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Rosdorf Fünf Jahre Sicherungsverwahrung in Rosdorf
Die Region Rosdorf Fünf Jahre Sicherungsverwahrung in Rosdorf
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18:07 21.05.2018
Ende Mai 2013 wurde die zentrale Unterbringung für Sicherungsverwahrte auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt Rosdorf eröffnet. Inzwischen ist das Gebäude fast voll belegt. Quelle: Heidi Niemann
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Rosdorf

 Vor fünf Jahren wurde die zentrale niedersächsische Unterbringung für Sicherungsverwahrte auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt Rosdorf (JVA) im Landkreis Göttingen eröffnet. In dem Gebäude sind Straftäter untergebracht, die bereits ihre Haftstrafe verbüßt haben, jedoch weiterhin als so gefährlich gelten, dass die Allgemeinheit vor ihnen geschützt werden muss. 2013 kamen zunächst 20 Sicherungsverwahrte nach Rosdorf, die bis dahin in der Justizvollzugsanstalt Celle untergebracht waren. Inzwischen ist die 45 Einzelunterkünfte umfassende Spezialabteilung fast voll belegt. Aktuell seien 40 Sicherungsverwahrte in Rosdorf untergebracht, sagt JVA-Leiterin Regina Weichert-Pleuger. Drei von ihnen stammen aus Bremen.

Der Bau des 12,5 Millionen Euro teuren Gebäudes war notwendig geworden, weil das Bundesverfassungsgericht die bislang geltenden Regelungen zur Sicherungsverwahrung für verfassungswidrig erklärt und die Umsetzung des Abstandsgebots angemahnt hatte. Dieses verlangt, dass Sicherungsverwahrte gegenüber den Strafgefangenen besser zu stellen sind, da sie ihre Strafe bereits verbüßt haben. Die Karlsruher Richter hatten Bund und Ländern eine Frist bis zum 31. Mai 2013 eingeräumt, um die Vorgaben umzusetzen. Niedersachsen hatte diesen Termin punktgenau eingehalten.

Räume größer und komfortabler

Die Wohnräume der Sicherungsverwahrten sind deutlich größer und komfortabler als die Zellen der Untersuchungs- und Strafgefangenen. Während letztere nur etwa neun Quadratmeter groß sind, verfügen die Sicherungsverwahrten über einen 23 Quadratmeter großen Wohnbereich mit Bad und Dusche. Außerdem hat jede der insgesamt sechs Wohngruppen einen Gemeinschaftsraum und eine gemeinsame Küche. Anders als die Insassen der Haftanstalt können sich die Sicherungsverwahrten sowohl in ihrem Gebäude als auch auf dem dazu gehörenden Außengelände von 6 bis 22 Uhr frei bewegen. Nachts werden sie in ihrem Wohnbereich eingeschlossen.

Die meisten Sicherungsverwahrten haben wegen schwerer Gewalttaten und Sexualdelikten bereits mehrjährige Haftstrafen verbüßt. Die Zahl der Neuzugänge ist schwankend. 2014 kamen neun Straftäter in die Sicherungsverwahrung, 2015 und 2016 waren es jeweils fünf, 2017 dagegen nur drei. Viele Sicherungsverwahrte säßen bereits seit vielen Jahren hinter Gittern, sagt Weichert-Pleuger. Die Altersspanne reiche von Mitte 30 bis Mitte 70, der Altersdurchschnitt liege bei etwa 55 Jahren. In den vergangenen fünf Jahren habe es einen Todesfall gegeben, der betreffende Sicherungsverwahrte sei mit Mitte 70 an einem Herzinfarkt gestorben.

Ziel ist Resozialisierung

Das Ziel der Unterbringung ist die Resozialisierung. Die Erfolgsquote ist allerdings eher gering. In zwei Fällen sei die gerichtlich angeordnete Sicherungsverwahrung zwischenzeitig wieder aufgehoben worden, sagt die JVA-Leiterin. Die Männer seien zur Bewährung entlassen und in eine Einrichtung für betreutes Wohnen vermittelt worden. Andere Sicherungsverwahrte zeigten dagegen wenig Bereitschaft, an sich zu arbeiten. Sie nähmen die sozialtherapeutischen und psychiatrischen Behandlungsangebote nicht im gewünschten Umfang in Anspruch.

Aufgrund dieser Erfahrungen begrüßt Weichert-Pleuger die aktuelle Initiative der Regierungsfraktionen von SPD und CDU, die Zahl der Ausführungen zu reduzieren. In Niedersachsen haben Sicherungsverwahrte einmal im Monat Anspruch auf eine Ausführung in Begleitung von Justizbeamten, in anderen Bundesländern dagegen nur einmal im Quartal. Die großzügigere Regelung in Niedersachsen führe dazu, dass Sicherungsverwahrte weniger motiviert seien, sich weitergehende Lockerungen zu erarbeiten.

Von Heidi Niemann

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