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Die Region „Der Horizont ist eine künstliche Grenze“
Die Region „Der Horizont ist eine künstliche Grenze“
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07:00 05.11.2018
Migration ist eines der Themen, denen sich Ehrhart Schröter gewidmet hat. Abstrakte Strukturen mit humanoiden Formen zeigt dieses Bild. Quelle: Heller
Göttingen

Vor den Augen von etwa 100 Besuchern hat Kulturdezernentin Petra Broistedt am Sonnabend die Kunstausstellung „Verwerfungen“ eröffnet. Die gezeigten Werke Erhart Schröters illustrieren abstrakt das aktuelle Zeitgeschehen und bilden einen Querschnitt durch die Arbeit der vergangenen zehn Jahre des Göttinger Künstlers.

Als erfolgreiches „Experiment“ bezeichnet Broistedt, mit Blick auf den gut gefüllten Saal, den gewählten Zeitpunkt am Sonnabendabend der Ausstellungseröffnung von Erhart Schröters „Verwerfungen“ im Alten Rathaus in Göttingen. Für gewöhnlich seien Ausstellungseröffnungen „ja eher am Sonntagvormittag“ terminiert. Die Dezernentin betonte, dass das Alte Rathaus ein Ort für anspruchsvolle Ausstellungen sei. Es werde sehr genau hingeschaut, wessen Arbeiten des historischen Rahmens würdig seien.

Geburtstagsausstellung und Ehrung

Schröters Ausstellung, die sich durch acht thematisch zwar geschlossene Räume ziehe, und unter dem Titel „Verwerfungen“ stehe, sei eine Exhibition, die dem hohen Anspruch in vollem Umfang gerecht werde – auch weil die Themen am Ende wieder zusammenfänden und einen Querschnitt durch ein Jahrzehnt der Arbeit des Künstlers darstellten, führte Broistedt weiter aus. Nicht zuletzt deshalb sei die Ausstellung ein Stück weit auch eine Geburtstagsausstellung zum anstehenden 80. Geburtstag Schröters und eine Ehrung des nachdrücklichen Wirkens des Künstlers im Göttinger Raum und darüber hinaus.

Zitat: „Erhart Schröter fühlt sich dann am lebendigsten, wenn er experimentieren kann.“

Der hannoversche Kunstkritiker Michael Stoeber, der dem Künstler nach dessen eigenen Worten bereits in der Vergangenheit im Dialog dazu verhalf „manche Dinge besser zu erkennen“, zeichnet ein lebhaftes, umtriebiges Bild des 79-Jährigen: „Erhart Schröter fühlt sich dann am lebendigsten, wenn er experimentieren kann.“

Deutlich macht Stoeber diesen Eindruck daran, dass ein Großteil der ausgestellten Stücke Werke sind, die in den letzten Jahren entstanden – Bilder, die sich mit aktuellen Themen beschäftigten: Die Darstellung eines brennenden Flüchtlingsbootes und eine Gruppe von Bildern, die sich malerisch mit Atombomben und Asteroiden beschäftigt, sind an prominenter Stelle in Raum Eins ausgestellt. Dessen Thema „Verwerfung“ ist zugleich der Titel der Ausstellung und umfasst die aktuellen Werke des Kanons.

Schröter bedankte sich bei beiden Rednern ausdrücklich dafür, dass sie einen harmonischen Bogen von seiner künstlerischen Arbeit zu seiner Person schlugen, bevor er selbst das Wort an sein Publikum richtete und die Ausstellung eröffnete.

Schröters großformatige Acrylbilder präsentieren sich abstrakt. Quelle: Heller

Musikalische Interpretation abstrakter Strukturen

Bereits zu Beginn der Veranstaltung hatte der Musiker Ove Volquartz seiner Bassklarinette jazzige Töne entlockt, die als melodiöse Begleitung auch in den Gang durch die Ausstellung einleiteten: Verwerfungen, Accidents, Seestücke, Pflanzenstücke, Einblicke, Doppelbilder, informell und Migration sind die Themen der acht Ausstellungsräume. Die künstlerischen Techniken, Untergründe und Malmittel sind vielfältig. So wird in jedem Raum eine neue Stimmung erzeugt. Dafür sorgen auch die verschiedenen Farbigkeiten und Schattierungen.

Tiefe und ihre Wirkung

Während im ersten Raum experimentelle Übermalungen auf den Betrachter wirken, ziehen immer wieder die Details das Auge an. „Sehen Sie, das ist hier ein bisschen so wie der Gang in die Tiefe, wie die Melodie, die wir gerade gehört haben“, ahmte Schröter einen Lauf Volquartz´ nach und wies auf ein Gemälde in Raum Sieben hin, dessen Farbigkeit sich in Braun- und Umbratönen bewegt, die im Zusammenspiel mit Weiß einen Tiefeneffekt erzeugt.

Tiefe, so erklärte Stöter, sei zentral in seiner Arbeit, da sich der Blick des Betrachters nicht in der Weite, sondern in der Tiefe verliere. „Der Horizont ist eine künstliche Grenze, die das Andere vor zudringlichen Blicken schützt.“ Vielleicht ist dies der Hinweis, der den Schlüssel in der Betrachtung der abstrakten Bilder liefert – nicht in der vordringlichen Masse der dargestellten Körper in etwa der Migrationsserie versteckt sich die Botschaft, sondern in der Tiefe, in dem, was bleibt, wenn man den Blick auf den Kern der Aussage lenkt. Schröters abstrakte Darstellungen wirken nach. Denn auch wenn nicht jedes Bild gefällt, so entlockt es dem Betrachter doch immer eine Regung.

Die Ausstellung „Verwerfungen“ von Erhart Schröter ist im Alten Rathaus, Markt 9 in Göttingen, dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr (bis 23. Dezember) zu besichtigen.

Von Claudia Bartels

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