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Northeim Harzhorn-Präsentation wird erweitert
Die Region Northeim Harzhorn-Präsentation wird erweitert
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00:34 20.04.2018
Das Harzhorn ist ein Publikumsmagnet – auch für Wissenschaftler. Quelle: Swen Pförtner
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Oldenrode/Northeim

In den zehn Jahren nach der Entdeckung hat es an und in dem bewaldeten Höhenzug fast ununterbrochen Ausgrabungen und wissenschaftliche Forschung mit zum Teil international Aufsehen erregenden Ergebnissen gegeben.

Angefangen hatte das Großprojekt mit einer nur anfangs unscheinbaren Entdeckung: Im Sommer 2008 legten zwei Hobbyarchäologen der Northeimer Kreisarchäologin Dr. Petra Lönne Fundmaterial von einem im westlichen Harzvorland gelegenen Höhenzug, dem Harzhorn, vor. Die Funde, darunter eine sogenannte Hippo-Sandale, ein Vorläufer der späteren Hufschuhe für Pferde, konnten schnell und eindeutig als römische Militaria identifiziert werden. Seitdem wird die Fundstelle kontinuierlich durch die Niedersächsische Landesarchäologie und die Kreisarchäologie Northeim untersucht, ergänzt seit 2009 durch gezielte Ausgrabungskampagnen der Freien Universität Berlin.

Zweites Gefechtsfeld

Im Jahr 2010 wurde der Kahlberg, etwa 1,8 Kilometer südwestlich des Harzhornes, als zweites Gefechtsfeld entdeckt. Zu den herausragenden Funden zählt hier eine Dolabra (Pionieraxt) mit der Inschrift LEG IIII SA, so dass eine Beteiligung von Teilen der 4. Legion an den Kämpfen sehr wahrscheinlich ist.

Info-Pfad wird erweitert

In den kommenden Jahren sollen die jetzt schon umfangreichen Harzhorn-Angebote und die Erschließung des Geländes weiter vorangetrieben werden. Noch für dieses Jahr geplant ist die Erweiterung des Info-Pfades zum Hauptschlachtfeld zu einem Rundweg. Der etwa 200 000 Euro teure Ausbau werde zu großen Teilen aus Fördermitteln finanziert, erklärte Ralf Buberti, beim Landkreis Northeim Leiter der Abteilung Bauen und Umwelt und damit auch zuständig für den Bereich Archäologie, am Dienstag. Mittelfristig sei außerdem daran gedacht, auf der Anhöhe des Harzhorns einen Aussichtsturm zu errichten, von dem aus sich das Schlachtfeld und die Topographie überblicken lässt. Weil das 2014 errichtete Info-Gebäude mittlerweile aus den Nähten zu platzen droht, ist außerdem geplant, in der Nähe einen Container aufzustellen – allerdings mit einer optischen Anpassung ans Info-Gebäude.

Die Bad Gandersheimer Bürgermeisterin Franziska Schwarz (SPD) kündigte an, demnächst eine Reihe von originalen Fundstücken im Kloster Brunshausen ausstellen zu lassen – wegen der abgeschiedenen Lage des Harzhorn-Infogebäudes ist eine Aufbewahrung der kostbaren Stücke dort nicht möglich. Und weil die Zahl der Parkplätze wegen des starken Besucherandrangs manchmal nicht ausreicht, ist ein Park&Ride-Angebot von und nach Oldenrode in Vorbereitung.

Seit Beginn der Ausgrabungen konnten mehr als 2700 Fundstücke, in der Mehrzahl römische Waffen, Ausrüstungsteile von Legionären, Pionierwerkzeuge, Trossbestandteile, wie Wagenteile, Pferde- und Maultiergeschirr und auch Münzen geborgen werden, fast alle in einer Tiefe von etwa 15 Zentimetern unter der heutigen Oberfläche. Sie sind allesamt Zeugnisse eines erbitterten Gefechtes zwischen Germanen und römischen Einheiten im dritten Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Besonders am Nordhang des Harzhorns wurden größere Mengen an Überbleibseln von Waffen gefunden, die auf ein sehr heftiges Kampfgeschehen deuten.

