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Northeim Wie kommt die Digitalisierung in die Schule?
Die Region Northeim Wie kommt die Digitalisierung in die Schule?
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19:19 24.10.2018
Zweite Bildungskonferenz Südniedersachsen in der Northeimer Stadthalle. Quelle: scharf
Northeim

Wenn Professorin Julia Knopf über den aktuellen Stand der Digitalisierung an deutschen Bildungseinrichtungen referiert, sagt sie Sätze wie „Es ist noch viel Arbeit.“ Die Leiterin des Forschungsinstituts Bildung Digital (FoBiD) an der Universität des Saarlandes hielt am Mittwoch den Impulsvortrag der zweiten Bildungskonferenz Südniedersachsen.

Etwa 220 Zuhörer folgten ihren Ausführungen zum Stand der technischen Möglichkeiten, zu aktuellen Studien und gesellschaftlichen Notwendigkeiten. Keinesfalls gehe es darum, das analoge Lernen durch das digitale zu ersetzen. Anhand zahlreicher Beispiele zeigt die Pädagogin, wie digitale Hilfsmittel den Schul- und Ausbildungsalltag verbessern könnten.

Augmented Reality in Schulheften

So gibt es beispielsweise für Grundschüler einen Stift, der nicht nur Tinte auf das Papier bringt, sondern gleichzeitig die Schreibmotorik des Kindes misst und analysiert. Per Software würden anschließend individuell Fördermaterialien zusammengestellt. Ein anderes Beispiel für den Einsatz moderner Technologie in der Schule stammt aus der Sprachförderung, wobei Schüler der Sekundarstufe 1 per Augmented Reality (AR) aus dem Lernheft heraus in die virtuelle Welt entführt werden sollen. Dass diese Art der multimedialen Interaktion motivierend wirke, habe sich bei der Anwendung dieser Technologie in der Wirtschaft bestätigt. Der Siemens-Konzern habe seine Handbücher für die Mitarbeiter mit AR erweitern lassen, so Knopf.

Noch einen Schritt weiter in Richtung Zukunft geht das Institut mit einem Lernwerkzeug für angehende Mechatroniker. Ihnen werden in der Ausbildung Lerninhalte auf die Brille projiziert. Ein Technologie, die schon bald auch im Schulbetrieb zum Einsatz kommen könnte, versprach die Referentin den anwesenden Pädagogen.

Künstliche Intelligenz bei der Materialsuche

An diese Zielgruppe richtete sich auch Knopfs viertes Beispiel: Ein mit künstlicher Intelligenz arbeitender Wissensdienst, der Lehrpersonal das für die Unterrichtsplanung passende Materialien aus dem Internet filtern können soll. Unter dem Titel „Assist“ entsteht derzeit eine Datenbank mit kuratierten, also ausgewählten und organisierten, Inhalten für alle Jahrgangsstufen.

So faszinierend diese Projekte klingen, so weit sind sie derzeit noch von der schulischen Realität entfernt. „In 20 Jahren ist die Digitalisierung vielleicht in diesem Umfang in den Schulen angekommen“, schätzte Anna Wucherpfennig, Geschäftsführerin der Bildungsregion Südniedersachsen. Noch seien die Voraussetzungen dafür nicht geschaffen. Neben der technischen Infrastruktur fehle es auch am grundlegenden Verständnis in der Lehrerschaft. Und daran werde sich auf absehbare Zeit auch wenig ändern, denn noch heute spiele das Thema Digitalisierung im Lehramtsstudium vielerorts kaum eine Rolle, ergänzte Bildungskoordinatorin Andrea Reese. „Die Fort- und Weiterbildung muss in diesem Bereich reformiert werden“, appellierte Knopf an die zuständigen Ministerien der Bundesländern.

Es fehlen qualitative Inhalte

Doch es fehle derzeit nicht nur an Technik und Akzeptanz, sondern auch an qualitativen Inhalten, urteilte Knopf. Auf dem Markt der Lern-Apps für Smartphone und Tablet beispielsweise finde man viele tausend Angebote, aber nur wenig gute. Um diesem Problem entgegenzutreten, bedürfe es einer Qualitätssicherung.

Im weiteren Verlauf befasste sich die Konferenz am Mittwoch daher unter anderem auch mit der Frage nach informatorischer Bildung für Kinder. Weitere Workshops befassten sich mit den Regeln in einer digitalisierten Gesellschaft, der Herausforderungen für Schulen und Kommunen sowie der Frage nach den Kompetenzen für Schüler und zukünftige Arbeitnehmer.

Knopf formuliert die wichtigste Herausforderung abschließend so: „Damit Digitalisierung gelingen kann, müssen alle Beteiligten erst einmal Vertrauen entwickeln.“

Von Markus Scharf

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