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Northeim Unfall mit Terror-Sperrblock
Die Region Northeim Unfall mit Terror-Sperrblock
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00:17 07.05.2017
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Fürstenhagen

Die Aktion war eigentlich gut vorbereitet. Auf einem geteerten Feldweg wollte eine Firma aus dem Raum Uslar die Funktionalität eines neu entwickelten Sperrblocks testen. Ein alter Lastwagen war organisiert, ein geübter Fahrer aus der Gemeinde Oberweser hatte seine Teilnahme an dem Crashtest zugesagt, und sogar die Feuerwehr war informiert, dass das verbeulte Fahrzeug nach dem Test für Übungszwecke zur Verfügung stehen würde. Außerdem war geplant, die Kollision zur Dokumentation auf Video festzuhalten.

Laut Zeugenaussagen setzte sich die Zugmaschine gegen 13.40 Uhr in Bewegung, beschleunigte auf 50 Stundenkilometer und prallte auf die Sperre. Der Start hatte sich leicht verzögert, sodass die Uslarer Feuerwehr bereits vor Ort eingetroffen war. "Glücklicherweise waren die Kollegen pünktlich", kommentierte Kreisbrandmeister Bernd Kühle am Donnerstag. Denn statt der erhofften Übung an einem LKW-Führerhaus kam es zum Ernstfall.

Der Sperrblock hielt der Wucht des Aufprall Stand. Nicht aber das Fahrzeug: Der Lastwagen blieb mit schweren Beschädigungen im unteren Front- und Achsenbereich abrupt stehen. Der mehrfach geschützte Fahrer wurde im Innenraum eingeklemmt. Die Feuerwehr konnte den verletzten 48-Jährigen aus dem Führerhaus befreien. Er wurde anschließend mit dem Rettungshubschrauber in das Universitätsklinikum Göttingen geflogen.

Nach Aussage von Uwe Falkenhain, Sprecher der zuständigen Polizeiinspektion Northeim/Osterode, soll diese Art von Sperrblock zukünftig zum Schutz von terroristischen Angriffen verwendet werden, wie sie zuletzt in Nizza, Berlin und Oslo verübt wurden. Wegen des Unfalls wollte sich der Uslarer Firmeninhaber gegenüber dem Tageblatt aktuell nicht zu dem Testverlauf und seiner Erfindung äußern.

Gegen ihn wird jetzt wegen fahrlässiger Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr ermittelt, wie Andreas Buick, Sprecher der Staatsanwaltschaft Göttingen am Donnerstag bestätigte.

Nach einem vom MDR beauftragten Test der Dekra bieten die in Deutschland aktuell verwendeten mobilen Antiterror-Betonsperren zum Schutz von Besuchern auf Großveranstaltungen keinen ausreichenden Schutz vor Anschlägen mit Lkw. Die Dekra testete Poller mit einem Gewicht von 2,4 Tonnen und verwendete einen  beladenen Lkw mit einem Gesamtgewicht von zehn Tonnen, der mit einer Geschwindigkeit von 50 Kilometer pro Stunde auf das Hindernis fuhr. Dabei durchbrach das Fahrzeug die Sperrung.

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