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Northeim Wolf ist offenbar Durchwanderer
Die Region Northeim Wolf ist offenbar Durchwanderer
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00:17 05.05.2017
Wolf von Bad Gandersheim ist offenbar Durchwanderer Quelle: Jens Habich / Adrenalintours.
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Bad Gandersheim / Göttingen

Klar sei jedoch, dass es sich um einen sogenannten Durchwanderer ohne Zugehörigkeit zu einem Rudel handele, meint Wolfsexperte Ole Anders.

Das Tier könne mittlerweile bereits 200 Kilometer weitergewandert sein, sagt Anders, beim Nationalpark Harz in erster Linie für Luchse zuständig. Vor dem Foto bei Bad Gandersheim sei am 17. April bei Springe ein Tier gesichtet worden, bei dem es sich um einen Wolf gehandelt haben könnte. Danach habe es eine zweifelsfreie Wolfssichtung bei Hildesheim gegeben.

Kurze Zeit später sei weiter südlich ein Mufflon-Schaf gerissen worden – ob allerdings von einem Wolf, sei nicht gesichert. Zwei nicht zu 100 Prozent gesicherte Sichtungen gab es bei Seesen, bevor das Foto bei Bad Gandersheim zwischen Dannhausen und Seboldshausen entstand. Dass es sich dabei um das gleiche Tier handelt, erklärt Anders, sei nicht unwahrscheinlich, aber alles andere als sicher.

Das Bad Gandersheimer Tier ist zudem nicht der erste in Südniedersachsen gesichtete Wolf. Bereits im November 2002 tauchte ein zunächst „Puck“ genanntes Tier im Bramwald auf. Die Wölfin wurde im Januar 2003 in einem Waldgebiet bei Alfeld von einem Jäger erschossen. Er habe von dem Tier, das er für einen Schäferhund gehalten habe, bedroht gefühlt, erklärte der Mann. Erst später stellte sich heraus, dass die Wölfin aus einem Tierpark in Sachsen entflohen war, dort den Namen „Bärbel“ trug und sechs Jahre alt war.

Zwar mag das Auftauchen des Wolfes an der B 64 bei Bad Gandersheim die erste Sichtung eines wildlebenden Wolfes Wolfes in Südniedersachsen sein, aber in der näheren Umgebung sind schon mehrfach Wölfe aufgetaucht: 2012 sichtete ein Jäger einen Wolf im Kaufunger Wald, 2016 tappte dort ein weiteres Tier in eine Fotofalle. 2006 tauchte im Reinhardswald ein Wolf auf, der 2011 tot aufgefunden wurde.

In ganz Niedersachsen gibt es etwa 90 bis 100 wildlebende Wölfe. Eine Schätzung sei allerdings schwierig, meint Anders – unter anderem, weil bei Sichtungen von Durchwanderern kaum zweifelsfrei geklärt werden könne, ob es sich nicht um ein und dasselbe Tier handele. Außerdem beruhten die Zahlen auf Hochrechnungen von der Zahl der Wolfsrudel, für die jeweils fünf bis zehn Mitgliedstiere angenommen würden.

Nutztierhalter, sagt Anders, müssten sich in Südniedersachsen derzeit wenig Sorgen machen. Probleme mit von Wölfen gerissenem Vieh gebe es in der Lüneburger Heide und im Landkreis Cuxhaven. Zuletzt riss im Februar ein Wolf an der Cuxhavener Stadtgrenze aus einer Herde drei tragende Schafe.

Richtiges Verhalten bei unerwarteten Zusammentreffen mit Wölfen

Göttingen/Berlin. Wolfsexperten sind sich einig: Übergriffe von Wölfen auf Menschen sind sehr selten. Dennoch ist bei unerwarteten Begegnungen mit Wölfen Vorsicht geboten, meint das Bundesumweltministerium.

Begegnungen auf eine Entfernung von weniger als 100 Metern gibt es in der Regel dann, wenn die Wölfe den Menschen noch nicht bemerkt haben. Wenn sie den Menschen wahrnehmen, fliehen sie meist nicht, sondern orientieren sich zunächst kurz und ziehen sich dann zurück. Die Tipps des Ministeriums: ruhig verhalten und Abstand halten.

Wenn der Wolf sich nicht zurückzieht, laut sprechen oder in die Hände klatschen. Nicht davonrennen, weil dies den Jagdinstinkt des Tieres wecken könnte. Sollte sich der Wolf dennoch nähern, sollte sich der Mensch groß machen und versuchen, das Tier einzuschüchtern.

Wölfe sehen Hunde manchmal als Artgenossen an. Weil sich Hunde aber anders verhalten, kann dies zu „Missverständnissen“ führen. Außerdem kann der Wolf das Auftauchen eines Hundes als Verletzung seines Territoriums ansehen. In Wolfsgebieten sollten Hunde angeleint oder nahe beim Besitzer geführt werden. hein

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