Wissenschaftliche Sensation

Die umfangreichen Funde, insbesondere Münzen und wissenschaftliche Untersuchungen von Holzresten in Geschossspitzen, machen es wahrscheinlich, dass das Gefecht im Kontext einer Offensive des römischen Kaisers Maximinus Thrax im Jahr 235 erfolgte. Mehr als 200 Jahre nach der verlustreichen Niederlage der Römer in der Varusschlacht wagte sich im frühen dritten Jahrhundert damit augenscheinlich ein großes römisches Heer weit nach Germanien hinein. Vor der Harzhorn-Entdeckung war die Forschung davon ausgegangen, dass sich Rom damals aus dieser Region längst zurückgezogen hatte. Nach der Harzhorn-Erforschung musste die Geschichte des Römischen Reiches in Teilen neu geschrieben werden - eine wissenschaftliche Sensation.

Die detaillierte Kartierung der Funde im Gelände und der Vergleich mit weiteren Schlachtfeldern geben immer genauere Hinweise auf den Ablauf der Kampfhandlungen, die umfangreicher waren als zunächst vermutet. Die Auswertung des Fundmaterials erlaubt außerdem einen Einblick in die Zusammensetzung und Kampftechnik des römischen Verbandes; Standorte von Torsionsgeschützen, Pfeilsalven und Infanterieangriffe spiegeln sich wider.

Geschlossener Fundkomplex

Der Militärgeschichtsschreibung steht hier erstmals ein offenkundig in sich sehr geschlossener Komplex zur Verfügung, der die im Feld eingesetzte Ausrüstung römischer Truppen in der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung spiegelt. Das Bild der römisch-germanischen Beziehungen dieser Zeit wird durch die Kenntnis der Harzhornschlacht nachdrücklich verändert.

Ideale Erhaltungsbedingungen

Das Harzhorn-Gelände, sagt die Northeimer Kreisarchäologin Dr. Petra Lönne, ist “eines der am besten erforschten antiken Schlachtfelder”. Der Grund: Dort, wo man heute so gut wie nichts mehr direkt erkennen kann, stand jahrhundertelang nur Wald, so gut wie ohne jede Bewirtschaftung. In fruchtbaren Gegenden hingegen wie beispielsweise in Norditalien wurde der die Überreste bergende Boden immer wieder umgepflügt. Dabei wurden zumindest in früherer Zeit Fundstücke achtlos weggeworfen. Und immer wurden Objektbeziehungen verschiedener Fundstücke untereinander unwiederbringlich zerstört. Am Harzhorn hingegen blieben die Reste der Schlacht nach den ersten oberflächlichen Plünderungen unverändert im Boden. Und das basische Bodenmilieu mit Kalkstein im Untergrund und einer dünnen Oberbodendeckschicht aus Humus bot ideale Erhaltungsbedingungen.

Die bisherigen Forschungsergebnisse wurden in zahlreichen kleineren Berichten, vor allem aber in einem längeren Aufsatz in der Zeitschrift Germania, in einem umfangreichen Ausstellungskatalog und in den Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen vorgelegt. Sowohl durch die interdisziplinär angelegte Forschung, als auch durch den Einsatz neuer Techniken hat sich das Harzhorn mittlerweile zu einem niedersächsischen Wissenschaftsstandort von hoher Qualität von bundesweiter Bedeutung entwickelt.

Wichtige Helfer

Sehr wichtiger Bestandteil des Gesamtprojekts Römerschlacht am Harzhorn sind die ehrenamtlichen Helfer, die das Schlachtfeld und seine Bedeutung der interessierten Öffentlichkeit erschließen und dazu das Informationsgebäude und den Infopfad zum eigentlichen Schlachtfeld auf dem Höhenzug nutzen. Sie waren es auch, die das gesamte Jubiläumsprogramm entwickelten: „Es sind die ehrenamtlichen Harzhorn-Guides, die dieses antike Schlachtfeld lebendig werden lassen und seit zehn Jahren mit so viel Herzblut bei der Sache sind“, erklärte der Erste Kreisrat Hartmut Heuer am Dienstag bei der Vorstellung des Jubiläumsprogramms.

Von Matthias Heinzel

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