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Osterode Harzer üben seit Wochen für Wald-Schauspiel
Die Region Osterode Harzer üben seit Wochen für Wald-Schauspiel
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10:58 28.04.2017
Hexen-Schauspiel in der Walpurgisnacht. Quelle: Swen Pförtner / dpa
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Bad Grund

 Rund vier Dutzend Laienschauspieler und -tänzer geben in diesem Jahr "Luzifer und die silbernen Tannenzapfen" zum Besten. "Wir üben seit Wochen teilweise täglich", sagt Andreas Lehmberg, dessen Hobby seit Jahren die Regie ist. Zur Aufführung spätabends am 30. April wird der ganze Ort auf den Beinen sein. Hinzu kommen Hunderte auswärtige Gäste. Zusammen werden sie nach Ende des Stücks mit Musik und Tanz bis zum frühen Morgen feiern. Bad Grund ist einer von mehr als 20 Orten im Harz, die in der Nacht zum 1. Mai traditionell Walpurgisfeiern ausrichten.

Dazu werden in Deutschlands nördlichstem Mittelgebirge wieder Zehntausende von Besuchern erwartet. Wie in jedem Jahr werden Einheimische, die mit wilden Kostümen, irrwitzigen Perücken, Hexennasen und Zauberhüten verkleidet sind, und dazu Besen oder Mistgabeln schwingen, den Harz unsicher machen. Schon tagsüber finden in vielen Orten Umzüge und Walpurgisfeiern für Kinder statt. Die größten Feste für Erwachsene gibt es in Bad Grund, Braunlage, Hahnenklee, Sankt Andreasberg, Schierke und Thale. Ursprünglich gehen die Feiern auf ein heidnisches Frühlingsfest zurück. Und auch nachdem sie um das Jahr 800 unter Karl dem Großen auf brachiale Art christianisiert wurden, blieben viele Harzer ihren alten Göttern verbunden.

Zum Feiern zogen sie sich im Frühjahr auf unzugängliche Berge zurück. Um unerkannt zu bleiben und um Geister abzuschrecken, waren sie vermummt. Die Kirche versuchte später, den Festen einen neuen Inhalt zu geben. Sie ließ am 30. April den Geburtstag der heiligen Walburga feiern. Heute ist die nach der Schutzpatronin gegen Aberglauben und Geister benannte Walpurgisnacht eine der größten Touristen-Attraktionen des Harzes. Dies liegt wohl auch an Goethe. Der Dichterfürst legte den literarischen Grundstein, als er nach einer Brockenbesteigung im Jahr 1777 das teuflische Treiben auf dem mit 1141 Metern höchsten Berg Norddeutschlands im "Faust" festhielt. Passend dazu wird diesmal zu Walpurgis der "Faust" als Rockoper in der Brocken-Herberge auf dem Gipfel aufgeführt. Die bekannteste und wohl auch "größte Walpurgisnacht Deutschlands" findet allerdings nicht auf dem Brocken statt. Sie soll auf dem Hexentanzplatz bei Tahle starten.

Die Bodetal Tourismus GmbH erwartet dazu rund 8000 Besucher, die zum Teil mit Sonderzügen an- und abreisen können. Auf völlig andere Art wollen mehr als 100 Geocacher aus ganz Deutschland den Tag der Walpurgisfeiern begehen. Sie kommen am 30. April in dem in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gelegenen Nationalpark Harz zusammen, um - wie schon in den Vorjahren - Müll zu sammeln, den Besucher dort achtlos hinterlassen haben.

Von Matthias Brunnert / dpa

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