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Northeim Plattdeutsch wieder auf dem Vormarsch
Die Region Northeim Plattdeutsch wieder auf dem Vormarsch
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10:49 03.08.2018
Seit der Neuauflage des Buches „Plattdütsch in de Schauln“ im November 2015 haben sich viele Lehrer, Schulleiter und Ehrenamtliche darum bemüht, den Nachwuchs für das Niederdeutsche zu begeistern (Archivbild). Quelle: Christina Hinzmann
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Südniedersachsen

„Es gibt eine große Menge an Menschen, die das Plattdeutsche immer noch interessiert“, beschreibt der Fachgruppenleiter für plattdeutsche Sprache und Literatur in der Arbeitsgemeinschaft für Südniedersächsische Heimatforschung (ASH) und frühere Geschäftsführer des Plattdeutschen Forums Südniedersachsen. Das Besondere: Es gebe inzwischen auch wieder viele junge Menschen, die sich für „platt“ begeistern können. Dass das so ist, hat aus Gruschinskis Sicht vielerlei Gründe: „Seit ein paar Jahren tut sich bei uns in der Region einiges, um die Sprache wieder ins Bewusstsein zu rufen“, findet er. Lange Zeit sei genau das vernachlässigt worden. Noch vor einem Jahr, bei der Ernennung von vier Beauftragten für die niederdeutsche Sprache im Landkreis Göttingen, hatte einer von ihnen, Wolfgang Leopold, gewarnt, es sei „fünf vor zwölf“.

Platt in der Schule

Die Neuauflage des Buches „Plattdütsch in de Schauln“ Ende 2015 durch die Landkreise Göttingen und Northeim mag ein Meilenstein gewesen sein; die Gründung des Plattdeutschen Forums vor etwa vier Jahren – seit Anfang 2017 ist es auch als Verein eingetragen – ebenfalls. Zum Aufschwung hätten aber auch viele andere Vereine, Institutionen und Initiativen beigetragen, wie Gruschinski betont. Dazu gehöre der Wettbewerb „Schorse spräket platt“, der gemeinsam von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und der Landesschulbehörde organisiert wird. Sowohl einzelne Schüler als auch Klassen und Vereine können sich daran beteiligen – mit Interviews, Geschichten, Hörspielen oder Dokumentationen. Egal wie: Hauptsache, es wird platt gesprochen. In zwei Altersklassen werden verschiedene Preise ausgelobt; zwei Hauptpreise gehen in diesem Jahr in den Landkreis Göttingen. Noch im August werden sie übergeben. „Ziel dieses Wettbewerbs ist es vor allem, dass die Schülerinnen und Schüler das Plattdeutsch ihrer Region entdecken und selber ausprobieren“, heißt es in einer Erklärung der Sparkassenstiftung. Gemeinsam mit ihren Plattdeutsch-Lehrern sollen sie sich „op ’n Weg tau moken“. So wie das Maskottchen „Schorse“: Er „schnackt“ eben nicht platt, sondern er „spräket“ oder „köört“ platt. Aus Gruschinskis Sicht haben solcherlei Wettbewerbe noch einen Zusatznutzen, abgesehen vom motivierenden Aspekt: „Die Kinder nehmen auf, dass das keine Ulk-Sprache ist, sondern ein historisches Erbe, das es verdient, ernst genommen zu werden.“

Als Geheimsprache beliebt

Dass sich viele Kinder und Jugendliche inzwischen daran beteiligen, ist auch überregionalen Initiativen wie platt-is-cool.de zu verdanken – einem Gemeinschaftsprojekt der Landschaftsverbände, das beispielsweise Plakate und Postkarten mit plattdeutschen Sprüchen auflegt und Aktionen wie „Fredag is Plattdag“ initiiert, die wiederum auch in Südniedersachsen ankommen. Einen echten Schub brachten hier vor Ort aber vor allem die Schul-Arbeitsgemeinschaften des Plattdeutschen Forums. Mit Leben erfüllt werden diese durch sogenannte „Platt-Paten“.

Plattdeutscher Werkunterricht für Grundschüler an der Heinrich-Christian-Burckhardt-Schule Adelebsen; hier v. l.: Lehrerin Annette Rummenhohl, Ortsheimatpfleger Barterode Fritz Schmidt und Lehrer Andreas Kompart. Quelle: Harald Wenzel

„Es gibt in fast allen Städten und Dörfern in Südniedersachsen jemanden, der sich als Platt-Pate engagiert“, berichtet Gruschinski. Die Ehrenamtlichen gehen meist einmal pro Woche in die Schulen, lesen den Kindern vor und bringen ihnen spielerisch das Niederdeutsche näher. Das komme auch bei den Eltern prima an. „Und die Kinder haben ihren Spaß, denn wir vermitteln ihnen quasi eine Geheimsprache, die sie mit ihren Großeltern sprechen können – ohne dass gleich jeder mitbekommt, worum es geht“, schmunzelt Gruschinski. Eine andere Möglichkeit, Kinder zu erreichen, sei etwa der Schulbauernhof in Hevensen, wo schon jetzt immer mal wieder vereinzelte Plattdeutsch-Aktionen angeboten werden. Für Juli 2019 sei sogar ein ganzes „plattdeutsches Ferienprogramm“ dort geplant.

Weitere Zielgruppen erreicht

Aber auch andere Kanäle und Zielgruppen probieren die Verfechter für den Erhalt des Niederdeutschen immer wieder aus – mittlerweile häufig erfolgreich. Nach einem plattdeutschen Krippenspiel fragten zum Beispiel andere Kirchengemeinden an, ob so etwas bei ihnen nicht auch aufgeführt werden könne. Inzwischen hat sich daraus sogar ein plattdeutscher Andachtskreis entwickelt, der in wechselnden Orten in den Landkreisen Göttingen und Northeim zu Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen einlädt. Eine plattdeutsche Andacht wird es etwa am 29. September bei der Herbsttagung des ASH in Schlarpe geben, die als „musikalische plattdeutsche Zeitreise“ gestaltet werden soll, und zu der sich inzwischen verschiedenste Gruppen aus der gesamten Region angekündigt haben – darunter der Bergmannschor aus Reyershausen, die Skiffle-Fracktion Bogdan aus Göttingen und die „Heseker Mäken“.

Plattdeutsches Erzählcafé des Heimatvereins Barterode im historischen Spritzenhaus – als Teil einer Kampagne „Freedach is Plattdach“, hier unter dem Motto „Vatell moal upp Platt!“ Quelle: Christina Hinzmann

Ob die Kultivierung des Plattdeutschen in Südniedersachsen irgendwann ebenso gelingt wie in den nördlichen Landesteilen, mag Gruschinski nicht prophezeien. Aber immerhin: Allein in der Region gebe es etwa 30 Plattdeutsch-Gruppen, die sich regelmäßig treffen – und dabei stets offen für Gäste sind. „Wir wollen nicht unter uns bleiben“, betont Gruschinski. Und er sagt auch: „Es passiert etwas, und wir müssen uns da noch mehr einbringen.“

Von Markus Riese

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