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Osterode Im Cockpit gen Himmel sausen
Die Region Osterode Im Cockpit gen Himmel sausen
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00:15 18.04.2017
Von Peter Krüger-Lenz
Startvorbereitungen: Maik Deppe, Fluglehrer beim Luftsportverein Kreis Osterode kurz vor dem Start. Quelle: pek
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Osterode

Die Haube ist schon geöffnet, der Flugwillige steht neben dem Cockpit. Ein Helfer unterstützt ihn beim Anlegen des Fallschirms. Jetzt bloß nicht zu weit weg vom Flugzeug, denn mit dem ist der Schirm durch eine Leine verbunden, damit er sich im Notfall von selbst öffnet. Dann erst das rechte Bein in den Fußraum, abstützen auf dem Rand der Luke, die linken Fuß nachholen, hinsetzen. Der Helfer unterstützt den Passagier beim Anlegen des Gurtes und stellt den richtigen Abstand zu den Seitenruder-Pedalen ein. Warum? „Dann kannst du selber fliegen“, sagt Fluglehrer Maik Deppe. Er sitzt hinter dem Passagier und wird das Flugzeug zwischen Start und Landung für eine kurze Zeit in die Hand des Fluganfängers übergeben. Er weiß um die Qualitäten des ASK 21. Das sei eines der sichersten Schulungsflugzeuge, trudeln sei damit unmöglich, sagt Hans-Peter Dreier. Er ist Vorsitzender des Vereins, der vor den Toren Hattorfs sein Gelände hat.

Sechs Segelflugzeuge besitzt der Verein, zwei davon sind zweisitzig, also schulungstauglich. 10 Flugzeuge in Privatbesitz haben Vereinsmitglieder im Hangar stehen. „Wir sind der einzige Segelflugverein im neuen Landkreis Göttingen, erklärt Dreier, „und sehr leistungsfähig“. Ein Vereinsmitglied habe sich im vergangenen Jahr sogar für die Deutsche Meisterschaft qualifiziert.

1200 Meter lang ist der Flugplatz des Vereins. Die Segelflieger werden an diesem Morgen mit der Wind in den Himmel gezogen. Lärm ist dabei nicht zu hören. Ernsthafte Hindernisse sind weit und breit nicht zu sehen. Windräder am Horizont beeinträchtigen das Fluggelände nicht. Der Flugplatz habe zwar den Nachteil, dass thermisches Fliegen, also das Aufdrehen in warmen Luftströmungen, erst später als an anderen Plätzen möglich ist, „abends geht es dafür länger“, erklärt der Vereinsvorsitzende. Und: „Wir haben hier einen der freiesten Lufträume überhaupt.“ Andere Plätze vor allem in den Niederlanden seien durch Luftverkehrsregelung stark beeinträchtigt.

170 Mitglieder hat der Verein, 50 davon sind aktive Flieger, von denen allerdings nur 25 oder 30 regelmäßig in der Luft sind, meint Dreier. Acht Schüler bildet der LSV derzeit aus.

Interesse daran hat auch Jona Weinrich. Der 14-jährige Gieboldehäuser nimmt an dem Schnupperkurs teil. „Das haben mir meine Eltern zu Weihnachten geschenkt“, sagt Jona. „Ich wollte mir mal angucken, wie das so ist.“ Zehn Starts maximal dürfen Teilnehmer in eine Probewoche absolvieren. Das schreibt der Gesetzgeber vor. Acht Starts hat Jona schon geflogen.

Alina Fahlbusch wird erst im Oktober 14 Jahre alt. Sie habe die Flugzeuge vor dem Umzug mit der Mutter von ihrem Garten aus gesehen, sagt sie. Vor zwei Jahren sei sie dann mit dem Fahrrad zum ersten Mal gekommen, dann immer wieder. Bei Gelegenheit sei sie dann auch im Flugzeug mitgenommen worden. Die Schnupperwoche soll für sie nur der Auftakt gewesen sein. Sie will die Lizenz erwerben, 800 Euro hat sie dafür schon gespart. Berufswunsch Pilotin? „Nein, das kann sich ja noch ändern, aber ich will das Segelfliegen auf jeden Fall als Hobby weitermachen.“

Der Flugwillige ist übrigens auch gut wieder auf dem Boden angekommen. Eine Steilkurve versetzt seinen Magen ein wenig in Aufruhr, den großen Flugspaß hat das allerdings nur unwesentlich getrübt. Und Segelfliegen ist ja auch sicher, sagt Dreier – „wenn man alles so macht, wie es sein soll“. Unfälle habe es auf diesem Platz seit Jahren nicht gegeben.

Bis zur Lizenz

Zwischen 2000 und 2500 Euro kostet es, die Fluglizenz im Verein zu erwerben, sagt der Vorsitzende Hans-Peter Dreier. Zwischen zwei und drei Flugsaisons mit zwei Flugwochenenden im Monat müssen dafür allerdings eingeplant werden. Sonst verlängert sich die Ausbildungszeit. Das Alter sei nicht vorgegeben. Doch Jugendliche sollten erst mit 13,5 Jahren, besser mit 14 beginnen. Nach oben gibt keine gesetzlich vorgeschriebene Altersgrenze. Doch Fachmann Dreier rät dazu, das Fliegen im Alter von 70 Jahren vor allem wegen nachlassender Reflexe zu überdenken. Am Beginn steht eine Flugtauglichkeitsuntersuchung, die ab 50 Jahren jährlich wiederholt werden muss. Der erste Alleinflug ist meist nach etwa 40 bis 50 Starts und Landungen mit Lehrer möglich. Weitere Informationen: 01 51 / 40 14 01 25 oder 01 60 / 20 58 996.

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