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Osterode Protest gegen Schulschließung
Die Region Osterode Protest gegen Schulschließung
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13:43 11.03.2018
An der Elternversammlung in der Aula der Hattorfer Oberschule nahmen zahlreiche Kommunalpolitiker teil. Quelle: Baumgartner
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Hattorf

Die Ende der vergangenen Woche bekanntgewordenen Pläne der Kreisverwaltung für die Oberschule (OBS) Hattorf sorgen für Verunsicherung und Empörung in der Samtgemeinde Hattorf, nicht nur bei betroffenen Eltern, Schülern und Lehrern. Auch Kommunalpolitiker aus den Gemeinden kritisieren über die Parteigrenzen hinweg den Vorschlag, die OBS Hattorf mit Herzberg zu fusionieren und die Außenstelle in Wulften zum 1. August zu schließen.

Am Montagabend hatten die Elternvertreter der Schule kurzfristig zu einem Treffen in die Schule eingeladen, um das weitere Vorgehen in der Angelegenheit zu beraten. Am Ende des Treffens in der überfüllten Aula verabredeten die Eltern, am Donnerstagnachmittag gemeinsam in Bussen von Hattorf nach Göttingen zu fahren. Sie wollen in der Sitzung des Kreissschulausschusses ihren Protest kundtun.

CDU-Kreistagsabgeordnete aus dem Altkreis Osterode bei Versammlung

Auch CDU-Kreistagsabgeordnete aus dem Altkreis Osterode nahmen an der Versammlung teil und forderten die Eltern auf, sich an die Abgeordneten der Mehrheitsgruppe im Kreistag zu wenden. Diese sollen die von der Verwaltung vorgelegten Vorschläge ablehnen. Die CDU-Fraktion hatte sich bereits in einer Stellungnahme deutlich dagegen ausgesprochen. Der Lauterberger CDU-Abgeordnete Andreas Körner betonte jedoch in Hattorf, dass es allein von der Entscheidung der Mehrheitsgruppe im Kreistag abhänge, was mit der Oberschule geschieht.

Von der SPD nahmen keine Kreistagsabgeordneten an der Versammlung teil, da die Fraktion zeitgleich eine Sitzung hatte, in der aber über das Thema ebenfalls beraten wurde. Die Position der SPD erläuterte der Fraktionsvorsitzende Reinhard Dierkes: Einschnitte in ein vorhandenes Schulsystem seien immer schmerzhaft, und deshalb gebe es durchaus Verständnis in der SPD-Fraktion, wenn sich betroffene Eltern in Hattorf und Wulften verunsichert fühlen. Auf der Basis der Elternumfrage in Verbindung mit demografischer Entwicklung ergebe sich aber Handlungsbedarf an verschiedenen Stellen im Landkreis.„Eine erfolgreich umgesetzte Neuausrichtung könnte sehr zur dauerhaften Stärkung und Aufwertung der Hattorfer Schule im Verbund mit der Oberschule Herzberg führen“, so Dierkes. Die Aufgabe des Schulgebäudes in Wulften sei jedoch sinnvoll.

Kämpferische Teilnehmer bei Versammlung in Hattorfer Oberschule

In der Versammlung am Montagabend in der Aula der Hattorfer Oberschule gaben sich die Teilnehmer kämpferisch: Die Pläne der Kreisverwaltung zur Aufhebung der OBS Hattorf wollen die Eltern nicht widerstandslos hinnehmen. Am treffendsten drückte vielleicht die Achtklässlerin Jona Milane Rinkleff die Stimmung von Schülern und Eltern aus: „Diese Schule bedeutet uns sehr viel. Wir wollen dafür kämpfen, denn wir sind eine Schule mit Herz!“

Die Nachricht über die beabsichtigte Schließung der Außenstelle Wulften traf die Elternvertreter am Freitag völlig überraschend, berichtete der Vorsitzende Frank Engels: „Ich dachte am Freitag, es ist der erste April. Ich wollte es nicht wahrhaben.“ Spontan luden er und seine Stellvertreterin Tatjana Drechsel zu dem Treffen ein – von der Resonanz darauf zeigte sich Engel überwältigt. Auch eine Unterschriftensammlung für eine Petiotion wurde kurzfristig gestartet, bis Montagabend war die bereits tausendmal unterzeichnet worden. „Viele Eltern, viele Kinder brauchen diese Schule hier – nicht eine Schule in Herzberg. Diese Schule muss bleiben. Diese Schule ist unantastbar!“, sagte Engels unter Beifall der Anwesenden.

Bevorstehende Vakanz der Schulleitung an der Hattorfer Oberschule

Schulleiter Klaus Wagner berichtete den Eltern von dem ganzen Vorgang, so wie er ihn erlebt hatte. Er habe der Landesschulbehörde seinen Wunsch mitgeteilt, in den Ruhestand zu gehen und dabei auf seine Stellvertreterin Sylvia Dannoritzer als geeignete Nachfolgerin hingewiesen. Die Schulbehörde habe Dannoritzer jedoch laut Wagner nahegelegt, sich an einer anderen Schule zu bewerben. Wagner: „Auf einmal hat man keine Schulleitung mehr.“ Mit der bevorstehenden Vakanz der Schulleitung hat der zuständige Dezernent Kreisrat Marcel Riethig den dringenden Handlungsbedarf in Sachen Oberschule Hattorf begründet.

