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Radolfshausen Sägearbeiten am Apfelbaum
Die Region Radolfshausen Sägearbeiten am Apfelbaum
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00:17 22.01.2017
Quelle: Richter
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Ebergötzen

Der Landschaftsverband Göttingen schätzt, dass es im Altkreis Göttingen etwa 25000 Obst-Hochstämme auf rund 350 Hektar Streuobstwiesen gibt, zusätzlich geht man von etwa 150 Hektar im Südharzgebiet aus – mit inzwischen wieder leicht steigender Tendenz. Doch der Pflegezustand vieler Streuobstwiesen und Obstalleen ist kritisch, so Anna Goldhagen vom Landschaftspflegeverband. 

Denn das Wissen um den korrekten Beschnitt der Bäume schwindet immer mehr. Bis in die 50er Jahre, schätzt Goldhagen, hat es in den Gemeinden noch hauptamtliche Baumwarte gegeben. „Diese Struktur gibt es nicht mehr und wir versuchen sie wieder herzustellen.“ Seit 2011 bietet der Verband Schnittkurse sowie Workshops zur Ausbildung von Baumwarten an, rund 15 werden jedes Jahr fertig.

Obstbäume sind Kulturpflanzen – werden sie nicht fachgerecht zurückgeschnitten, können sie die Früchte-Last nicht tragen und brechen auseinander. Ein gut gepflegter Obstbaum könne hingegen über 100 Jahre alt werden, so Goldhagen.

Ein Beispiel für eine vernachlässigte Apfelbaumallee findet sich am Ortsausgang von Ebergötzen an der Herzberger Straße hinter dem Friedhof. Willi Behre, ex-Bürgermeister des Ortes, hatte hier Anfang der 80er Jahre 40 Bäume von rund zehn verschiedenen Sorten pflanzen lassen. Darunter Gloster, Roter Berlepsch, Winterkalvill, Weißer Glockenapfel und die kleine Goldparmäne. Jedes Jahr werden die Bäume versteigert.

Die ersten zehn, 15 Jahre wurde die Allee noch jährlich geschnitten, doch dann etwa zehn Jahre gar nicht mehr. Die Bäume hätten dadurch eine gute Grundlage und Stabilität bekommen, doch sind die Äste mittlerweile kreuz und quer gewachsen, so verlagere sich der Ertrag zunehmend in die Krone und ist schwerer erreichbar, sagt Ulrich Scheidel, der 2011 den Workshop zu einem der ersten Baumwarte des Landkreises mitmachte.

„Idealerweise hat ein Apfelbaum eine Weinglasform“, beschreibt Anna Goldhagen. Der Stamm wird auf 1,50 oder 1,80 Meter Höhe beschnitten, seitlich werden dann drei oder vier Triebe steil nach oben geführt. Von diesen sogenannten Leitästen gehen dann seitlich die Fruchtäste ab. Diese müssen regelmäßig beschnitten werden, die offene Kronenform garantiert reichlich Sonne.

Scheidel, Goldhagen und Behre haben sich zusammen mit Landwirt Ludwig Pape, Gemeindemitarbeiter Karl-Heinz Schultze und Ebergötzens Gemeindebürgermeister Detlef Jurgeleit bei vier Grad Minus an die Arbeit gemacht, die Apfelallee wieder in Form zu bringen. Am Straßenrand stapelt sich das Reisig. „Für einen der Bäume haben wir zu zweit zweieinhalb Stunden gebraucht“, sagt Scheidel. Werden Bäume regelmäßig in Form gebracht, so braucht man für einen Baum etwa eine Dreiviertelstunde, so seine Erfahrung.

Von etwa Januar bis März, die Schnittsaison, sind die Baumwarte gut nachgefragt – von Gemeinden wie Privatpersonen; doch wer was und wie viel macht, ist jedem selbst überlassen. Scheidel beispielsweise kümmert sich seit Jahren um die Bäume in Gieboldehausen. „Bei Minustemperaturen in der Natur zu arbeiten, ist einfach toll“, sagt Anna Goldhagen. „Beim Schneiden wird einem auch warm. Nur leider an den Füßen nicht.“

 

Obstbaumwart werden

Mitte Februar startet der nächste Kurs des Landschaftspflegeverbandes Göttingen zur Ausbildung von Obstbaumwarten. An elf Samstagen wird das Wissen über den Schnitt von Alt- und Jungbäumen, Sortenkunde und über Krankheiten vermittelt. 250 Euro kostet der vom Landkreis stark bezuschusste Kurs. Anmeldungen beim Landschaftspflegeverband unter lpv@lpv-goettingen.de oder 0551-5313703.

Am Sonnabend, 4. Februar, findet ab 14 Uhr zudem ein Schnittkurs an Jungbäumen in Gieboldehausen statt. Er richtet sich an Anfänger sowie Fortgeschrittene und kostet fünf Euro. Anmeldung und Information siehe oben beim Landschaftsverband.

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