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Northeim Ist 72-Jähriger ein Drogenkurier?
Die Region Northeim Ist 72-Jähriger ein Drogenkurier?
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23:39 12.07.2018
Abgepackt und im Rucksack – wie viel Marihuana in eine 25-Liter-Tasche passt, blieb beim Prozess allerdings unklar Quelle: r
Northeim

Zwischendurch wurde es laut im Northeimer Gerichtssaal: „Ich glaube Ihnen nicht“, kommentierte der Vorsitzende Richter fast schreiend die Ausführungen des angeklagten Rentners K. – dessen Hörvermögen, wie der Richter schon eingangs betont hatte, deutlich eingeschränkt ist. Zuvor hatte der 72-Jährige aus Bodensee zwar zugegeben, den 27-jährigen Hauptangeklagten mehrfach nach Dortmund gefahren zu haben. Von den dortigen Drogendeals und dem Transport von etwa 700 Gramm Marihuana nach Südniedersachsen will er aber nichts gewusst haben.

Fund bei Polizeikontrolle

Daran hatte der Richter große Zweifel: Aufgefallen war das Duo bei einer Verkehrskontrolle auf der Autobahn 7, im Kofferraum fand die Polizei die Drogen. Dafür sei nicht einmal ein Spürhund notwendig gewesen, so sehr habe es im Fahrzeug nach Marihuana gerochen, schilderte der Richter den Polizeieinsatz. K. hingegen behauptete, einen stark eingeschränkten Geruchssinn zu haben: „Ich rieche keine Rosen und auch nicht, wenn der Hund irgendwohin kotzt“, führte er in der Vernehmung aus. Und sein Verteidiger bekräftigte, dass dies mit zwei erlittenen kleineren Schlaganfällen zusammenhängen könne.

Auch anderweitig blieb K. bei seiner Version, nichts von einer möglichen Tätigkeit als Kurierfahrer gewusst zu haben. Den Grund für die Fahrten will K. nicht gekannt haben – und nachgefragt habe er auch nicht, wie er vor Gericht aussagte. „Warum haben Sie denn nicht gefragt?“, wollte der Richter daraufhin wissen – doch K. entgegnete lediglich, den Hauptangeklagten und dessen Ehefrau schon mehrfach unter anderem zu Arztterminen und ins Krankenhaus gefahren zu haben.

„Ein hilfsbereiter Mensch“

Die Frage, ob er bei der langen Fahrt nach Dortmund nicht über den Anlass der Fahrt nachgedacht habe, blieb unbeantwortet. Auch weil K.s Verteidiger einsprang und erklärte, sein Mandant sei eben ein hilfsbereiter Mensch. „Er wird gefragt, und dann macht er das“, so der Verteidiger über die Einstellung von K., der früher als Fern- und Taxifahrer gearbeitet hat.

Auch der Hauptangeklagte G., dem nicht nur der Besitz und der Transport der 700 Gramm Marihuana, sondern in fünf weiteren Fällen das Handeln mit jeweils etwa 1,5 Kilogramm vorgeworfen wird, stritt den Großteil der Vorwürfe ab. Zwar bestätigte er, die 700 Gramm Marihuana in Dortmund gekauft und mit K.s Auto nach Südniedersachsen transportiert zu haben – „Er wusste ehrlich von nichts“, sagte G. über K.s Rolle bei dem Geschäft.

Mutmaßlicher Dealer bestreitet Größenordnung

Zugleich dementierte er auch, in die anderen ihm vorgeworfenen Geschäfte verwickelt gewesen zu sein: Zwar habe er tatsächlich mehrfach größere Mengen Marihuana in Dortmund eingekauft, allerdings stets etwa 100 bis 150 Gramm. „Das waren keine Kilogeschäfte“, so G. Stattdessen habe er dort vor allem für den Eigenbedarf eingekauft, auch wenn er einräumte, stets einen Teil der Ausbeute zur Finanzierung des Eigenkonsums verkauft zu haben.

Weil in den Zeugenvernehmungen geklärt werden soll, ob die Belastungszeugen G. mit einer Tasche gesehen haben, die 1,5 Kilogramm Marihuana fassen könnte, musste der Prozess anschließend vertagt werden. Unter Rückgriff auf die Asservatenkammer soll dann geklärt werden, wie viele Kilogramm Marihuana in einen 25-Liter-Rucksack passen.

Von Christoph Höland

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