Wagner ging auch auf Riethigs Ausführungen zur nötigen Schülerzahl ein. Demnach müsse es an der OBS 48 Schüler pro Jahrgang geben, um bei einem Teilungsfaktor von 24 die erforderliche Zweizügigkeit zu erreichen. Aber diese Regelung gelte nur für die Planung von neuen Schulen, so der Schulleiter: „Für uns gilt ein Teilungsfaktor von 28, und der ist für die nächsten Jahre gegeben.“ Er habe Riethig darauf hingewiesen, dass die Zahl falsch sei, der habe ihm aber erklärt, man wolle erst einmal die Elternumfrage abwarten. Nach deren Ergebnisse stehe die OBS Hattorf aber besser da, als alle anderen Oberschulen, so Wagner. Zudem seien dabei die Schüler aus Schwiegershausen gar nicht angerechnet worden. Aktuell besuchen laut Wagner 49 Schüler von dort die OBS Hattorf.

Dieser Aussage widerspricht Kreisschuldezernent Riethig. Er habe zu keinem Zeitpunkt auf eine Mindestschülerzahl von 48 Schüler abgestellt, sondern auf den Klassenbildungserlass, in dem die Höchstschülerzahl von 28 Schülern genannt wird. Das teilte die Kreisverwaltung am Mittwoch mit. Falsch sei außerdem die Behauptung, wonach Schüler aus Schwiegershausen nicht bei der Ergebnishochrechnung der Elternumfrage angerechnet worden sind.

Frage nach der Außenstelle Wulften

Wagner ging auch auf die Frage der Außenstelle Wulften ein: Schon der Landkreis Osterode habe diese schließen wollen, hätte dann aber in Hattorf anbauen müssen, weil es dort nur acht Unterrichtsräume gibt. Zwölf seien aber nötig. „Im Moment haben wir 13 Klassen in sechs Jahrgängen“, stellte Wagner fest. „In Zukunft will Herr Riethig zur Sicherung des Standortes nur die Klassen fünf und sechs mit Schülern aus der Samtgemeinde haben. Aber nur wenn die räumlichen Kapazitäten da sind“, zitierte er aus der Vorlage für den Schulausschuss.

Der Schulleiter hob die Qualität des Angebotes an seiner Schule hervor und berichtete von der überdurchschnittlich hohen Zahl an erweiterten Realschulabschlüssen, die dort gemacht werden. „Unsere Schulinspektion sagt, dass wir zu den besten Schulen in Niedersachsen gehören.“ Wenn am Ende eines demokratischen Prozesses und der Abwegung aller Alternativen dennoch der Entschluss fällt, dass die Schule aufgehoben wird, trage er diesen Beschluss mit. „Aber so wie es läuft, ist es nicht fair“, beklagte er. „Unsere Schule muss eine Chance haben.“

MdB Dr. Roy Kühne (CDU) sagt seine Unterstützung zu

An der Versammlung nahmen zahlreiche Ratsmitglieder aus der Samtgemeinde, Gemeindebürgermeister und auch mehrere CDU-Kreistagsabgeordnete teil. Alle anwesenden Politiker sagten ihre Unterstützung für die OBS Hattorf zu. Wulftens Gemeindebürgermeister Henning Kruse (SPD) sagte, bei der Sache gehe es um die Infrastruktur in der Samtgemeinde: „Die Schule ist ein Stück Lebensqualität, und die gilt es zu bewahren.“ Sein Hattorfer Kollege Frank Kaiser (SPD) sagte: „Wir sind sehr betroffen. Für den ländlichen Raum ist das total kontraproduktiv.“ Karin Wode, Kreistagsabgeordnete, CDU-Mitglied im Samtgemeinderat und langjährige Gemeindebürgermeisterin in Elbingerode sagte: „Diese Schule hat sich von Jahr zu Jahr positiv entwickelt. Es tut mir leid, wie sie jetzt plattgemacht werden soll.“ Es gehe auch nicht allein um das, was entschieden werden soll, sondern auch um das Wie: „Wie geht man mit uns, mit Schülern, Lehrern und Eltern um? So geht es nicht!“ Wode berichtete, dass sie und Kruse Kontakt zum CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Roy Kühne aufgenommen hätten. Kühne habe ihr zugesagt, sich für die Schule einzusetzen.

Die Kreistagsabgeordnete übte Kritik am Vorgehen der Kreisverwaltung, die sich in der Begründung ihrer Vorschläge auf das Ergebnis der Elternumfrage stützt: „Wie kommen diese Zahlen zustande? Diese Elternumfrage hatte doch nicht das Ziel zu erfahren, wie beliebt diese Schule ist. Das Vorgehen halte ich für im höchsten Maße fragwürdig.“

Kritik am Verfahren der Kreisverwaltung

Ein Vater aus Wulften brachte in seiner Wortmeldung die gleiche Kritik am Verfahren der Kreisverwaltung vor: „Was wurde uns mit dieser Umfrage vorgegaukelt?“, fragte er. „Ich hatten ja keine Ahnung, was das für Auswirkungen hat, als mir das vorgelegt wurde. Diese Zahlen für mögliche Schulanmeldungen sind falsch.“ Er zeigte sich überzeugt, dass eine erneute Umfrage heute unter diesen Vorzeichen ganz andere Ergebnisse hätte.

Oliver Brunotte aus Wulften, der sich bisher schon in der Elterninitiative für die IGS Duderstadt engagiert hatte, sagte den OBS-Eltern die Unterstützung der Elterninitiative zu: „Ich finde es wichtig, dass wir Eltern die Möglichkeit haben zu wählen.“

Von Martin Baumgartner

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