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Rosdorf Freiwillig zurück im Gefängnis – aber nur zum Laufen
Die Region Rosdorf Freiwillig zurück im Gefängnis – aber nur zum Laufen
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13:32 30.09.2018
Volkslauf in der Justizvollzugsanstalt Rosdorf Quelle: Niemann
Rosdorf

18 Jahre hat Hermann Weishoff hinter Gittern verbracht, vier davon in Sicherungsverwahrung. Seit einem Jahr ist der 64-Jährige wieder in Freiheit. Am Samstag kehrte er an den Ort zurück, wo er zuletzt als Sicherungsverwahrter inhaftiert war.

Um 8 Uhr morgens meldete sich Weishoff an der Pforte der Justizvollzugsanstalt Rosdorf (JVA) südlich von Göttingen. Diesmal kam er freiwillig und auf eigenen Wunsch. Er wollte unbedingt die nächsten Stunden hinter Mauer und Stacheldraht verbringen, um an einem besonderen Ereignis teilzunehmen: Die JVA veranstaltete einen Volkslauf für Sicherungsverwahrte und Gefangene aus ganz Niedersachsen und externe Läufer. Für Weishoff war es ein großer Moment. Er hatte in der JVA Rosdorf mit dem Laufsport angefangen, jetzt lief er hier als freier Mann.

Laufen auf dem Gefängnisgelände

Insgesamt nahmen 127 Läufer an der vierten Laufveranstaltung auf dem Gefängnisgelände teil. „Das ist ein Rekord“, freute sich Anstaltsleiterin Regina Weichert-Pleuger, die ebenso wie zahlreiche weitere Justizbedienstete über die Zehn-Kilometer-Distanz mitrannte. 30 Teilnehmer waren Strafgefangene aus den Justizvollzugsanstalten Rosdorf, Sehnde, Lingen, Vechta und Wolfenbüttel. Hinzu kamen zahlreiche Mitglieder externer Laufgruppen aus Göttingen und Umgebung, die ebenfalls auf einem 1060 Meter langen Parcours innerhalb der 6,5 Meter hohen Außenmauer das Gefängnisgelände umrundeten.

Unter den Teilnehmern waren auch sechs Gefangene aus der Justizvollzuganstalt Rosdorf. Für sie war es ein kleines Stück Freiheit, denn sie liefen gemeinsam mit den anderen Teilnehmern auch durch Bereiche, zu denen sie sonst keinen Zugang haben. Die übrigen Häftlinge mussten auf ihren Stationen bleiben. Einige Mitinsassen standen am Zellenfenster und verfolgten das Rennen als Zuschauer.

Sport spielt große Rolle

In der Rosdorfer Haftanstalt spiele Sport eine große Rolle, berichten die Übungsleiter Carsten Golly und Kristoff Zimmermann. „Wir sind gut ausgestattet.“ Die Gefangenen können Fußball, Volleyball und Tischtennis spielen, außerdem werden Funktionstraining, Indoorcycling sowie Rücken- und Zirkeltraining angeboten,

Hermann Weishoff hat nach jahrelangem Gefängnisaufenthalt in der Sicherungsverwahrung mit dem Sport angefangen. Damals sei es ihm gesundheitlich schlecht gegangen, erzählt er: „Dicke Beine, Bluthochdruck, ständig hatte ich einen roten Kopf wie eine Legehenne.“ Eine Trainerin brachte ihn dazu, seinen Lebensstil zu ändern. „Die war so fit, das war eine Extremsportlerin.“, Mit veganer Ernährung und regelmäßigem Sport schaffte es Weishoff, in kurzer Zeit 30 Kilo abzunehmen. Vor allem das Laufen begeisterte ihn: „Morgens bin ich mit den Strafgefangenen gelaufen, nachmittags mit den Sicherungsverwahrten.“

Mit 60 den ersten Halbmarathon

Später durfte der Sicherungsverwahrte auch mit Justizvollzugsbeamten außerhalb des Gefängnisses laufen. Mit 60 Jahren lief er den ersten Halbmarathon. Für den Volkslauf in der JVA Rosdorf hatte er sich ebenfalls wieder auf die 21-Kilometer-Distanz vorbereitet. Der Wettbewerb ging jedoch nur über fünf beziehungsweise zehn Kilometer. Weishoff lief einfach weiter und absolvierte noch eine elfte Runde. Er war ja jetzt frei.

Von Heidi Niemann

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