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Osterode Städtische Gärtner kämpfen in Herzberg gegen Trockenheit
Die Region Osterode Städtische Gärtner kämpfen in Herzberg gegen Trockenheit
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08:26 28.07.2018
Gärtnerin Birgit Wiegand vom Bauhof der Stadt Herzberg versorgt städtische Bäume, Beete und Sommerblumen mit Wasser. Quelle: Paul Beier
Herzberg

Bei der derzeit herrschenden Trockenheit kommen die Straßenbäume nicht mehr ohne zusätzliche Wassergaben aus. 30 bis 40 Liter brauche ein junger Baum bei diesen Temperaturen in der Woche. Neben der Bewässerung von vorwiegend jungen Bäumen ist die Gärtnerin auch zuständig für die Bewässerung von städtischen Beeten und Sommerblumen. Ältere Bäume hätten meist tiefergehende Wurzeln und brauchen nicht so oft gewässert werden.

Beim täglichen Einsatz muss sie den 1.000-Liter-Tank drei bis viermal auf dem Bauhof oder an einem Hydranten auffüllen. Die für das Wasser anfallenden Kosten gehen über eine eigene Wasseruhr auf Rechnung der Stadt und nicht auf die Rechnung der Bürger der Stadt, betont sie. Hauptsächlich wegen der eingeschränkten Verfügbarkeit von Fahrzeugen und Bewässerungsanlagen ist der Bauhof bei den Bewässerungsmöglichkeiten an seinen Kapazitätsgrenzen.

Einwohner um Unterstützung beim Gießen gebeten

Die Stadtverwaltung hat deshalb auch die Einwohner um Unterstützung beim Gießen gebeten: Der städtische Bauhof bewässert die Kübel, frische Anpflanzungen in Beeten und anderen Grünflächen sowie die ganz jungen Bäume. Aber inzwischen benötigen auch die älteren, insbesondere kleineren Bäume wie zum Beispiel in der Hindenburgstraße, Knollenstraße, Osthushenrichstraße oder Friedrich-Ebert-Straße zusätzliches Wasser. Diese Arbeit könne allein durch den Bauhof nicht erledigt werden. Die Bevölkerung werde daher gebeten, die Mitarbeiter zu unterstützen und die kleineren Bäume in ihren Straßen zu wässern, hieß es in einem Aufruf aus dem Rathaus.

Auch Stadt-Gärtnerin Birgit Wiegand freut sich, wenn Anwohner gelegentlich einem jungen Baum vor ihrem Haus einen Eimer Wasser spendieren würden. „Überschlägig kostet ein Eimer Wasser etwa einen Cent, “ sagt sie. Bäume seien im weitesten Sinne auch die Klimaanlage der Stadt und würden zu einer gesunden Luft beitragen. Mit den Beeten und Sommerblumen tragen sie auch zu einem freundlichen Stadtbild bei. Neben Herzberg versorgt die Gärtnerin besonders auch neu angepflanzte Bäume in Lonau und Pöhlde.

Auch der Osteroder Bauhof ist derzeit damit beschäftigt, Jungbäume im Stadtgebiet zu gießen. „Vier bis fünftausend Liter Wasser fahren wir am Tag rum“, sagt Bauhofleiter Conny Schladitz. Zwei Mitarbeiter würden sich unter der Woche um nichts anderes kümmern, als die Bepflanzungen zu bewässern. Gegossen werden aber nur junge Bäume und kleinere Pflanzen, bei älteren Bäumen mache das – auch angesichts der Anzahl – keinen Sinn, sagt Bauamtsleiter Thomas Christiansen. „Viele Stauden und Sträucher haben trotz regelmäßigen Gießens nicht überlebt“, bedauert Schladitz. Gleichwohl halten sich die Verluste noch in Grenzen.

