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Angst vor schlechten Noten kann krank machen

Leistungsdruck und Motivation Angst vor schlechten Noten kann krank machen

Täglich Kopfschmerzen und Magenkrämpfe? Angst vor schlechten Noten und Leistungsdruck führt bei jedem neunten Schüler zu starken Stress-Reaktionen. Das ergab eine Forsa Studie, die 2010 im Auftrag der Techniker Krankenkasse durchgeführt wurde. Besonders hoch wird der Druck vor den Abschlusszeugnissen.

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Bereitet sich mit Nachhilfe auf die Latein-Klausuren vor: Abiturientin Annabell Nocker mit Nachhilfelehrer Till Theele.

Quelle: Blank

„Der doppelte Abi-Jahrgang, die wegfallende Wehrpflicht – viele kommen im Sommer an die Unis und auf die Ausbildungsstellen“, sagt Michael Deppe. Er besucht das Eichsfeld-Gymnasium Duderstadt (EGD). Wegen der großen Konkurrenz will er ein möglichst gutes Abi schaffen und damit seine Chancen auf dem Ausbildungsmarkt erhöhen. Dafür ist er auch neben der Schule bereit, etwas zu tun. „Mathe ist mein Prüfungsfach, aber da könnten meine Leistungen besser werden“, findet er und nimmt Nachhilfe im Studienkreis.

Nicht nur Schüler, deren Versetzung gefährdet ist, kommen hierher, sondern zunehmend auch diejenigen, die einen großen Leistungsdruck verspüren. „Ich werde zu Hause unterstützt, aber den Druck mache ich mir selber“, gesteht Michael. „Die Arbeitgeber sehen zuerst die Noten, bevor sie sich entscheiden, wen sie zum Vorstellungsgespräch einladen“, ergänzt Johannes Otto. Auch bei ihm ist Mathe der Knackpunkt. „Ich bin durch Michael auf den Studienkreis aufmerksam geworden. Wir sind jetzt zusammen in einer Lerngruppe“ erklärt er. Die unterrichtet Arend Helms, sonst Mathe-Dozent an einer Fachhochschule. „In den kleinen Gruppen ist der Unterricht individuell auf den jeweiligen Schüler abgestimmt. Dabei geht es nicht nur darum, Lücken zu schließen, sondern ergänzend zur Schule zu arbeiten“, erläutert Helms einen Aspekt des Studienkreis-Konzepts. Der Stundenplan im Studienkreis ist voll. „Wir haben etwa 70 Schüler und zehn Nachhilfe-Lehrer“, sagt Gerrit Katharina Schwarz als Leiterin des Duderstädter Studienkreises.

Im Raum nebenan paukt Annabell Nocker Latein. „Das Lernen im Studienkreis ist intensiver, als wenn ich mich allein auf das Abi vorbereiten müsste“, sagt sie. Ihr Nachhilfelehrer Till Theele studiert Latein auf Lehramt, sieht aber die Arbeit im Studienkreis als Praxis-Ergänzung zum Studium.

„Ein guter Abschluss ist immer das Lernziel der Schüler“, so die Erfahrung der Leiterin. Im Studienkreis seien Schüler aller Schulformen vertreten, von der Grundschule bis zum Gymnasium. Auch die Eltern seien mit ihrer Unterstützung gefragt, allerdings weniger als Nachhilfelehrer für Zuhause. „Da entstehen oft Konflikte, wenn Eltern selbst versuchen, die Lücken der Kinder zu schließen“, hat Schwarz festgestellt. Manchmal reagierten die Eltern zu emotional, oder sie hätten den Stoff vor 30 Jahren anders gelernt. Es sei nicht leicht für Eltern, einerseits zu motivieren, andererseits die Schüler nicht noch mehr unter Druck zu setzen.

Dieses Problem kennt auch Bernward Wucherpfennig als Oberstufenkoordinator am EGD. „Um den Druck nicht zu groß werden zu lassen, motivieren die Oberstufenlehrer die Schüler, rechtzeitig den Stoff der vier Oberstufensemester zu wiederholen und nicht erst zwei Monate vor dem Abitur damit anzufangen. Es kommt nicht nur darauf an, was durchgearbeitet wird, sondern auch, wie gelernt wird. Bei der Planung der Arbeitsmethoden helfen wir“, beschreibt Wucherpfennig den Einsatz der Lehrer, für die ebenfalls mehr Stress anfalle durch die Umstellung der gymnasialen Schulzeit von neun (G9) auf acht Jahre (G8). Den größten Druck sieht er bei den Schülern des ersten G8-Jahrgangs, denen im Vergleich zu den älteren G9-Schülern ein ganzes Jahr mit Unterrichtsinhalten und persönlichem Reifeprozess fehle. „Besonders in den Naturwissenschaften fällt ein Jahr länger Schule ins Gewicht“, hat er festgestellt. Trotzdem will er die Schüler motivieren, mit diesem Druck umzugehen: „Wer nicht nur saisonal arbeitet, hat auch Chancen auf ein gutes Abi“, sagt Wucherpfennig.

Johannes Roger Hanses als Sozialpädagoge der Duderstädter Astrid-Lindgren-Schule meistert ebenfalls die Gratwanderung zwischen Motivation für einen guten Abschluss und Minderung des Leistungsdrucks. „In meiner eigenen Schulzeit konnte man sich die Lehrstelle aussuchen. Heute sind die Schüler froh, wenn sie überhaupt einen Ausbildungsplatz bekommen“, nennt er einen Grund für Leistungsdruck oder Frustration vor dem Hauptschulabschluss. Er entscheide bei jedem Schüler individuell, ob er zu mehr Leistung motivieren oder den Druck vermindern solle. „Manchmal hilft bei schlechten Noten nicht nur eine schulische Förderung, sondern es wird Hilfe in Form einer Familienberatung oder Konfliktlösung nötig“, so seine Erfahrung.

Claudia Müller vom Duderstädter Berufsbildungszentrum der Handwerkskammer Hildesheim macht auch Schülern Mut, deren Zeugnis nicht so toll ausfällt: „Handwerksmeister legen heute mehr Wert auf einen zuverlässigen Auszubildenden. Auf dem Abschlusszeugnis sind fünf unentschuldigte Fehltage viel schlimmer als eine vier in Mathe. Die Lücken in Mathe kann man in berufsspezifischen Schulungen aufholen, die beispielsweise von der Agentur für Arbeit angeboten werden“, sagt sie. Jetzt, so kurz nach den Halbjahreszeugnissen, sei es allerdings für Schüler mit schlechten Noten ratsam, das Gespräch mit dem Lehrer zu suchen. „Man kann fragen, worauf man achten sollte, um sich zu verbessern. So kann aus mancher vier noch eine drei werden“, so Müller.

Auch Studienkreisleiterin Schwarz empfiehlt, rechtzeitig Hilfe zu suchen, bevor der Druck zu echtem Stress wird. „Oft werden die Schulnoten schon besser, wenn man den passenden Weg zum Lernen gefunden hat“, weiß sie. Im Studienkreis wird vor dem ersten Unterricht der individuelle Lerntyp über einen Lern-Check-Fragebogen ermittelt. Das Ergebnis beziehen die Nachhilfe-Fachkräfte in ihren Unterricht mit ein. Den Eltern rät Schwarz, sich selbst zu hinterfragen, um die Kinder sinnvoll zu motivieren, aber auch Alternativen zu bieten, wenn das gewünschte Ziel nicht erreicht wird.

Von Claudia Nachtwey

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