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Rosdorf Millionenverlust in der „Neun-Prozent-Liga“
Die Region Rosdorf Millionenverlust in der „Neun-Prozent-Liga“
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00:18 10.12.2016
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Göttingen/Rosdorf

Der 53-Jährige hatte den Mitgliedern eines von ihm gegründeten Wirtschaftsclubs für angeblich risikolose Finanzgeschäfte und clubinterne Darlehen einen Jahreszins von 9 Prozent zugesagt. Die Clubmitglieder hatten ihm teilweise mehr als 100.000 Euro anvertraut. Die höchste Gesamtsumme kam von einer Anlegerin, mit der er innerhalb eines Jahres nach und nach sieben Darlehensverträge über insgesamt 170.000 Euro abgeschlossen hatte.

Die 9%-Liga

Laut Anklage war der 53-Jährige Gründer und Vorsitzender des privaten Wirtschaftsclubs „GVW“. Das Kürzel sollte für „Geld, Vermögen, Wissen“ stehen. Mit dem von ihm initiierten Club habe er ein selbstkonzipiertes Kapitalanlagesystem namens „9%-Liga“ betrieben.

Angeblich sollte dies ein „Hilfsfonds auf Gegenseitigkeit“ sein, der den Clubmitgliedern helfen sollte, ihre geschäftlichen Aktivitäten mittels interner Darlehen zu finanzieren und finanzielle Engpässe zu überwinden. Das eingesetzte Kapital der Clubmitglieder sollte außerdem durch spezielle Anlagestrategien vermehrt werden. Jeder Anleger sollte jährlich neun Prozent Zinsen ausgezahlt bekommen.

Zinsen auf alte Darlehensverträge

Tatsächlich, so der Vorwurf der Strafverfolgungsbehörde, habe der Angeklagte nur einen Teil des Geldes an der Börse angelegt und die Darlehensbeiträge der Clubmitglieder auch für den eigenen Lebensunterhalt verbraucht. Laut Anklage beruhte die „9%-Liga“ zudem auf dem Schneeballsystem: Der 53-Jährige habe neu eingeworbenes Geld dafür verwendet, die jeweils fälligen Zinsen auf die alten Darlehensverträge auszuzahlen, sagte die Staatsanwältin. Ihm sei bereits bei Abschluss der Darlehensverträge bewusst gewesen, dass er nicht in der Lage sein würde, die Darlehen bei Fälligkeit zurückzuzahlen.

Zu Beginn der Verhandlung einigten sich die Prozessbeteiligten auf eine verfahrensverkürzende Absprache. Demnach würde das Gericht im Falle eines Geständnisses die ersten 25 Verfahren einstellen. Für die restlichen angeklagten Taten stellte es eine Höchststrafe von zwei Jahren in Aussicht, die gegen eine Geldauflage von 30.000 Euro zur Bewährung ausgesetzt würde.

Im Ausland versteckt

In einer von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung machte der 53-Jährige geltend, dass bis Februar 2007 die Renditeerwartungen erfüllbar gewesen seien. Damals habe er durch den Ankauf von Edelmetallen Gewinne erwirtschaftet. Erst danach seien nicht mehr genügend Mittel vorhanden gewesen, um das eingesetzte Kapital zurückzuzahlen.

Dass das System in Schieflage geriet, habe auch an einigen Clubmitgliedern gelegen. Diese hätten die eingebrachten Darlehen genutzt, um eigene Unternehmungen zu finanzieren. Später seien sie in Insolvenz gegangen oder hätten sich im Ausland versteckt, insgesamt seien sie mehr als 500.000 Euro schuldig geblieben. Er sei weder für die Verluste noch für die Taten allein verantwortlich, auch andere seien daran beteiligt gewesen.
Auch die Anleger trifft nach Ansicht des Verteidigers eine Mitverantwortung.

 Diese hätten sich „von der Gier nach großer Rendite leiten lassen“ und blind auf die Aussagen seines Mandanten vertraut. Das Gericht hat für den Prozess vier Verhandlungstage angesetzt.

Von Heidi Niemann

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