Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Northeim Angeklagter zitterte und weinte
Die Region Northeim Angeklagter zitterte und weinte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 04.09.2017
Prozess um getötete Frau in Hardegsen: JVA-Betreuer schildern psychische Verfassung zu Beginn der Untersuchungshaft Quelle: dpa
Göttingen/Hardegsen

Zu Beginn der Untersuchungshaft sei der 29-jährige Ex-Freund der Getöteten sehr angespannt und ängstlich gewesen, sagte eine Sozialarbeiterin, die damals in der Justizvollzugsanstalt das erste Gespräch mit ihm geführt hatte. Der 29-Jährige habe gezittert und geweint. Er sei derart kurzatmig gewesen, dass er kaum habe sprechen können. Inzwischen habe sich sein Zustand deutlich stabilisiert.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, im August 2016 seiner früheren Freundin in Hardegsen aufgelauert zu haben, als sie von ihrer Spätschicht zurückkehrte. Die 23-Jährige hatte sich kurz zuvor nach mehrmonatiger Beziehung von ihm getrennt. Nach einem Streitgespräch soll der 29-Jährige dann mehrfach mit einem Messer auf sie eingestochen haben. Wenige Stunden später erlag sie im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Der 29-Jährige war noch in der Tatnacht festgenommen worden und sitzt mittlerweile seit mehr als einem Jahr in Untersuchungshaft.

Hinweis auf eine mögliche Suizidgefahr

Da es einen Hinweis auf eine mögliche Suizidgefahr gegeben habe, sei der Angeklagte in den ersten drei Wochen kameraüberwacht untergebracht gewesen, sagte die JVA-Sozialarbeiterin. Der 29-Jährige habe immer wieder geäußert, dass er das alles nicht bewältigen könne. Nach drei Wochen sei er soweit stabilisiert gewesen, dass er auf eine normale Station gekommen sei. Im November vergangenen Jahres habe es dann einen Vorfall gegeben, bei dem der Angeklagte sich selbst eine Verletzung am Arm zugefügt habe. Die Verletzung sei allerdings nur oberflächlich gewesen. Vermutlich habe er damit eine Art Hilfeschrei kundtun wollen.

„Ich hab keine Kraft mehr, verzeiht mir“

Nach Angaben der Sozialarbeiterin scheute der Angeklagte davor zurück, sich mit den gegen ihn erhobenen Beschuldigungen auseinanderzusetzen. „Ich kann das nicht“, habe er stets gesagt. In Briefen an seine Angehörigen, die bei einer Durchsuchung seiner Zelle gefunden worden waren, habe er geschrieben: „Ich kann nicht mehr“ und „Ich hab keine Kraft mehr, verzeiht mir.“ Der 29-Jährige habe immer wieder erklärt, dass er nicht der Täter gewesen sei und der wahre Täter noch frei herumlaufe. Ähnlich hatte er sich auch in seiner Einlassung geäußert, die sein Verteidiger am vorigen Verhandlungstag verlesen hatte.

Nach Angaben eines Psychologen, der ebenfalls in der Haftanstalt tätig ist und für seine Aussage vor Gericht von seiner Schweigepflicht entbunden worden war, zeigte der Angeklagte zum Zeitpunkt seiner Selbstverletzung „gewisse Symptome einer Depression“.

Plädoyers Anfang Oktober

Inzwischen zeichnet sich ein Ende des seit Anfang Februar laufenden Prozesses ab. Sofern es keine weiteren Beweisanträge mehr gibt, sollen Anfang Oktober die Plädoyers gehalten werden.

Von Heidi Niemann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Northeim Ermittlungen gegen Bürgermeister eingestellt - Tannhäuser in zwei Fällen entlastet

Die Göttinger Staatsanwaltschaft hat zwei Ermittlungsverfahren gegen Northeims Bürgermeister Hans-Erich Tannhäuser eingestellt. Die Fraktionen von CDU, SPD und Grünen hatten Strafanzeigen erstattet – wegen Beleidigung und weil ihnen Akteneinsicht verwehrt worden sein soll.

31.08.2017

Die Helios Albert-Schweitzer-Klinik Northeim öffnet am Sonnabend, 2. September, von 10 bis 16 Uhr ihre Türen, um die geburtshilfliche Station zu besichtigen. Außerdem gibt es am Donnerstag, 7. September, eine Kreißsaalführung samt Informationsabend.

31.08.2017

Verschiedene Kommunen bieten bereits öffentliche WLAN-Netze an. Die CDU-SPD-Mehrheitsgruppe im Rat der Stadt Hardegsen wünscht sich auch für Hardegsen ein solches Angebot und hatte im Frühjahr einen entsprechenden Antrag eingebracht. 

30.08.2017