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Radolfshausen Zu viele Nährstoffe und Sedimente im Seeburger See
Die Region Radolfshausen Zu viele Nährstoffe und Sedimente im Seeburger See
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00:22 30.09.2018
Der Seeburger See hat einen zu hohen Sedimenteintrag. Quelle: Rüdiger Franke
Bernshausen

Das Thema „Nährstoffdynamik und Sedimenteinträge im Seeburger See“ stand am Mittwochabend als einziges Thema auf der Tagesordnung des Bauausschusses im Rat der Samtgemeinde Radolfshausen. Dr. Christine Heim, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fakultät für Geowissenschaften und Geographie an der Georg-August-Universität Göttingen, gab einen Überblick über die Problematik.

Monitoring

Heim nimmt bis Ende 2019 ein Monitoring, also eine Daueruntersuchung, der biogeochemischen Prozesse im Seeanger und Seeburger See vor. „Ein Problem des Sees ist die Verlandung“, erklärte die Wissenschaftlerin. Zu viele Sedimente würden in den sehr flachen See eingetragen. Ein weiteres Problem sei die gehäufte Algenblüte, speziell die der Blaualge. Die Cyanobakterien, wie die Blaualgen eigentlich heißen, fänden zu viele Nährstoffe aus dem See direkt beziehungsweise durch Zuführung aus der Aue.

Probenentnahme

Die Probenentnahmen am See haben ergeben, dass fast 300 Kilogramm Nitrat über die Aue in den See gelangen, besonders im Frühjahr, berichtete Heim. Dahingegen würden die Werte auf der Bernshäuser Seite der Aue sehr gering sein. Phosphat gelange pro Tag in einer Menge von rund 1,5 Kilogramm in den See. Von Dezember bis Mai finde eine Rücklösung von Phosphat statt. Aber sobald sich der See erwärme, beginne die Freisetzung in den Sedimenten. Auch reiche eine leichte Regenmenge für einen erhöhten Sedimenteintrag in der Aue. Von den Sedimenten, die in den See eingetragen werden, bleibe rund die Hälfte im See.

Beginn in den 1950er-Jahren

Der See berge aber auch ein Problem in sich, sagte Heim. Mit der Urbarmachung in den 1950er-/60er-Jahren, als der Seeanger zur Bewirtschaftung genutzt wurde, habe der Prozess begonnen, mit dem die Algen immer bessere Grundlagen im See vorfanden. Besonders Nitrate und Phosphate seien im See in großer Menge vorhanden. Während die Nitrate zunächst einmal als Nährstoff für das Wachstum von Grünalgen dienen, beginnen die für Menschen und Tiere gefährlichen Cyanobakterien erst im Sommer mit ihrem Wachstum, wobei sie sich aus den Phosphaten ernähren.

Studentische Unterstützung

„Wir versuchen mit Untersuchungen des Wassers herauszufinden, wie viele Nährstoffe in den See gelangen und wie viele wieder aus ihm abfließen“, berichtete die Geowissenschaftlerin. Dabei habe sie mehrere Studenten zur Unterstützung, die im Rahmen des Projektes ihre Bachelor- oder Masterarbeiten schreiben.

Vorbild Dümmer

„Wir untersuchen aber auch das Sediment“, sagte Heim. An den Stellen, an denen es sehr nährstoffhaltig sei, werde überprüft, ob es als Dünger nutzbar sei. Dafür dürften aber keine Schwermetalle enthalten sein. Hintergrund seien Gedanken, den See zu entschlammen, wie es am Dümmer, einem ebenfalls sehr flachen See in Niedersachsen, bereits zum dritten Mal erfolgen soll. „Es würde die Kosten reduzieren, wenn der Schlamm nicht als Deponiegut, sondern als Wirtschaftsgut genutzt werden könnte.“ Es gebe zur Finanzierung auch die Förderrichtlinie Seen des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Doch dafür sei eine Nachhaltigkeit erforderlich, damit das Problem nicht nach wenigen Jahren wieder auftrete. „Dafür versuchen wir, mit unseren Untersuchungen die Daten zu liefern.“

Manipulationen verfolgen

Kreisdezernentin Christel Wemheuer (Grüne) erklärte, dass die Untersuchungen abgewartet werden sollen. „Ich halte nichts davon, schnell etwas zu unternehmen, ohne die Ergebnisse zu kennen.“ Allerdings werde in den kommenden beiden Jahren die vierte Maßnahme zur Sedimentrückhaltung umgesetzt. Anderen Menschen gehe es am See scheinbar nicht schnell genug, wie Hermann Schütte und Andreas Rademacher aus dem Umweltamt des Landkreises Göttingen erklärten. Immer wieder gebe es Aufstauungen der Aue, berichtete Rademacher. Fachbereichsleiter Schütte sagte, dass solche Manipulationen in Zukunft strafrechtlich verfolgt werden sollen.

Mehr Texte und Bilder finden Sie auf unserer Themenseite zum Seeburger See.

Von Rüdiger Franke

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