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24. Duderstädter Gespräche: Jugendliche fordern Lehrer-Tüv

Ausbildung 24. Duderstädter Gespräche: Jugendliche fordern Lehrer-Tüv

Schließt das Bildungssystem Schüler aus? Was ist nötig, um die Schulabbrecherquote von 5,4 Prozent zu senken? Können Unternehmen Schüler ohne Schulabschluss auffangen? Diese Fragen waren Basis der Debatte und Reibungsfläche zwischen den Diskutanten bei den 24. Duderstädter Gesprächen.

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Schulabbrüche verhindern, zur Ausbildung motivieren: Wie Jugendlichen geholfen werden kann, wird bei den Duderstädter Gesprächen diskutiert (l.).

Quelle: Lüder

Duderstadt. Die sozialpolitische Veranstaltung des Kolpingwerks Hildesheim stand in diesem Jahr unter dem Titel „Kein Schulabschluss – keine Lehre – kein Job: Hartz IV als Perspektive?“

In der Kolping-Familienferienstätte Duderstadt diskutierten zwei Tage lang Vertreter von Gewerkschaften, Bildungsträgern, Landkreisen und Arbeitgebern, sowie Lehrer und betroffene Jugendliche. Jürgen Herbst, Präsident der Handwerkskammer Hildesheim, fasste das politisch brisante Thema in der Frage zusammen: „An welchen Stellschrauben müssen wir künftig ziehen, um Jugendlichen einen Schulabschluss zu ermöglichen und die Motivation, eine Ausbildung zu absolvieren, anzuregen?“

Dass eine Lösung des Problems im Dialog zwischen Betrieben, Bildungsinstitutionen und Schulabgängern besteht, verdeutlichte Jörg Hillmer, Mitglied des Niedersächsischen Landtags (CDU): „Im Bildungssystem darf es keine Sackgassen mehr geben, das Abitur ist jedoch kein Allheilmittel und Ziel für alle.“

Hürden des Schulsystems

Ausgangspunkt der Gespräche waren persönliche Erlebnisse, Probleme und Fragen von Jugendlichen. Eine Berufsschulklasse aus Hessen, eine Gruppe des Berufsbildungszentrums der Handwerkskammer sowie Teilnehmer der Berufsförderungsgesellschaft Labora waren der Einladung des Kolpingwerks gefolgt.

Sie hatten am ersten der zwei Veranstaltungstage in Workshops und Arbeitsgruppen die Fragen erarbeitet, die sie den Partei- und Verbandsvertretern am Folgetag im Plenum stellten. Im Mittelpunkt standen dabei Mobbing, Perspektivlosigkeit, pädagogische Mängel sowie unzureichende frühkindliche Förderung, unüberwindbare Hürden des Schulsystems sowie fehlender Freiraum und Zeit, um Defizite ausgleichen zu können.

„Viele Schüler sind Spätentwickler, die Zeit brauchen, um die nächste Stufe der Schule zu erreichen. Diese Zeit muss ihnen zugestanden werden, sonst fallen sie aus dem System“, forderten die Schüler. Außerdem würden Schüler zu früh in Schubladen gesteckt, aus denen sie auch mit großer Anstrengung nicht herauskämen.

„Oft erleben wir Lehrer, die demotivieren und das mögliche Scheitern in Prüfungen provozieren. Pädagogische Ansprüche werden nicht mehr erfüllt, wir brauchen einen Lehrer-Tüv“, lautete eine weitere Forderung der Jugendlichen. Hartmut Tölle, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds in Niedersachsen, und Ina-Maria Heidmann, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Hildesheim, waren sich hingegen einig, dass der pädagogische Anspruch an Lehrer zugenommen habe.

Die richtige Wunde

„Pädagogen fühlen sich heute oft hilflos, da nicht nur Lehrpensum und Inhalte verdoppelt wurden, sondern noch zusätzlich psychologische Betreuung erwartet wird“, sagte Heidmann.

Volker Müller, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen, erklärte: „Die Ohnmacht, die viele Jugendliche heute spüren, kann ich gut nachvollziehen. Zu mir wurde auch gesagt ,Müller sei schlau, geh zum Bau‘. Bitte gebt uns die Chance, Problemlösungen für die heute debattierten Anregungen zu erarbeiten.“

Auch Tölle versprach: „Heute wurde der Finger in die richtige Wunde gelegt. Eure Probleme wurden wahr genommen, auch wenn sie nicht von heute auf morgen gelöst werden können.“

In der abschließenden Erklärung, die allen Teilnehmern ausgeteilt wurde, finden sich zehn Anregungen, die Politik, Bildungsinstitutionen und Wirtschaft zukünftig in ihrer Entscheidungsfindung beeinflussen sollen. „Von Duderstadt geht ein Impuls in die Welt“, schloss Andreas Bulitta, Vorsitzender des Kolpingwerks Hildesheim, die Debatte.

Von Elisa von Hof

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