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Northeim Razzia bei Rechtsextremisten
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13:40 19.04.2018
Durchsuchungen in Katlenburg-Lindau: Razzia bei Rechtsextremisten. Quelle: dpa
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Katlenburg-Lindau / Karlsruhe

Weitere Verdächtige stammen aus Bremen und Schleswig-Holstein, teilte die Bundesanwaltschaft am Dienstag in Karlsruhe mit. Nach Informationen der Tagesschau rückte die Polizei in den frühen Morgenstunden in Bremen Blumenthal, in Niedersachsen im Landkreis Emsland und im Landkreis Northeim sowie im Landkreis Pinneberg in Schleswig-Holstein aus. Außerdem sei nach Auskunft eines Sprechers eine Wohnung einer nicht tatverdächtigen Person in „Nord-Thüringen nahe Göttingen“ durchsucht worden.

Die Bundesanwaltschaft auf Twitter

Festnahmen gab es zunächst nicht. Die Beweismittel würden derzeit ausgewertet, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft. An der Aktion, die am Morgen auf Grundlage von Beschlüssen des Ermittlungsrichters beim Bundesgerichtshof begann, seien die Landeskriminalämter mit ihren jeweiligen Spezialeinsatzkommandos beteiligt.

Anschläge auf politische Gegner in Erwägung gezogen

Die Bundesanwaltschaft wirft den Verdächtigen vor, sich spätestens Anfang 2017 unter dem Namen „Nordadler“ zusammengeschlossen zu haben. Ihr Ziel sei ein Wiedererstarken des Nationalsozialismus in Deutschland. Dazu habe die Gruppe auch Anschläge auf politische Gegner in Erwägung gezogen, jedoch noch nicht näher geplant. Die Beschuldigten haben sich nach Angaben der Bundesanwaltschaft bemüht, Waffen, Munition und Baumaterial für Brand- und Sprengvorrichtungen zu beschaffen. Die weiteren Ermittlungen hat das Landeskriminalamt Niedersachsen übernommen.

Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat

Bei dem 22-Jährigen aus Lindau soll es sich nach Tageblatt-Recherchen um Wladislav S. handeln. S. stand im vergangenen Jahr als Mitangeklagter im Strafprozess gegen den Islamisten Sascha L. aus Northeim vor dem Landgericht Braunschweig.

Vor dem Landgericht Braunschweig: Wladislav S. beim Strafprozess gegen den Islamisten Sascha L. aus Northeim. Quelle: Niemann

Die Generalstaatsanwaltschaft Celle hatte dem damals 26-jährigen Islamisten Sascha L. vorgeworfen, einen Sprengstoffanschlag gegen Polizisten oder Bundeswehrsoldaten geplant und vorbereitet zu haben. Sie hatte ihn wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat sowie unerlaubten Umgangs mit explosionsgefährlichen Stoffen angeklagt. Wladislav S. und zwei weitere Mitangeklagte sollen Sascha L. in seinem Plan bestärkt und Beihilfe geleistet haben. In dem Prozess hatte sich der 22-jährige S. offen als überzeugter Nationalsozialist dargestellt, der die Demokratie ablehnt.

100 Stunden gemeinnützige Arbeit für Wladislaw S. wegen Beihilfe

Das Gericht verurteilte den früheren Neonazi Sascha L. dann im Januar zu drei Jahren und drei Monate Haft. Einer der Mitangeklagten wurden wegen Beihilfe zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Er soll die Anschlagspläne gebilligt haben. Wladislav S. musste ebenfalls wegen Beihilfe 100 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten. Der dritte Mitangeklagte wurde freigesprochen.

Antisemitismus „Schnittmenge“ der Überzeugungen

Im Januar 2017 testete Sascha L. einen selbstgebauten Sprengsatz in einem Park in Northeim, Wladislav S. filmte ihn dabei. Beide habe ursprünglich die gemeinsame Vorliebe für den Rechtsextremismus geeint, sagte Vorsitzende Richter Michael Polomski bei der Urteilsverkündung in Braunschweig. Auch nachdem Sascha L. zum Islam konvertiert war, seien sie in Kontakt geblieben. Die „Schnittmenge“ ihrer Überzeugungen sei der Antisemitismus gewesen.

