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Northeim Bauern finden zunehmend schwerer Nachfolger
Die Region Northeim Bauern finden zunehmend schwerer Nachfolger
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15:42 29.11.2018
Gemeinsam mit seinen Eltern bewirtschaftet Jan-Henning Rathe einen Bauernhof in Osterwald Oberende. Quelle: Gerko Naumann
Northeim

Bauern in Südniedersachsen haben zunehmend Probleme, für ihre oft nur kleinen Betriebe Nachfolger zu finden. Darauf macht die Landwirtschaftskammer Niedersachsen aufmerksam.

„Von einem 20 bis 50 Hektar großen, konventionell bewirtschafteten Betrieb kann man kaum leben“, meint Agraringenieurin Ulla Becker von der Northeimer Bezirksstelle der Kammer. Vollerwerbslandwirte pachteten daher weitere Flächen dazu, um auf 100 bis 200 Hektar zu kommen. Aber auch ihnen falle es schwerer, Nachfolger zu finden.

„Selbst wenn die eigenen Kinder Agrarwissenschaften studiert haben, wollen sie nicht unbedingt den elterlichen Betrieb weiterführen“, berichtet Becker. Das Studium eröffne ihnen im Handel oder in einem Saatzuchtunternehmen, in der Lebens- oder der Futtermittelindustrie bessere Verdienstmöglichkeiten. Manche Kinder scheuten auch vor möglichen Auseinandersetzungen mit den Eltern zurück, wenn sie eigene Vorstellungen im Betrieb durchsetzten.

Britische Besatzungszone

„Eine Hofübergabe ist ohnehin nicht einfach“, betont Becker, die regelmäßig Seminare zum Thema anbietet. Die Briten hätten nach dem Zweiten Weltkrieg in ihrer Besatzungszone die sogenannte Höfeordnung eingeführt. Sie ermögliche es einem Bauern, seinen Betrieb bereits zu Lebzeiten zu vererben. Der Hof gehe dabei an eines der Kinder. Die Geschwister würden mit Beträgen abgefunden, die sich auf ein Prozent des Hofwerts beliefen.

Höfeordnung und Realteilung

„Das verhindert, dass ein Hof immer wieder geteilt wird“, erklärt Becker. Solche sogenannten Realteilungen seien früher zum Beispiel im Eichsfeld ein Problem gewesen. Die Landwirtschaftskammer rate daher bei einer geplanten Weiterführung des Betriebs dazu, die Höfeordnung zu nutzen. Würde nach den Regeln des Bürgerlichen Gesetzbuches vererbt, müsste der Hof geteilt oder Geschwister mit Beträgen abgefunden werden, die dem Wert ihres Anteils entsprächen. Das sei zwar gerechter, lasse sich aber aus dem laufenden Betrieb nicht finanzieren. Hinzu komme, dass stille Reserven, etwa Wertsteigerungen der Fläche, erfasst werden müssten. Die Differenz sei zu versteuern. Das könnten beträchtliche Werte sein. Sie rate daher vor einem solchen Schritt dringend zu einem Termin beim Steuerberater.

Altenteil ergänzt die schmale Rente

„Die Höfeordnung sieht ein monatliches Altenteil für den ausscheidenden Landwirt vor“, sagt die Agraringenieurin. Das sei zwischen den Parteien auszuhandeln. Es ergänze die Rente, die Landwirte und ihre Ehefrauen als Pflichtmitglieder von der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau bezögen. Der Rentenanspruch belaufe sich nach 40 Berufsjahren auf rund 600 Euro brutto. Die Höfeordnung sehe außerdem ein unentgeltliches Wohnrecht für den ausscheidenden Bauern vor. Der Nachfolger müsse zudem für Strom, Wasser und Heizkosten aufkommen.

„Eine Herausforderung stellt das steigende Lebensalter dar“, berichtet Becker. Bauern müssten oft nicht nur das Altenteil ihres Vaters, sondern zum Teil auch des Großvaters erwirtschaften. Das schmälere den Ertrag des Betriebs.

Niedrigzinsphase

„Landwirte übergeben heute immer häufiger ihren Betrieb an Dritte“, sagt die Agraringenieurin. Über Hochschulen wie in Göttingen oder Witzenhausen nähmen sie Kontakt zu Absolventen auf. Auch gebe es entsprechende Plattformen im Internet. An der Übernahme von Flächen seien zudem – verstärkt in der derzeitigen Niedrigzinsphase – Anleger interessiert. Der kommunale Grundstücks- und Verkehrsausschuss versuche, darauf zu achten, dass örtliche Landwirte als erste zum Zuge kämen.

Von Michael Caspar

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