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Radolfshausen Planungen für den Käsehof in Landolfshausen
Die Region Radolfshausen Planungen für den Käsehof in Landolfshausen
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00:19 26.12.2018
Der dreineinhalb Jahre alte Aaron füttert die Ziegen. Quelle: Rüdiger Franke
Landolfshausen

115 Tiere haben Heide Ulrich und Eberhard Prunzel-Ulrich im Stall auf dem Käsehof in Landolfshausen, 70 Ziegen und 45 Schafe. Und die haben in diesen Tagen mächtig Hunger, denn sie wurden geschoren. „Das ist wie bei uns Menschen“, sagt Prunzel-Ulrich. „Wenn wir frieren, essen wir mehr.“ Nach etwa zwei Wochen hätten die Tiere bereits wieder etwa zwei Zentimeter Wolle. Nach dem heißen Sommer sei Futter knapp. Deshalb sei es von Vorteil, dass die Tiere so lange auf der Weide bleiben konnten.

Fütterung der Ziegen und Schafe:

Eberhard Prunzel-Ulrich und sein dreieinhalb Jahre alter Enkel Aaron füttern die Ziegen und Schafe im Stall des Käsehofs in Landolfshausen.

„Wiederkäu-Meditation“

„Hier sieht alles normal aus“, sagt Prunzel-Ulrich. Mit dem Stall sei beim Brand im August zumindest der wichtigste Teil für die Tiere unbeschadet geblieben. Die Tiere wissen, dass es Futter gibt. Sie blöken und meckern. Doch kaum haben sie ihr Futter, ist es ruhig im Stall. Auch bei ihnen scheint zu gelten: Mit vollem Mund spricht man nicht. Wenn man gestresst sei, sei das der ideale Zeitpunkt, sich auf ein Strohbund zu setzen. „Bei einer Viertelstunde Wiederkäu-Meditation wirst Du völlig runtergefahren“, erzählt Prunzel-Ulrich.

Mutterschutz

Momentan seien die Tiere im Mutterschutz. „Ab Anfang Februar kommen die Lämmer“, sagt Prunzel-Ulrich. Die bekämen Vortritt bei der Milch. „Wenn sie stabil genug sind, kommen sie in ihren eigenen Lämmerstall und werden wie Menschenkinder mit Kuhmilch großgezogen.“ Mit dem Melken der Muttertiere werde ab Mitte Februar begonnen. Dabei soll es eine Veränderung geben, damit „wir sechs oder acht Tiere gleichzeitig melken können“.

Neues Käselager

„Unsere Kunden wissen, dass wir in der Produktion Winterpause haben“, erzählt Prunzel-Ulrich. „Wir haben aber noch einige Vorräte. Ab kommenden Jahr werden wir so viel haben, dass wir dann mehr lagern können.“ Dazu werde ein neues Käselager gebaut. Zunächst müsse aber die Käserei renoviert werden. Die Decken seien beim Brand vom Löschwasser beschädigt worden. „Die mussten wir abnehmen und erneuern.“ Auch Fliesen seien abgefallen. Deshalb werde auch komplett neu gefliest. Es mache keinen Sinn, nur einzelne Stellen zu flicken.

Eberhard Prunzel-Ulrichfüttert die Schafe. Quelle: Rüdiger Franke

Grünes Licht

Für die Renovierung könnten auch die Gelder eingesetzt werden, die nach dem Brand gespendet wurden. Über die Verwendung der Spendengelder werde ein unabhängiges Gremium entscheiden und auch für Transparenz sorgen, sagt Prunzel-Ulrich. Seine Frau ergänzt, dass sie ja auch noch nicht wüssten, wieviel die Versicherung zahle. Vom Lebensmittel- und Veterinärinstitut in Braunschweig habe er allerdings bereits grünes Licht, im Februar weiter produzieren zu dürfen, wenn die Hygienebestimmungen eingehalten würden, so Prunzel-Ulrich. Eine Baugenehmigung benötige eigentlich mehr Zeit, „aber da halten sich die Tiere ja nicht dran“.

Große Glasfront

Auf jeden Fall soll sich die Käserei auch von außen verändern und eine große Glasfront bekommen. Die Erweiterung der Käserei stehe aber wie die Sanierung des Wohnhauses erst einmal hinten an. „Die Produktion ist das Wichtigste“, sagt Prunzel-Ulrich. Mit der geplanten Erweiterung soll die Produktion vereinfacht werden. Ein Käsereidurchgang dauere vier bis fünf Stunden. Da sei jede halbe Stunde, die gespart werden könne, gut. Die Planung habe Käserin Franziska Huhn gemacht. „Es ist ein tolles Konzept, wir müssen es nur noch umsetzen.“

Treffpunkt

Huhn sei es auch gewesen, die vor drei Jahren die Idee hatte, den Verkaufswagen der Käserei mittwochs für einen Markt in Landolfshausen einzusetzen. Der Markt werde immer noch sehr gut angenommen. „Im Mittelpunkt steht dabei die soziale Funktion, dass die Leute im Dorf sich treffen“, erläutert Prunzel-Ulrich. Aber auch die Käserei sei im Dorf gut angenommen. „Als ich 1981 nach Landolfshausen kam, gab es zwar das Tilando-Käsewerk, aber die Landolfshäuser haben eigentlich keinen Käse gegessen.“ Inzwischen gehöre der Käse aus dem Ort einfach dazu.

Weihnachten im Stall

Die Ziegen lieben Nadelbäume. Quelle: Rüdiger Franke

Und auch die Tiere gehören zum Ort. In diesem Jahr seien besonders viele Landolfshäuser mit ihren Kindern zum so genannten Weihnachten im Stall gekommen. „Für uns kommt Weihnachten im Stall noch“, erzählt Prunzel-Ulrich. Dann bekomme auch jede Gruppe der Schafe und Ziegen ihren eigenen Weihnachtsbaum. Was das bedeutet, demonstriert er mit einem Tannenstumpf mit Zweigen. Die Ziegen lassen das Stroh liegen und stürzen sich sofort auf die frischen Nadeln und die Rinde. Innerhalb kürzester Zeit bleibt nur das Holz übrig. „Sie brauchen die Mineralien und fressen sogar die pieksigen Blaufichten.“

Nachfolger

Die größte Änderung für die Käserei steht in zwei Jahren an. Für Prunzel-Ulrich und seine Frau sei dann Schluss, erzählt er. „2020 werden unsere Nachfolger den Hof übernehmen.“

Von Rüdiger Franke

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