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Nörten-Hardenberg Gemeinden wollen „Kinderblut an Grabsteinen“ verbieten
Die Region Northeim Nörten-Hardenberg Gemeinden wollen „Kinderblut an Grabsteinen“ verbieten
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00:21 20.04.2019
Grabsteine kommen vielfach aus Asien: Zertifikate stellen sicher, dass sie nicht von Kindern hergestellt wurden. Quelle: Christoph Mischke
Kreis

Auf Friedhöfen im Raum Göttingen sollen keine Grabsteine stehen, die von Kindern hergestellt worden sind. Eine solche Vorschrift wollen Städte und Gemeinden in ihren Satzungen verankern.

„Viele Grabsteine, die auf deutschen Friedhöfen stehen, stammen aus Indien oder China“, berichtet der Obermeister der Steinmetz- und Steinbildhauer-Innung Südniedersachsen Christoph Wolf. Weil es dort Kinderarbeit gebe, arbeiteten Innungsbetriebe in der Regel mit zertifizierten Zulieferern zusammen, die diese Form der Ausbeutung ausschließen würden. Das bestätigt Aloysia Macke von Naturstein Macke aus Bilshausen.

Zertifizierung der Grabsteinproduktion

Die Zertifizierung der Grabsteinproduktion durch anerkannte Kontrollorganisation will das Land nun verbindlich vorschreiben. Solche Stellen sind etwa Fair Stone oder Xertifix. Städte und Gemeinden sollen in ihren Friedhofssatzungen eine entsprechende Klausel aufnehmen, heißt es in Paragraf 13a des niedersächsischen Bestattungsgesetzes. Im Januar ist es in Kraft getreten.

Stadt Göttingen wartet auf Muster-Satzung

Die Stadt Göttingen, so Pressesprecher Dominik Kimyon, warte derzeit auf eine neue Muster-Friedhofssatzung, die der Deutsche Städtetag „in Kürze“ herausgeben werde. An ihr werde sich die Verwaltung orientieren. Sie formuliere bereits neue Paragrafen, um den Rat „möglichst im zweiten Halbjahr“ eine neue Satzung zur Beschlussfassung vorlegen zu können.

Auf eine Mustersatzung der kommunalen Spitzenverbände will sich auch die Bürgermeisterin von Nörten-Hardenberg, Susanne Glombitza (parteilos), stützen. Neue Satzungen würden im Flecken in der Regel zum Jahresende beschlossen. „Wir werden die Vorgabe des Landes bei der nächsten Satzungsänderung berücksichtigen“, kündigt der Bovender Bauamtsleiter, Klaus Melnikow, an. Die letzte Änderung habe es bei ihnen 2011 gegeben.

„In Kinderarbeit gefertigte Grabsteinen waren in Dransfeld bisher kein Thema“, sagt Samtgemeindebürgermeister Mathias Eilers (SPD). Der gesetzlichen Vorgabe kämen sie natürlich nach. „Die Grabsteine auf den Friedhöfen in Hann. Münden stammen unseres Wissens nach von zertifizierten Steinmetzbetrieben“, erklärt die städtische Pressesprecherin, Julia Bytom. In der Satzung sei das bisher nicht verpflichtend vorgeschrieben.

Lutheraner griffen das Thema schon vor zehn Jahren auf

Die Duderstädter Steinmetzbetriebe seien zertifiziert, betont Propst Bernd Galluschke. Damit nur sie zum Zuge kämen, bereite die katholische Pfarrei Duderstadt eine Satzungsänderung vor. „Die evangelische Landeskirche Hannover hat ihre Kirchengemeinden bereits vor zehn Jahren zu einer entsprechenden Änderung ihrer Friedhofssatzungen aufgefordert“, berichtet Tobias Otto, der zuständige Mitarbeiter beim Kirchenkreisamt in Northeim.

Online-Bestellung von Garbsteinen in Asien

Obermeister Wolf begrüßt die Satzungsänderungen. „Kinderarbeit lässt auch Handwerksmeister nicht kalt“, erklärt er. Die neuen Vorgaben richteten sich unter anderem gegen Bestellungen über das Internet. Preisbewusste Kunden orderten Grabsteine im Ausland. Sie nähmen Lieferzeiten von 16 Wochen in Kauf. „Wilde Kolonnen“, Partnerbetriebe der Hersteller, kümmerten sich dann um die Steinsetzung in Deutschland. Er wisse von solchen Fällen in der Region, so der Obermeister.

Kinderarbeit gibt es auch in der Textilindustrie

Wolf stört an der Diskussion um „Kinderblut an Grabsteinen“, dass nur die 5100 Steinmetzbetriebe in Deutschland in den Blick genommen würden. Woher Fensterbänke und Fußböden aus Naturstein oder die in Fußgängerzonen verlegten Pflastersteine herkämen, interessiere dagegen „niemanden“. Kein Thema sei auch Kinderarbeit in der Textilindustrie, ergänzt der Bovender Steinmetzmeister Walter Füllgrafe.

Von Michael Caspar

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