Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Osterode Mehrere Krätze-Fälle in Schulen, einer Kita und einem Altenheim im Raum Osterode
Die Region Osterode Mehrere Krätze-Fälle in Schulen, einer Kita und einem Altenheim im Raum Osterode
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:24 15.04.2019
Krätze ist eine juckende Angelegenheit, aber gut behandelbar. Quelle: dpa
Badenhausen/Göttingen

Seit Jahresbeginn gibt es mehrer Krätze-Fälle in einem Altenheim, in Schulen und einem Kindergarten im Altkreis Osterode. Unklar war zunächst, wie viele Kinder betroffen sind. Die Angaben von betroffenen Familien und Gesundheitsamt wichen lange voneinander ab. Eltern kritisieren zudem, Schulen und Behörde hätten nur zögerlich auf ihre Meldungen reagiert.

Die Lage ist ein wenig unübersichtlich: Nach Angaben des Gesundheitsamtes für die Stadt und den Landkreis Göttingen am Freitagmorgen gab es bis dahin einen gemeldeten Fall an einer Schule. Zuvor habe es seit Jahresbeginn einen weiteren Fall in einem Kindergarten und fünf in einem Altenheim gegeben. Welche Einrichtungen betroffen sind, teilte das Amt nicht mit.

Offensichtlich mehr Fälle als offiziell genannt

Sie dürften im Altkreis Osterode liegen. Das lässt sich aus Aussagen von Schulleitern sowie Eltern aus drei Familien aus dem Raum Herzberg ableiten. Nach ihren Angaben sind oder waren jüngst an der Oberschule Badenhausen mindestens zwei Kinder an Krätze erkrankt, an einem Kindergarten der Lebenshilfe Herzberg ebenfalls mindestens zwei aus einer Familie und ein Kind an der Grundschule in Gittelde - zusammen also fünf Kinder.

Die nur 0,2 bis 0,4 Millimeter großen Krätzmilben bohren sich unter die Haut. Quelle: gms

 

„Das ist alles untragbar“, beklagte einer der Väter. Zunächst hätten die Ärzte die Skabies bei seinem Kind nicht festgestellt. Als die Bestätigung dann doch kam und er die Oberschule informiert habe, habe diese nicht reagiert. Das sagt auch eine Mutter, deren Kind die Grundschule besucht. Die Lebenshilfe hingegen habe sofort alle Eltern informiert.

Kleine Milbe als Verursacher

Krätze oder auch Skabies wird durch Milben verursacht, ist unter bestimmten Bedingungen übertragbar, aber gut behandelbar (siehe untenstehende Information). Nach Angaben des Gesundheitsamtes besteht keine grundsätzliche Meldepflicht, wenn Krätze festgestellt wird – auch für Ärzte nicht. Darum gebe es auch keine Angaben darüber, wie viele Menschen im Landkreis zurzeit insgesamt erkrankt sind. Allerdings seien Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen und Altenheime verpflichtet, bekannt gewordene Fälle dem Gesundheitsamt mitzuteilen.

Was man über Krätze wissen muss

Krätze oder auch Skabies wird von einem Parasiten verursacht, der sich auf Menschen spezialisiert hat. Die Krätze­milbe gehört nach Angaben des Robert Koch Institutes zu den Spinnen­tieren. Weibliche Skabies­milben werden 0,3 bis 0,5 mm groß und sind mit dem mensch­lichen Auge gerade noch als Punkt sichtbar. Männ­liche Milben sind kleiner. Die Milben dringen in die Haut ein, aber nicht tiefer als in die Horn­schicht, allen­falls in das Stratum darunter.

Skabies kommt weltweit vor und betrifft Personen jeden Alters. In der Regel wird sie durch direkten Haut-zu-Haut-Kontakt übertragen. Dafür ist aber ein groß­flächiger, längerer und konti­nuier­lichen Haut-zu-Haut-Kontakt von fünf bis zehn Minuten voraus. Das heißt: Hand­schütteln, Begrüßungs­küsse, und Um­armungen sind bei gewöhnlicher (und am weitaus häufigsten vorkommenden) Skabies ohne Risiko.

Ausbrüche treten meistens dort auf, wo Personen über längere Zeit zusammen­leben, betreut oder medizinisch versorgt werden, und in denen enger Haut-zu-Haut-Kontakt üblich ist. Hierzu zählen Kinder­gärten, Ein­rich­tungen für Behinderte, Ob­dach­losen­asyle, Gefäng­nisse, Alters­heime und Kranken­häuser.

Das habe er auch umgehend getan, versichert der Leiter der Oberschule Badenhausen – zumindest bei den jüngsten Fällen. Bei einer gleichen Vorerkrankung eines der Kinder im Februar habe er sich auf Aussagen der Eltern verlassen, ihr Arzt werde das Gesundheitsamt informieren. Das sei offenbar nicht geschehen, „das habe ich jetzt nachgeholt“, so Frank Keller. Zudem werde er unmittelbar nach den Osterferien alle Eltern informieren – auch über Verhaltenstipps.

Schulen versichern schnelle Weitergabe

Auch die Leiterin der Grundschule Gittelde, Iris Keller, versichert, sie habe im März einen von Eltern mitgeteilten Fall sofort an das Gesundheitsamt gemeldet – und die Eltern der betroffenen Klasse informiert. Von der Lebenshilfe Herzberg gab es auf Tageblatt-Anfrage keine Rückmeldung.

Am späten Freitagabend korrigierte das Gesundheitsamt seine vorherigen Angaben. Auch dort seien inzwischen fünf Fälle von Schulen und von einem Kindergarten gemeldet. Darüber hinaus ein Fall von einem Arzt, so Behördensprecher Dominik Kimyon. Unterschiedliche Eingangswege bei der Behörde und intern unterschiedliche Zuordnungen hätten zunächst zu den irreführenden Angaben mit deutliche weniger Fällen geführt.

Hier gibt es mehr Infos über Skabies:

Ausführliche Informationen über Skabies gibt das Robert Koch Institut hier.

Von Ulrich Schubert

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Stadtsparkasse Bad Sachsa ist die kleinste selbstständige Sparkasse Deutschlands. Mit der Sparkasse Osterode werden jetzt Gespräche über eine mögliche Fusion geführt.

15.04.2019

Die Segelflieger des Luftsport-Vereins (LSV) Aue/Hattorf sind am ersten Aprilwochenende in die Saison gestartet – auch dank einer Spende der niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung.

11.04.2019
Osterode Geschwindigkeitsmessung - Neuer Blitzer steht in Bad Harzburg

Ein neuer stationärer Blitzer ist am Montag an der B6 bei Bad Harzburg installiert worden. Das Laserscannermessgerät ersetzt die bisherige Anlage, die zuletzt zwischen den Mittelleitplanken platziert war.

10.04.2019