Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Northeim Seine Spende rettete ihr Leben
Die Region Northeim Seine Spende rettete ihr Leben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:24 10.09.2018
Doris Osenberg mit ihrem Lebensretter Patrick Wohlrab im Garten des Hotels Freigeist in Northeim. Quelle: Markus Riese
Anzeige
Northeim

Am 7. September lud sie zu einer Stammzellspender-Ehrung ins Hotel Freigeist nach Northeim ein – wo es auch zu Begegnungen zwischen Spendern und Empfängern kam.

Laut DSD erkranken jährlich 13 000 Menschen in Deutschland an Blutkrebs oder Leukämien, darunter 600 Kinder. 30 Prozent der Patienten finden einen Stammzell-Spender innerhalb der eigenen Familie, die restlichen 70 Prozent sind nach Angaben der DSD auf einen nicht verwandten Spender angewiesen.

Deshalb suchen Institutionen wie die DSD permanent nach Menschen, die bereit sind, sich typisieren zu lassen, um später im Bestfall durch die Spende von Stammzellen oder Knochenmark ein Leben retten zu können. Der erste Schritt sei bei einer Typisierungsaktion möglich, zusammen mit einer Blutspende – oder jederzeit von zu Hause aus. Hierfür verschickt die DSD sogenannte Typisierungs-Sets, welches sich über die Internetseite deutsche-stammzellspenderdatei.de anfordern lassen.

Daneben werben die DSD und andere Spenderdateien um Geldspenden, um die Typisierungen finanzieren zu können. „Eine Typisierung im Labor kostet 40 Euro“, erklärt Annette Wiedemann, Geschäftsstellenleiterin der DSD. Über Schulpartnerschaften, publikumswirksame Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit versuchen die Dateien, vor allem junge Menschen für das Thema zu sensibilisieren.

Bei der von der DSD ausgerichteten Spender-Ehrung, die einmal im Jahr an wechselnden Orten stattfindet, soll vor allem den Lebensrettern gedankt werden, die Stammzellen beziehungsweise Knochenmark gespendet und damit einem anderen Menschen eine zweite Chance ermöglicht haben.

Viel Raum für die Spender

Die Spender bekommen deshalb viel Raum im offiziellen Programm. Sie werden in kurzen, persönlich gehaltenen Porträts auf einer Leinwand vorgestellt. Dabei fällt auf, dass viele deshalb zu Spendern wurden, weil sie selbst jemanden kannten, der beispielsweise an Leukämie erkrankt war. Das ging auch Patrick Wohlrab aus Osterwiek bei Halberstadt so. Der 31-Jährige hatte im Kreise seiner örtlichen Freiwilligen Feuerwehr von einem Leukämie-Fall erfahren. „Alle Kameraden haben sich damals typisieren lassen, später auch aus benachbarten Feuerwehren“, erinnert sich der zweifache Vater. Wohlrab ließ sich am 10. Februar 2010 typisieren – und wusste damals noch nicht, dass er tatsächlich ein Leben retten würde.

Die Wende kam an der UMG in Göttingen

Nämlich das von Doris Osenberg aus Neuenkirchen-Vörden bei Osnabrück. 2009 wurde bei ihr ein Non-Hodgin-Lymphom diagnostiziert. Nach 20 Bestrahlungen schien zunächst alles wieder in Ordnung zu sein, doch 2012 traten Beschwerden im Bauch auf – das Lymphom war wieder da. Nach sechs unterschiedlichen Chemotherapien wurde die heute 72-Jährige dann 2014 an die Universitätsmedizin Göttingen überwiesen, wo man ihr die Möglichkeit der Stammzellen-Transplanation aufzeigte. Und nur vier Wochen später fand man für sie einen passenden Spender: Patrick Wohlrab. Nach der erfolgreichen Spende dauerte es noch fast drei Jahre, bis Osenberg wieder beschwerdefrei war. „Heute geht es mir gut“, lächelt sie und schaut dabei ihren Lebensretter an. „Ich bin meinem Spender von Herzen dankbar dafür, was er für mich getan hat“, betont sie und spricht noch immer von einem „Wunder“.

Doris Osenberg mit ihrem Lebensretter Patrick Wohlrab im Garten des Hotels Freigeist in Northeim. Quelle: Markus Riese

Begegnung mit dem genetischen Zwilling

Getroffen haben sich die beiden erstmals am 29. November 2016 in Braunschweig – kurz nach dem Ende der vorgeschriebenen Kontaktsperre. Zuvor hatten sie telefoniert; die Vermittlung sei über die DSD erfolgt. „In einer Mittagspause habe ich sie einfach angerufen und gesagt: Hier ist Ihr Spender“, erinnert sich der Dachdecker. Die erste Begegnung mit dem genetischen Zwilling werden beide wohl nie vergessen.

26 Stammzellspenderdateien in Deutschland

Als eine der größten von 26 Stammzellspenderdateien in Deutschland beschäftigt sich die Deutsche Stammzellspenderdatei (DSD) mit Sitz in Dessau-Roßlau mit der Gewinnung, Betreuung und Begleitung von Stammzellspendern. 1992 als eingetragener Verein „Knochenmarkspenderregister Sachsen- Anhalt“ gegründet, wurde aus dem Verein 2008 die Deutsche Stammzellspenderdatei gGmbH. In 25 Jahren konnte sie nach eigenen Angaben mehr als 140 000 Spender registrieren. Nicht zu verwechseln ist die Institution mit der gleichnamigen Deutschen Stammzellspenderdatei DSSD, einem Zusammenschluss der Stammzell- und Knochenmarkspenderdateien einiger DRK-Blutspendedienste. Zu den 25 anderen großen Spenderdateien in Deutschland gehört auch die Knochenmark-/Stammzellspenderdatei Göttingen (KMSG), die von der Abteilung Transfusionsmedizin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) geführt wird. Informationen hierzu gibt es unter kmsg.med.uni-goettingen.de.

Von Markus Riese

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Northeim Vier Kilometer Stau auf der Autobahn - Sture Schafe sorgen für Chaos auf der A7 bei Northeim

Tierisches Chaos auf der A7: Eine Schafherde hat sich am Freitagmittag auf die Autobahn 7 verirrt.

07.09.2018

Unter Drogeneinfluss und ohne Führerschein ist am Donnerstagmittag ein 27 Jahre alter Autofahrer in Northeim unterwegs gewesen. Die Polizei stoppte ihn auf der Straße Am Martinsgraben.

07.09.2018

Anmeldungen nehmen die Modelleisenbahnfreunde Northeim/Rhumetal für ihre Fahrt zur Messe „Modell, Hobby und Spiel“ nach Leipzig entgegen.

07.09.2018
Anzeige