Beregnungsanlagen halten Sportplatz-Rasen am Leben

Der Bauhof füllt auch den Schöpfbrunnen auf dem Lerbacher Friedhof auf, der sonst durch eine Quelle gespeist wird. Die ist trocken gefallen. In den Zuständigkeitsbereich der Stadt fällt auch die Bewässerung der Sportplätze im Jahnstadion und in Lasfelde. Dort ist der Rasen am Spielfeldrand ebenfalls ausgedörrt, die Spielfläche selbst ist aber noch grün. Die beiden Sportplätze werden über Beregnungsanlagen gewässert. Doch mit dem Wasser muss sparsam umgegangen werden: Es stammt ebenfalls aus Brunnen und der Grundwasserpegel ist bereits deutlich abgesunken, sagt Christiansen. „Wir mussten das Bewässern teilweise schon reduzieren“, sagt Schladitz.

Einen Anblick wie im Herbst bietet in diesen heißen Sommertagen der Friedhof der Herzberger Nicolai-Kirchengemeinde: Viele Bäume, besonders die Linden, Birken und Ahörner, schmeißen ihre gelbes und verwelktes Laub ab. Die Rhododendren und die Heckensträucher lassen schlapp die Blätter hängen. Friedhofsleiterin Heike Riedel und ihr Team stehen ebenso wie ihre Kollegen vom Bauhof jeden Tag vor der enormen Herausforderung, die vielen Pflanzen in der parkähnlichen Anlage angesichts der Trockenheit am Leben zu halten. „Wir kommen mit dem Gießen kaum hinterher“, sagt sie. „Wir versuchen zu retten, was zu retten ist.“

Auch um zahlreiche Pflegegräber kümmern sie sich, gießen dort regelmäßig, doch wo im Frühjahr etwas neu angepflanzt wurde, wächst inzwischen oft gar nichts mehr. Viele junge Pflanzen sind in der Sonnenglut verbrannt, die Gärtner sind machtlos. Auch die Rasenflächen sind ausgedörrt, doch die seien ihre geringste Sorge, sagt Riedel. „Den Rasen haben wir aufgegeben.“ Sie hoffe, dass sich die Bäume im nächsten Jahr wieder erholt haben.

Borkenkäfer befallen Bäume

Auch den Harzer Förstern bereitet die Hitzeperiode und die Trockenheit große Sorgen – nicht allein wegen der Waldbrandgefahr: Die Borkenkäfer fliegen bevorzugt die vertrocknenden Fichten an, berichtet der Bad Grunder Revierförster Dieter Mann. Ein gesunder Baum würde versuchen, den Käferbefall mit starker Harzabsonderung abzuwehren. „Aber ohne Wasser kommt auch kein Harz“, sagt Mann. Die Abwehrreaktion der Bäume bleibt aus, die Käfer können sich ungehindert vermehren und weiter ausbreiten.

Gießen kann man den Wald natürlich nicht. „Man muss es nehmen, wie es ist“, sagt der Förster. Er ist auch für den Welt-Wald in der Bergstadt zuständig. Auch dort leiden die Bäume unter der Trockenheit, besonders die Anpflanzungen aus dem Frühjahr. Ab und an werden die von den Mitarbeitern gewässert, was aber auf dem großen, abschüssigen Gelände ein enormer Aufwand ist – zumal ohne Wasserwagen. „Bisher sind sie einigermaßen durchgekommen.“ Dass viele Bäume jetzt ihre Blätter abwerfen, sei pure Not, erläutert der Förster: Ohne Wasserzufuhr durch die Wurzeln funktioniert die Nährstoffzufuhr nicht mehr richtig und die Blätter sterben ab. Irgendwann stirbt auch das Wurzelwerk selbst ab. Die Regeneration von so stark geschädigten Bäumen dauere Jahre.

Aus aktuellem Anlass weist der Landkreis Göttingen darauf hin, dass das Entnehmen und Ableiten von Wasser aus oberirdischen Gewässern nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Wasserbehörde erlaubt ist.

Es seien bereits zahlreiche unzulässige Wasserentnahmen mit Pumpvorrichtungen bekannt geworden, berichtet die Kreisverwaltung. Erlaubt ist lediglich das Wasserschöpfen mit Handgefäßen, also nur geringe Mengen.

Von Martin Baumgartner und Paul Beier

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