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Radolfshausen Knochenarbeit im Mühlengraben
Die Region Radolfshausen Knochenarbeit im Mühlengraben
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00:18 25.01.2018
Während das Mühlrad am Kran hängt, schieben die Zimmerer es in die richtige Position Quelle: Christina Hinzmann
Ebergötzen

Schnee fällt und es ist bitterkalt, als die Mitarbeiter von Marcel Bode in den Graben der alten Mühle klettern. Dort steht zwar immer noch das Wasser knöcheltief, aber um das neue Wasserrad einzubauen, muss die Wasserradwelle ein Stück zurückgeschoben werden. Das ist Knochenarbeit, denn der Balken, der das Rad hält, wiegt fast zwei Tonnen – erst mit Hilfe eines Krans und eines Greifzugs gelingt den Handwerkern ihr Vorhaben.

Bode lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen: „Es läuft alles nach Plan“, sagt der Zimmerermeister, der seit mehr als 20 Jahren Mühlen restauriert. Eigentlich wäre das ein Job für Mühlenbauer, aber die Profession gibt es ihm zufolge heute nicht mehr. Dass er und sein Team ihr Handwerk trotzdem beherrschen, liegt daran, dass sie in den frühen 1990er-Jahren noch von alten Mühlenbauern lernen konnten.

Die Wilhelm-Busch-Mühle in Ebergötzen hat seit Montag ein neues Mühlrad. Der Einbau war allerdings keine ganz einfache Aufgabe für die Handwerker, doch so hat das kleine Museum den Höhepunkt der Führungen zurück.

Dabei ist die Wilhelm-Busch-Mühle ein vergleichsweise einfacher Fall: „Wir mussten hier nichts an der Mechanik machen“, sagt Bode. Stattdessen konzentrierte sich alles auf das Wasserrad. Dessen Segmente sind im Betrieb vorbereitet worden, in Ebergötzen erfolgte lediglich der Zusammenbau. Denn das 4,2 Meter durchmessende Rad als Ganzes zu transportieren, wäre auf deutschen Straßen schwierig geworden, so Bode.

Zwei Tonnen schweres Wasserrad

Der nächste Arbeitsschritt ist trotzdem kompliziert. Denn um das zwei Tonnen schwere Wasserrad an die vorgesehene Stelle zu bugsieren, kommt ein Kran zum Einsatz. Allerdings ist die Wilhelm-Busch-Mühle von Nachbarhäusern umgeben, hinzu kommen kleinere Bäume. Und auch den Schacht, der Wasser auf das Mühlrad führt, konnten Bodes Mitarbeiter nur teilweise abbauen.

Tatsächlich knirscht es zwischenzeitlich, als das am Kran baumelnde Wasserrad in die Äste eines Baumes gerät. „Vorsicht“ schnallt es über die verschneite und vom Wasser durchweichte Baustelle. Viel mehr reden die Handwerker nicht, bis sie das Rad schließlich ohne größere Zwischenfälle im Wassergraben platziert haben. Doch auch dann muss es noch mehrfach angehoben werden, bis es passend auf der Nabe sitzt. Festgeschraubt wird es nicht, stattdessen nutzt Bode vorbereitete Holzkeile, um das Rad auf der Nabe zu fixieren.

Was für die Handwerker Routine war, hat Marianne Tillmann zwischendurch gespannt verfolgt. Als Geschäftsführerin des Museums in der Wilhelm-Busch-Mühle hat sie erstmals einen Austausch des Wasserrads organisiert. Das Alte sei nach 22 Jahren abgenutzt gewesen – „da lief mehr Wasser durch, als auf dem Rad geblieben ist“, erzählt Tillmann.

Höhepunkt der Führungen

Die vergleichsweise geringe Lebensdauer des alten Wasserrads erklärt sie sich mit den besonderen Umständen, unter denen die Mühle in Ebergötzen genutzt wird. Weil der Lärm für die Nachbarn eine Zumutung wäre, verzichtet das Museum auf den Dauerbetrieb – wodurch das Holz schneller morsch wird.

Umso größer ist bei Tillmann deshalb die Vorfreude auf die Saison, die im März beginnen soll. Dank der Zuschüsse von EU, Landkreis und Samtgemeinde stehen Tillmann zufolge allerdings noch weitere Instandsetzungsarbeiten an, bis Besucher während der Führungen das rotierende Wasserrad bestaunen können.

Dass dann das Mühlenrad einer der Höhepunkte ist, liegt auch am Namensgeber der Wilhelm-Busch-Mühle selber: Der schrieb 1875 nach einem Besuch über die Ebergötzer Mühle: „Da schlief sich’s gut. Das Bett wackelt noch wie früher beim Getriebe der Räder, und das herabstürzende Wasser rauschte durch meine Träume.“

Von Christoph Höland

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