Polizisten als „Judendiener“ bezeichnet

Auch die Generalstaatsanwaltschaft hatte beiden eine ausgeprägte antisemitische Haltung bescheinigt. Beide betrachteten alle deutschen und US-amerikanischen Soldaten und Polizisten als „Judendiener“.

Wladislav S. hatte vor Gericht angegeben, nichts von Anschlagsplänen seines Kumpels gewusst zu haben. Die Kammer in Braunschweig wertete dies als Schutzbehauptung. Auch bei ihm habe die Polizei IS-Hinrichtungsvideos und Fotos von Enthauptungen gefunden.

Treffpunkt junger Männer

Nach Tageblatt-Informationen haben im vergangenen Jahr in dem Haus, in dem S. in Lindau wohnt, „auffällig“ viele junge Männer gewohnt und sich dort regelmäßig getroffen. Die Autokennzeichen stammten aus Niedersachsen und dem gesamten Bundesgebiet, berichten Augenzeugen.

Internetseite und Facebook-Seite

Im Internet beschwört die Gruppierung „Nordadler“ einen „alten germanischen Geist“ und redet von einem „weltanschaulichen Kampf“ um die „kommende Zukunft dieses alten Landes“. Propagiert wird eine „deutsche Führung im eigenen Land ohne fremden Geist“. Und weiter: „Wir müssen in erster Linie schauen das sich unser Volk selbst erhält und nicht an Degenerationserscheiungen stirbt“ (Fehler im Original).

Wladislav S. wird im Impressum der Seite www.nordadler.com mit der Katlenburger Adresse geführt. Er ist auch Inhaber der Domain. Hier ist eine Adresse aus dem bayerischen Grabenstätt hinterlegt. Zu finden sind auf der Seite außerdem Artikel zu Puritanismus, Liberalismus, Imperialismus und Freimaurerei.

„Nordadler“ beschreibt „Oppositionsprojekt“ auf Facebook

Auf der Facebookseite „Nordadler“ mit knapp 1700 Gefällt-Mir-Angaben stellt die Gruppe in einem Post vom Sonntag ein „Autarkie und Oppositionsprojekt“ von „Nordland“ und den „Campingfreunde Mitteldeutschland“ in Nord-Thüringen vor. Dort heißt es: „Der Sinn besteht darin eine echte auf Völkischem Bewusstsein Basierende Gemeinschaft Germanischem Glaubens, Atamanen oder Nationalsozialisten dazu zu verhelfen einen Machtfaktor über eine Wirtschaftsmacht sowie Schutz unserer Kinder die Zukunftsträger unseres Volkes sind auf die kommenden Ereignisse vor zu bereiten.“ (Fehler im Original-Post). Weiter finden sich auf der Facebook-Seite etwa Beiträge zu „Warum ich die AfD wähle!“, zum „Bevölkerungsaustausches“ und zum NSU-Prozess.

Auch auf dem russischen sozialen Netzwerk „VK“, seit längerem Tummelplatz von Rechtsextremisten aus verschiedenen Ländern, gibt es eine „Nordadler“-Seite. Ein Link verweist hier auf eine Seite „ss-hauptamt.com“, der aber ins Leere läuft.

Verdächtiger aus Pinneberg

Zu den Verdächtigen der mutmaßlichen Terrorgruppe zählt nach Informationen des antifaschistischen Recherche-Netzwerkes Exif-Recherche auch Patrick S. aus dem Landkreis Pinneberg. Er soll Kontakte in die rechtsextreme Szene haben. Den Recherchen zufolge führte S. die Anti-Asylgruppe „Schleswig-Holstein wehrt sich“ mit an. In dem „Nordadler“-Facebook-Post zum „Autarkie und Oppositionsprojekt“ ist S. auf einem Foto zu sehen.

Von Michael Brakemeier und Heidi Niemann

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