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Radolfshausen Am Rosenmontag muss der Flaum weg
Die Region Radolfshausen Am Rosenmontag muss der Flaum weg
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00:21 15.02.2018
Sahne als Rasierschaum – und zwar reichlich. Bei der Piepgössel-Rasur gehört das dazu.  Quelle: Niklas Richter
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Wollbrandshausen

 Punkt 14 Uhr marschierten die wichtigsten Protagonisten des Tages in das Dorfgemeinschaftshaus ein: Zehn Richter und drei sogenannte Doktoren haben in Wollbrandshausen am Rosenmontag traditionell alle Fäden in der Hand.

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Jetzt Ruhe bitte: Die sogenannten Richter verlesen bei der Piepgösselrasur in Wollbrandshausen das Protokoll und die Regeln, an die sich die jugendlichen Männer bisher halten mussten. Dazu gehört unter anderem, Jungkerlen mit Respekt zu begegnen und „Mädels nicht unter die Schürze zu greifen“.

Was das bedeutete, bekamen zuerst einige männliche Jugendliche zu spüren: Ihnen stand die Piepgösselrasur bevor, bei der „aus dem Jugendlichen ein Jungkerl“ wird, wie es Heiko Schwedhelm, Vorsitzender des Fastnachtvereins, formulierte.

Konkret hieß das, dass zwei Jugendliche ihren Kopf durch ein Loch einem Brett stecken mussten – der Anblick erinnerte an einen mittelalterlichen Pranger. Anschließend war es an den Doktoren, ihr Werk zu verrichten: Als Rasierschaum verteilten sie mit einem Quast Sahne in den Gesichtern der Auserkorenen.

Danach kam ein überdimensioniertes Rasiermesser aus Holz zum Einsatz, mit dem symbolisch der kaum vorhandene Flaum in den Gesichtern getrimmt wurde – begleitet von den zehn Richtern, die die Doktoren laut schreiend anfeuerten. Zum Abschluss ließen die Richter die nun zu Jungkerlen gewordenen noch hochleben. Die rund 150 Besucher begleiteten all das johlend, zuvor war schon das ein oder andere Bier getrunken worden.

Während die Doktoren damit ihre Arbeit getan hatten, stand den Richtern ihre Kernaufgabe noch bevor: Sie verhandelten – in nichtöffentlicher Sitzung – die kleineren Sünden der Wollbrandshäuser im vergangenen Jahr. Ob jemandem das Auto weggerollt sei, weil er die Handbremse nicht angezogen hatte oder ob ein Nachbar die Straße nicht gefegt hatte – „wir haben uns ein paar Ausrutscher notiert“, erklärte Timo Wollborn, einer der Richter.

Doch obwohl die Angeklagten sogar ein Recht auf einen Anwalt haben betonte er, dass die verhängten Bußgelder nur symbolisch seien. „Was gezahlt wird, ist jedem selbst überlassen“, so Wollborn. Wobei das Portemonnaie ihm zufolge traditionell etwas lockerer sitzt, denn der Fastnachtsverein finanziert mit den Geldern seine Arbeit.

Von Christoph Höland

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