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Radolfshausen Bürger wollen Bootshaus am Seeburger See retten
Die Region Radolfshausen Bürger wollen Bootshaus am Seeburger See retten
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00:18 13.11.2018
Den Erhalt des alten Bootshauses in Seeburg fordern engagierte Bürger. Quelle: Rüdiger Franke
Seeburg

Das alte Bootshaus am Seeburger See soll abgebaut werden. Der Abriss schwebt seit Jahren wie ein Damoklesschwert über der Hütte mit dem Reetdach. Mitte November sollten die Arbeiten nun endgültig beginnen, doch das Auffinden von Fledermäusen verschaffte dem urigen Gebäude noch einmal eine Schonfrist. Die wollen Mario Schneemann, Sebastian Bode, Christoph Meyer und Philipp Reinhold nutzen, um das Unvermeidliche doch noch zu verhindern. Sie wollen eine Bürgerinitiative zur Rettung gründen.

Auflage zur Baugenehmigung

Als vor 13 Jahren nur wenige Meter weiter das Naturinformationszentrum mit integriertem neuem Bootshaus errichtet wurde, bildete der Abriss des alten Bootshauses eine der Auflagen für die Erteilung der Baugenehmigung. 1981 sei das Haus von Pionieren des Bundesgrenzschutz errichtet worden, erzählt unter anderem der Seeburger Georg Bodmann. Er gehört zu denen, die Schneemann und seine Mitstreiter unterstützen wollen. Insgesamt trafen sich zu einem ersten Termin 18 Befürworter des Erhalts.

1981 neu aufgebaut

Den Erhalt des alten Bootshauses in Seeburg fordern engagierte Bürger. Quelle: Rüdiger Franke

An der Stelle stehe seit mindestens 80 Jahren ein Bootshaus, sagt Bodmann. Beim Neubau 1981 seien nur Pfosten und Pfähle stehen geblieben. Und das Reetdach, dass dem Haus sein besonderes Äußeres verleiht, sei seit der Zeit noch einmal saniert worden. „Auch der First wurde neu aufgesetzt“, berichtet Bodmann. Vögel hatten sich dort bedient, um Nistmaterial zu sammeln.

Wahrzeichen

„Ich bin oft hier am See“, sagt der Obernfelder Schneemann. Das sei zum einen in der Mitgliedschaft im Angelverein begründet. Er kenne das Haus aber schon seit Kindheitstagen. „Für viele ist es ein Wahrzeichen“, sagt er. Der Seeburger Bruno Kluge wird sogar noch deutlicher: „Das Bootshaus ist Seeburg“, sagt er. Früher habe es einen Fischereibetrieb in dem alten Haus gegeben, erzählt der Germershäuser Ewald Kaufmann. Bis in die 70er-Jahre sei die Berufsfischerei am See ansässig gewesen, ergänzt Bodmann. Die geräucherten Aale habe man schon am Parkplatz gerochen.

Fledermäuse sorgen für Verlängerung

Bei ihrem Vorhaben, das alte Bootshaus zu retten, erhielt die Gruppe tierische Hilfe, als Mitte September bewusst wahrgenommen wurde, dass sich Fledermäuse unter dem Dach angesiedelt hatten. Also zählten die Seeburger Angler Sebastian Bode und Christoph Meyer einen Abend lang die ausfliegenden Tiere. Fünf seien im unteren Bereich des Daches herausgekommen, weitere knapp 20 aus dem Giebelbereich.

Sechs Seiten Bericht

Das Bootshaus könne durch Ansicht eines sichtbaren Tieres als Fledermausquartier festgestellt werden, habe nach Schneemanns Angaben Romulo Aramayo Schenk, Fledermausbeauftragter auf Gut Herbigshagen bestätigt. Schenk sei von der Unteren Naturschutzbehörde zur Kontrolle beauftragt worden. Die Fledermaus sei mit einem Endoskop entdeckt worden, aber auch der für die Tiere typische bröselige Kot. Es gebe einen sechs Seiten langen Bericht.

Kein Spielraum

Den Erhalt des alten Bootshauses in Seeburg fordern engagierte Bürger. Quelle: Rüdiger Franke

Aus Naturschutzgründen sei der Abriss verschoben worden, erklärt Christel Wemheuer (Grüne), Umweltdezernentin des Landkreises Göttingen. Die Tiere sollen behutsam umgesiedelt werden und in Kästen am neuen Bootshaus eine neue Heimat finden. Ansonsten gebe es aus Sicht des Landkreises keinen Spielraum und keine rechtlichen Möglichkeiten mehr, verweist sie auf die Nebenbestimmung der Baugenehmigung. Das sei auch mit dem Näder Familienfonds ausgefochten, denn auch der Ottobockchef Hans Georg Näder habe den Abriss verhindern wollen.

Seit 2005 im Gespräch

Die Beseitigung des Bootshauses solle noch im Winter erfolgen. „Mich überrascht, dass die Initiative jetzt kommt“, sagt Wemheuer. „Wir reden seit 2005 darüber.“ Als einzige Möglichkeit bleibe das Versetzen des Hauses auf der Landseite in Richtung Schilf. Dafür habe die Gemeinde extra den Bebauungsplan ändern lassen. „Das sind immense Kosten“, sagt Julia Graimann aus dem Immobilienmanagement des Näder Family Office. Und andererseits sei es dann nicht mehr das Bootshaus. Es seien für einen möglichen Erhalt des Hauses auch Ausgleichsmöglichkeiten an anderer Stelle vorgeschlagen worden.

Petition und Bürgerinitiative

Schneemann und seine Mitstreiter wollen nun doch noch einmal alles versuchen, das Bootshaus zu retten. „Für uns ist es ein Kulturdenkmal“, sagt er. Der Angelverein würde das Haus auch noch mehr pflegen und selbst investieren, wenn es eine langfristige Sicherheit geben würde, dass das Haus stehen bleibt. „Wir wollen eine Petition starten“, sagt Schneemann. Das soll online geschehen und es sollen auch Listen in Geschäften ausgelegt werden. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt der Obernfelder.

Wie ist Ihre Meinung zu dem Thema? Sie erreichen den Autor unter r.franke@eichsfelder-tageblatt.de

Von Rüdiger Franke

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