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Northeim Angeklagter soll eifersüchtig gewesen sein
Die Region Northeim Angeklagter soll eifersüchtig gewesen sein
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15:17 07.05.2017
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hardegsen/Göttingen

Ihre Schwester habe sie am Tattag noch in der Mittagspause besucht, bevor sie zur Spätschicht nach Göttingen fuhr, sagte die 36-Jährige. Die 23-Jährige habe ihr eine Nachricht ihres Ex-Freundes gezeigt, die dieser an jenem Tag geschrieben hatte. Ihre Schwester habe darauf genervt reagiert. Sie hatte sich rund zwei Wochen von dem Angeklagten getrennt.
    Laut Anklage soll der 29-Jährige seiner Ex-Freundin aufgelauert haben, als sie abends vom Spätdienst nach Hardegsen zurückehrte. Nach einem Streitgespräch habe er sie auf offener Straße mit einem Messer niedergestochen. Die 23-Jährige erlag noch in der Nacht im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen.
   Nach Angaben der Schwester der Getöteten hatte es während deren siebenmonatiger Beziehung viele Diskussionen und Streitereien gegeben. Der Angeklagte sei sehr eifersüchtig gewesen. Als die 23-Jährige beispielsweise einmal gemeinsam mit ihrer Schwester und einer Freundin einen „Mädelsabend“ veranstalten wollte, habe er nicht verstanden, dass er nicht daran teilnehmen konnte. Wenn ihre Schwester einmal ein vermeintlich falsches Wort gesagt hatte, habe er sie über Stunden nicht beachtet und nicht mehr mit ihr geredet.
   Ihre Schwester habe sich durch die Beziehung sehr verändert, sagte die 36-Jährige. Während sie vorher viel mit Freunden unternommen habe und offen auf jeden zugegangen sei, habe sie sich im Verlauf der Beziehung zurückgezogen. Sie sei auch nur noch selten in ihrer Wohnung in Einbeck gewesen. „Er wollte, dass sie bei ihm ist.“ Am Ende sei ihre Schwester völlig ausgelaugt gewesen. Nachdem sie schließlich die Beziehung beendet hatte, sei ihre Schwester erleichtert und ruhiger gewesen. Gleichwohl habe auch ihr die Trennung sehr zu schaffen gemacht. Sie habe aber ihre Ruhe haben und sich auf ihre Schule konzentrieren wollen.
   Zwei Tage vor der Bluttat in Hardegsen habe ihre Schwester bemerkt, dass ein Motoradfahrer sie von Hardegsen bis zu ihrer Arbeitsstelle in Göttingen verfolgt habe. Die 23-Jährige habe vermutet, dass die Verfolgungsfahrt von dem Angeklagten initiiert worden sei, sagte die 36-Jährige. Ihre Schwester habe immer den Eindruck gehabt, dass ihr Ex-Freund die Trennung nicht wahrhaben wolle oder nicht ernst nehme. Der Angeklagte sei auch einmal unvermittelt vor ihrer Haustür aufgetaucht. „Er wollte mit ihr sprechen und die Wohnung nicht verlassen“, berichtete die Zeugin. Erst als die 23-Jährige eine Schwester des Angeklagten angerufen und um Unterstützung gebeten habe, sei er gegangen.
   Die mittägliche Kaffeepause im August vergangenen Jahres war das letzte Beisammensein der beiden Schwestern. Sie habe bereits geschlafen, als Nachbarn abends an ihrer Tür klingelten, erzählte die 36-Jährige. Sie sei dann auf die Straße gelaufen, die voller Menschen war. Drei Häuser weiter sei ein riesiger Blutfleck auf der Straße zu sehen gewesen. Als sie kam, wurde gerade ihre schwerverletzte Schwester in einen Rettungswagen geschoben. „Ich habe nur ihre Schuhe gesehen. Daran hab ich sie erkannt.“ nie

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