015 hat sich Justus zunächst gut entwickelt. Dann bemerkten seine Eltern jedoch nach und nach, dass etwas nicht stimmt. Justus verpasste Entwicklungsschritte, konnte mit fast zwei Jahren noch nicht sitzen, krabbeln oder laufen. „Justus hat sich nicht gedreht und nicht nach Sachen gegriffen“, erzählt Mutter Nicola Kaiser. Weder nach der Geburt als Frühchen in der Uni-Klinik noch später im Sozialpädiatrischen Zentrum Göttingen und bei einer MRT-Untersuchung (Magnetresonanztomographie) sei ein Befund festgestellt worden. „Wir wussten nicht, was los war“, sagt die Kinderkrankenschwester in Elternzeit: „Das Schlimmste war, in der Luft zu hängen und zu hören zu bekommen, man solle sich keine Sorgen machen.“

Berechtigte Sorgen

Dass die Sorgen berechtigt waren, zeigte sich schließlich bei einer Begutachtung im Sozialpädiatrischen Zentrum in Kassel. Dort sei eine Infantile Cerebralparese durch Sauerstoffmangel während der Geburt diagnostiziert worden, erkennbar anhand der Hirnstrukturen, berichtet die 26-jährige Mutter - während Justus mit den Händen die Räder seines Stehständers auf Rollen durch die Wohnung im Obergeschoss eines Hauses in Gillersheim bewegt und nach einem Bilderbuch verlangt. „Justus ist sehr pfiffig und hat keinerlei kognitive Beeinträchtigungen“, sagt Vater Henning Kaiser. Durch Spasmen in den Beinen habe er aber keine Rumpfstabilität, kann sich nur robbend oder im Stehständer fortbewegen. Vom Rollstuhl hätten Ärzte und Sanitätshäuser abgeraten, berichtet der 29-jährige Agraringenieur. Mit dem Stehständer, der Lust zur aufrechten Fortbewegung geweckt habe, habe Justus große Fortschritte gemacht und Beinmuskulatur ausgebildet: „Er hat einen sehr starken Willen und ist sehr kommunikativ, will unbedingt gehen lernen und Kontakt zu Gleichaltrigen haben.“

Aufgeweckt und kommunikativ: Justus wünscht sich mehr Kontakt zu anderen Kindern. Quelle: Christina Hinzmann / GT

„Das fällt ihm auf Grund seiner Behinderung sehr schwer, macht ihn unendlich traurig, und er weint oft“, heißt es in dem Flyer, mit dem seine Eltern um Spenden für einen Assistenzhund werben. Als die Diagnose noch unklar war, habe der im Raum Rostock angesiedelte gemeinnützige Verein Patronus-Assistenzhunde zunächst einen Therapiehund empfohlen, sagt Kaiser. Nach Klärung des Krankheitsbildes sei man dann auf einen Assistenzhund als effiziente und emotionale Unterstützung gekommen. „Auf den Hund gekommen“ sind die Eltern letztlich durch eine Zufallsbegegnung. Bei einem Besuch in Braunschweig kamen sie mit der Mutter eines autistischen Kindes ins Gespräch, dessen Assistenzhund Ruhe und Sicherheit im Trubel der Stadt ausgestrahlt habe.

Lange Ausbildungszeit

Kaisers schwebt in Absprache mit dem Verein ein lerneifriger und umgänglicher Pudel, Labrador oder Labradoodle vor. Ein Welpe kommt nicht in Frage, Assistenzhunde brauchen eine lange Ausbildung. An den vierbeinigen Familiennachwuchs müssen sich dann auch Geschwisterkind Carlotta und Kater Massif gewöhnen. Zumindest der eineinhalbjährigen Carlotta dürfte das nicht schwer fallen. Sie hat einen Draht zu Tieren. Justus auch. Auf Empfehlung von Physiotherapeuten sitzt er regelmäßig auf einem Pferd. „Das hilft, den Rumpf zu stabilisieren“, sagt Henning Kaiser: „Die Schreitbewegung des Pferdes simuliert die Laufbewegung und beansprucht die Gelenke.“ Ein Assistenzhund mit Geschirr könne Justus beim Gehen stützen, sei ein treuer Freund, helfe bei der Bewältigung des Alltags und erleichtere den Zugang zu anderen Kindern.

Seit November besucht Justus die integrative Gruppe des Kindergartens in Gillersheim. In den nächsten Wochen erwartet die junge Familie Besuch vom Patronus-Verein mit mehreren Hunden - um ein passendes Tier zu finden und die Wohnsituation zu sondieren. Die ist nicht gerade barrierefrei, auch im Garten gibt es viele Stufen. Auf lange Sicht wollen Kaisers deshalb in Renshausen bauen. Hennings Eltern haben dort ein Baugrundstück.

Ist der richtige Hund gefunden, muss er noch einmal ein halbes Jahr lang ausgebildet werden – ausgerichtet auf die speziellen Bedürfnisse von Justus. Billig ist das nicht. Ein Assistenzhund koste bis zu 26 000 Euro, sagt Henning Kaiser. Deshalb bittet er um Spenden an den Verein Patronus mit Verwendungszweck „Justus“.

Von Kuno Mahnkopf

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