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Northeim 15-Jähriger als Kleinunternehmer
Die Region Northeim 15-Jähriger als Kleinunternehmer
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00:17 12.05.2017
Quelle: Hartwig
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Gladebeck/Hardegsen

„Hut ab, er zieht das durch“, sagt Nadja Ziehn anerkennend über ihren Sohn. Mit allem, was dazugehört. Von der Idee bis zur Umsetzung. Und darüber hinaus. „Ich hatte früher eher Probleme mit Mathe“, sagt Raphael. In die siebte Klasse sei er mit der Note vier minus, gekommen. Daher habe er im Internet nach Material gesucht, um sich selbst Nachhilfe zu geben. „Es war sehr schwierig, gutes Material zu finden“, erinnert sich der Teenager aus Gladebeck. Entweder waren die Seiten kostenpflichtig oder die Werbung auf kostenlosen Seiten „nervte“. „Was nützt es, wenn ich auf einer kostenlosen Seite eine Aufgabe löse  und nur erfahre, dass die Lösung falsch ist aber keine Erklärung bekomme?“, nennt Raphael ein Beispiel.

"Sechs Stunden pro Woche"

Aus der Fülle an Informationen über Mathematik, Nachhilfe-Portalen und Materialien das Beste herauszusuchen, habe „unglaublich viel Zeit gekostet“, sagt Raphael. Seine Idee: das anderen Schülern und Eltern zu ersparen und die Informationen über kostenlose und kostenpflichtige Mathe-Materialien als Links zusammenzutragen. Die verlinkten Seiten habe er selbst auf Benutzerfreundlichkeit und Aktualität geprüft, erläutert der 15-Jährige.

Mit seiner Idee zu Mathe-Onlineinfo.de habe er seine Mutter schnell überzeugt. Sie arbeite als Informatikerin bei SAP in Göttingen und erledige für ihren Sohn die Programmierung des Portals, meint sie. Um die Inhalte kümmere er sich selbst. „Etwa sechs Stunden pro Woche“, verbringe er damit, meint der Teenager, der eigenen Angaben zufolge inzwischen in Mathe eine zwei minus habe. 

© Markus Hartwig

Damit Raphael selbst für das Projekt verantwortlich sein kann, musste der 15-Jährige zu einer Befragung zum Familiengericht. „Er soll ja geschäftsfähig sein“, erklärt Nadja Ziehn. Im Gespräch habe er glaubhaft versichert, dass er die Seite selbst betreiben wolle und sich tatsächlich auch für Mathematik interessiere, erinnert sich Raphael. Seither gilt der Achtklässler als Kleinunternehmer im Sinne des Umsatzsteuergesetzes. Durch Verlinkungen auf Internet-Shops, die Produkte rund um die Mathematik anbieten, könne er sich ein kleines Taschengeld hinzuverdienen, so Raphael. Versteuern, so weiß er, müsse er seine Einnahmen erst, wenn er mehr als 3000 Euro verdiene.

Tipps vom Fachmann

Seit Januar ist nun sein Internetportal online und erfreut sich offenbar stetig steigender Beliebtheit, wie der Achtklässler des Göttinger Max-Planck-Gymnasiums anhand statistischer Analysen von Zugriffszahlen belegt. 158 Nutzer habe seine Seite nach nur drei Monaten, die durchschnittliche Zeit, die die Besucher von Mathe-Onlineinfo.de auf hier verbringen, betrage mehr als vier Minuten, berichtet Raphael stolz.

Damit das fortan noch mehr wird, holt sich der Gladebecker Teenager Rat in Sachen Marketing bei einem Fachmann im Ort. Dieser gebe Raphael in Sachen Suchmaschinenoptimierung und Social-Media-Auftritt Starthilfe, berichtet Nadja Ziehn.

Kleinunternehmer Raphael freut sich vor allem auch darüber, dass er vor allem positive Reaktionen auf sein Mathe-Portal bekomme. „Ich habe etwa 170 Schulen in der Umgebung angeschrieben und auf meine Seite hingewiesen“, erzählt er. Fast alle hätten geantwortet und die Seite gelobt, ergänzt Nadja Ziehn. Auch bei Raphaels Mitschülern am MPG in Göttingen habe sich inzwischen herumgesprochen, dass ihr Gladebecker Mitschüler jetzt Kleinunternehmer ist. „Zwei Freunde von ihm hatten ihn gefragt, ob sie den Zukunftstag bei ihm verbringen können“, so Raphaels Mutter.

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